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KlimaschutzAuf dem Weg in eine neue Heißzeit

Anders Levermann ist Klimawissenschaftler am Potsdam-Institut für Klimaforschung und Professor für die Dynamik des Klimasystems am Institut für Physik der Universität Potsdam. In seinem Vortrag warnt er: "CO2 erhöht die Temperatur des Planeten, das führt zu mehr Wasserdampf und dann gibt es noch mehr Erwärmung. [...] Fünf Grad Erwärmung, wenn wir nichts tun - zwei Grad, wenn wir Paris einhalten. Diese zwei Grad sind fünf Meter Meeresspiegelanstieg, [...] eher ein bisschen mehr. [Probleme gibt es dann schon] mit Kalkutta, Shanghai, Hongkong, Hamburg, New York, Miami."
  • Ein internationales Team von Klimaforschern warnt vor einer neuen Heißzeit.
  • Auch beim Einhalten des obersten Wertes des Pariser Klimaziels (maximal 2 Grad Erderhitzung) kommen wir den "Kipppunkten" im Klimasystem gefährlich nahe, die unumkehrbare Ereignisse auslösen, und ihrerseits die Klimakrise verschärfen können. Hierzu zählen die auftauenden Permafrostböden in Russland oder das Abschmelzen des arktischen Eises.
  • Schon länger ist bekannt, dass der Meeresspiegel weit stärker und schneller steigt als bislang angenommen. Gewarnt wird auch vor den Folgen des Anstiegs des Meeresspiegels in Deutschland.
  • Anders Levermann, Klimaforscher und Mitautor des letzten Sachstandsberichts des Weltklimarates (IPCC), spricht im Interview (siehe oben) davon, dass 20 Prozent der Weltkulturerbestätten und Städte wie Hamburg oder New York bedroht sein könnten.
  • Wir Grüne im Bundestag fordern einen endgültigen Ausstieg aus der Kohle und ein Klimaschutzgesetz, dass den Klimaschutz rechtlich verbindlich macht und konkrete Minderungsziele für die einzelnen Sektoren wie Verkehr, Stromerzeugung, Wärme oder die Landwirtschaft vorgibt.

Verhindern wir die Heißzeit

Die neuen Forschungsergebnisse des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) rütteln auf. Sie zeigen, wie ernst die Lage bereits ist, sie dürfen aber keinesfalls dazu verleiten, den Kampf für die Pariser Klimaziele aufzugeben – im Gegenteil! Es wird deutlich, dass es auch auf jede Nachkommastelle beim Erreichen einer globalen Temperatur von deutlich unter 2 Grad ankommt. Die katastrophalen Folgen für unsere menschliche Existenz auf dem Planeten Erde, die uns gar bei vier oder fünf Grad globaler Erderhitzung erwarten, sind in ihrer Dimension kaum vorstellbar: weite Teile der Kontinente würden zu Wüsten, Klimaflucht nimmt dramatisch zu, ebenfalls wie weltweite Dürren und Extremwetterereignisse, deren Vorgeschmack wir in diesem Hitzesommer erleben. Aus der Forschung wissen wir nun klarer denn je: Der Treibhausgasausstoß muss jetzt deutlich runter, damit wir nicht weiter sehenden Auges auf die gefährlichen Kipppunkte, ab denen sich die Klimakrise unkontrollierbar verstärkt, zusteuern.

Wie hoch lassen wir den Meeresspiegel steigen?

Im Jahr 2009 tauchte das Kabinett der Malediven ab. Nicht weil sie so gerne unter Wasser tagen, sondern weil das ihr Schicksal sein könnte, wenn die Weltgemeinschaft nicht handelt, den CO2-Ausstoß zurückfährt und den Anstieg des Meeresspiegels begrenzt.

Auf der Klimakonferenz in Paris wurde 2015 ein erster wichtiger Erfolg erzielt. Die Staaten der Welt haben sich darauf verpflichtet, den globalen Temperaturanstieg auf deutlich unter 2 Grad zu begrenzen und die Treibhausgasemissionen spätestens in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts auf netto Null zu reduzieren. Diese Vereinbarung gilt es nun mit konkreten Maßnahmen umzusetzen.

Für viele in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft war die Klimakrise bislang nur ein nerviges Kind, das am Hosenbund des Vaters zupft und immer wieder sagt: Mit mir stimmt etwas nicht. Doch vielleicht schaut jetzt der Vater endlich mal hin und sieht den hochroten Kopf des Kindes: Fieber.

Unsere Erde hat Fieber: 2014, 2015 und 2016 waren hintereinander die wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen

Bis 2016 gab es drei Rekordjahre in Folge, gefolgt von 2017, dem wärmsten jemals gemessenen Jahr ohne das Klimaphänomen El Niño. Wetterextreme mit verheerenden Katastrophen an allen Orten der Welt und ein Anstieg des Meeresspiegels um bis zu zwei Meter im Jahr 2100 gilt bereits heute – unabhängig von diesen Rekordwerten – als sehr wahrscheinlich.

Davor müsse man nicht unbedingt Angst um Leib und Leben haben, denn man habe über einen langen Zeitraum die Möglichkeit sich zu schützen, sagt Klimaforscher Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Doch der Anstieg des Meeresspiegels werde im Jahr 2100 nicht stoppen, wenn wir mit dem CO2-Ausstoß so weitermachen wie bisher. Städte wie Hamburg oder New York und Weltkulturerbestätten überall an den Küsten könnten bei einem weiteren Anstieg unwiederbringlich verlorengehen. Das vollständige Abschmelzen des Grönlandeises etwa würde zu einem weltweiten Meeresspiegelanstieg von sieben Metern führen.

Wenn wir einfach so weitermachen, steigt die Temperatur um fünf Grad Celsius

Ändern wir unser Verhalten nicht, werde die Temperatur in der Zukunft um fünf Grad Celsius ansteigen, so Anders Levermann. Wenn wir den Temperaturanstieg auf deutlich unter zwei Grad Celsius beschränken wollen, wie es die Staatengemeinschaft in Paris beschlossen hat, müssen wir allerspätestens in den nächsten fünf Jahren das Maximum an Treibhausgasemissionen erreichen und dann rapide nach unten gehen, erklärt der Klimaforscher. Für die Industrieländer bedeute das, wir brauchen praktisch eine Dekarbonisierung, also einen Verzicht auf den Ausstoß von CO2, bis Mitte des Jahrhunderts, so wie es in Paris auch beschlossen wurde.

Wir Grüne im Bundestag fordern

Die Bundesregierung hat bisher vor allem geredet. Sie muss aber den Reden auf internationalem Parkett auch zu Hause konkrete und wirksame Taten folgen lassen. Das heißt wir brauchen:

  • Eine unverzügliche Stilllegung der 20 dreckigsten Kohlekraftwerke und eine Deckelung des CO2-Ausstoßes der verbleibenden Kohlekraftwerke analog zu den Klimazielen.
  • Den Kohleausstieg bis 2030 und eine planungssichere und unumkehrbare Gestaltung des Endes des Kohlezeitalters in Deutschland.
  • Ein Klimaschutzgesetz, mit dem der Klimaschutzpfad bis 2050 gesetzt und mit rechtlich verbindlichen und planbaren Zielen versehen wird. Neben Industrie und Energiewirtschaft müssen auch der Verkehr, die Landwirtschaft und der Gebäudesektor ihren Beitrag leisten. Werden die Ziele nicht erreicht, verpflichtet das Gesetz die Politik zum nachsteuern. Nur so gelingt es, auf dem Klimaschutz- und Modernisierungspfad zu bleiben.
  • Eine Fortführung der ökologischen Finanzreform, damit Preise die ökologische Wahrheit sagen. Solange Umweltbelastung und Ressourcenverbrauch keinen Preis bekommen, profitieren die Verursacher auf unser aller Kosten. Ökologisch ehrliche Preise belohnen dagegen Unternehmen, die mit Ressourcen pfleglich umgehen und Emissionen senken. Sie setzen Anreize, neue Techniken zu entwickeln und auch die Verbraucherinnen und Verbraucher profitieren, wenn langlebige Geräte Neuanschaffungen ersparen und klimafreundliche Heizungen die Stromrechnung senken.
  • Einführung einer wirksamen CO2-Bepreisung in allen Emissionssektoren, damit sich Investitionen in Klimaschutz für Unternehmen betriebswirtschaftlich unmittelbar lohnen und mit deren zusätzlichen Einnahmen weitere notwendige Klimaschutzmaßnahmen oder gesellschaftliche Aufgaben finanziert werden.
  • Ein Ende des Ausbremsens von sauberer Energie und zukunftsfähigen Arbeitsplätzen, damit wir im Jahr 2030 100% Erneuerbare im Netz haben.
  • In der Klimakrise benötigt Deutschland jetzt einen Klimafolgenanpassungsfonds, aus dem dringende Maßnahmen zum Schutz vor den schlimmsten Auswirkungen der Klimakrise finanziert werden. Wir schlagen hier Investitionen im Umfang von rund 2 Mrd. Euro vor.
  • Verstärkte Forschungsanstrengungen: Um uns auf die immer häufigeren Extremwetter einstellen zu können, müssen wir die lokalen Auswirkungen und nötigen infrastrukturellen Anpassungen an die globale Klimakrise noch besser prognostizieren: Denn je höher das globale Thermometer klettert, desto größer werden die Belastungen für unsere Gesundheit, für die Landwirtschaft, Artenvielfalt und Sicherheit.
  • Die Verankerung des Klimaschutzes als Staatsziel im Grundgesetz.

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