Queere Jugendlichejung. queer. glücklich?!

Seite 4: Panel 2 I kissed a girl - and I liked it – Coming-out von lesbischen Mädchen

Der öffentliche Diskurs über Homosexualität wird dominiert von schwulen Männern und Jungen. Verbände und psychosoziale Beratungsstellen weisen schon seit Jahrzehnten auf das Phänomen hin: Lesbische Frauen und Mädchen sind gesellschaftlich und medial bis zur Unsichtbarkeit marginalisiert. Woran liegt die mangelnde Sichtbarkeit von Lesben in der Gesellschaft? Was kann getan werden, um gerade lesbische Mädchen in ihrem Coming-Out zu stärken und zu ermutigen, darum ging es in Panel 2, das von Ulle Schauws MdB, der frauenpolitischen Sprecherin der Grünen Bundestagsfraktion moderiert wurde.

Rita Braaz von LeTRa München (Beratungsstelle des Vereins Lesbentelefon e.V) machte in ihrer Ursachenforschung klar: „Lesbische Mädchen kommen nicht vor, weder in Literatur noch in Filmen, in den Medien oder in der Schule sind sie präsent.“ Aber auch innerhalb der queeren Comunity sind sie meist unsichtbar und mehr oder weniger von umtriebigen und oftmals gut vernetzten Männern an den Rand gedrängt. Das hat Folgen: Während beim Begriff „queer“ häufig automatisch an „schwul“ gedacht wird, verkommt lesbisch sein zur Randnotiz, allenfalls bemerkenswert, da ohne Mann. Fazit: Lesben sind noch nicht im Zentrum der Gesellschaft angekommen und immer noch viel zu wenig sichtbar.

Das liegt zum Teil auch daran, dass sich lesbische Mädchen nicht gerne als Lesbe bezeichnen und den Begriff für sich nicht zutreffend finden. Darauf wies Gundula Brunner Geschäftsführerin von IMMA e.V. Initiative für Münchner Mädchen hin. Möglicherweise ist das eine Folge des Bildes, das viele bei Lesben im Kopf haben – und das kollidiert stark mit der herkömmlichen Weiblichkeitsvorstellung. Um das zu korrigieren braucht es mehr Vielfalt und verschiedene Role-Models, darauf wies auch Laurel Braddock hin, die jahrelange Erfahrung als peer-to-peer-Beraterin beim Aufklärungsprojekt Lambda Berlin gesammelt hat. Deshalb wäre es wünschenswert, wenn Lesben in den Medien - beispielsweise bei den öffentlich-rechtlichen Sendern - eine größere Rolle spielen würden. Mädchen, die sich selbst als frauen-liebend einordnen, brauchen Vorbilder, um selbstbewusst zu sich stehen zu können. Offene Angebote als Möglichkeit, sich mit gleichaltrigen lesbischen Mädchen auszutauschen, sind wichtig und sollten speziell für Mädchen ausgebaut werden.

Marie Zeller vom Aufklärungsprojekt München unterstrich die Wichtigkeit der Schule als zentralen Ort im Leben der meisten Jugendlichen. Hier braucht es dringend einen entspannten, wertschätzenden Umgang und oftmals immer noch Handlungsempfehlungen für Lehrkräfte, um ein offenes wertschätzendes Klima zu schaffen und damit auch lesbische Mädchen positiv zu bestärken und ihnen zu ermöglichen, eine lesbische oder bisexuelle Identität aufzubauen. Das Stichwort lautet Entwicklungsförderung von Mädchen bereits im Kindesalter, diese leitet sich schon aus den UN-Kinderrechten ab.

Verwiesen wurde auch auf die Notwendigkeit bundesweite Strukturen zu schaffen, damit Mädchen, unabhängig in welcher Gegend sie leben, davon profitieren können. Hier braucht es nach Meinung der Expert*innen Bundesgesetze, die Gleichstellungspolitik zum Auftrag für alle Länder machen. Ebenso wichtig ist die geschlechtergerechte Verteilung von öffentlichen Geldern im Sinne des Gender-Budgeting.
Ulle Schauws konstatierte zum Abschluss des Workshops „Da müssen wir dringend weiterarbeiten und immer wieder zeigen, auch als lesbische Politikerinnen: wir sind da – uns gibt es!“

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