KlimaschutzDie Welt hat Fieber

  • Aktuelle Studien erwarten, dass der Meeresspiegel weit stärker und schneller ansteigen wird als bislang angenommen. Gewarnt wird auch vor den Folgen des Anstiegs des Meeresspiegels in Deutschland.
  • Anders Levermann, Klimaforscher und Mitautor des letzten Sachstandsberichts des Weltklimarates (IPCC), spricht im Interview davon, dass 20 Prozent der Weltkulturerbestätten und Städte wie Hamburg oder New York bedroht sein könnten.
  • Wir Grüne im Bundestag fordern einen endgültigen Ausstieg aus der Kohle und ein Klimaschutzgesetz, dass den Klimaschutz rechtlich verbindlich macht und konkrete Minderungsziele für die einzelnen Sektoren wie Verkehr, Stromerzeugung, Wärme oder die Landwirtschaft vorgibt.

Im Jahr 2009 tauchte das Kabinett der Malediven ab. Nicht weil sie so gerne unter Wasser tagen, sondern weil das ihr Schicksal sein könnte, wenn die Weltgemeinschaft nicht handelt, den CO2-Ausstoß zurückfährt und den Anstieg des Meeresspiegels begrenzt.

Wie hoch lassen wir den Meeresspiegel steigen?

Auf der Klimakonferenz in Paris wurde 2015 ein erster wichtiger Erfolg erzielt. Die Staaten der Welt haben sich darauf verpflichtet, den globalen Temperaturanstieg auf deutlich unter 2 Grad zu begrenzen und die Treibhausgasemissionen spätestens in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts auf netto Null zu reduzieren. Diese Vereinbarung gilt es nun mit konkreten Maßnahmen umzusetzen.

Für viele in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft war die Klimakrise bislang nur ein nerviges Kind, das am Hosenbund des Vaters zupft und immer wieder sagt: Mit mir stimmt etwas nicht. Doch vielleicht schaut jetzt der Vater endlich mal hin und sieht den hochroten Kopf des Kindes: Fieber.

Unsere Erde hat Fieber: 2014, 2015 und 2016 waren hintereinander die wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen

Bis 2016 gab es drei Rekordjahre in Folge, gefolgt von 2017, dem wärmsten jemals gemessenen Jahr ohne das Klimaphänomen El Niño. Wetterextreme mit verheerenden Katastrophen an allen Orten der Welt und ein Anstieg des Meeresspiegels um bis zu zwei Meter im Jahr 2100 gilt bereits heute – unabhängig von diesen Rekordwerten – als sehr wahrscheinlich.

Davor müsse man nicht unbedingt Angst um Leib und Leben haben, denn man habe über einen langen Zeitraum die Möglichkeit sich zu schützen, sagt Klimaforscher Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Doch der Anstieg des Meeresspiegels werde im Jahr 2100 nicht stoppen, wenn wir mit dem CO2-Ausstoß so weitermachen wie bisher. Städte wie Hamburg oder New York und Weltkulturerbestätten überall an den Küsten könnten bei einem weiteren Anstieg unwiederbringlich verlorengehen. Das vollständige Abschmelzen des Grönlandeises etwa würde zu einem weltweiten Meeresspiegelanstieg von sieben Metern führen.

Wenn wir einfach so weitermachen, steigt die Temperatur um fünf Grad Celsius

Ändern wir unser Verhalten nicht, werde die Temperatur in der Zukunft um fünf Grad Celsius ansteigen, so Anders Levermann. Wenn wir den Temperaturanstieg auf deutlich unter zwei Grad Celsius beschränken wollen, wie es die Staatengemeinschaft in Paris beschlossen hat, müssen wir allerspätestens in den nächsten fünf Jahren das Maximum an Treibhausgasemissionen erreichen und dann rapide nach unten gehen, erklärt der Klimaforscher. Für die Industrieländer bedeute das, wir brauchen praktisch eine Dekarbonisierung, also einen Verzicht auf den Ausstoß von CO2, bis Mitte des Jahrhunderts, so wie es in Paris auch beschlossen wurde.

Wir Grüne im Bundestag fordern

Die Bundesregierung hat bisher vor allem geredet. Sie muss aber den Reden auf internationalem Parkett auch zu Hause konkrete und wirksame Taten folgen lassen. Das heißt wir brauchen:

  • Eine unverzügliche Stilllegung der die 20 dreckigsten Kohlekraftwerke und eine Deckleung des CO2-Ausstoßes der verbleibenden Kohlekraftwerke analog zu den Klimazielen.
  • Den Kohleausstieg bis 2030 und eine planungssichere und unumkehrbare Gestaltung des Endes des Kohlezeitalters in Deutschland.
  • Ein Klimaschutzgesetz, mit dem der Klimaschutzpfad bis 2050 gesetzt und mit rechtlich verbindlichen und planbaren Zielen versehen wird. Neben Industrie und Energiewirtschaft müssen auch der Verkehr, die Landwirtschaft und der Gebäudesektor ihren Beitrag leisten. Werden die Ziele nicht erreicht, verpflichtet das Gesetz die Politik zum nachsteuern. Nur so gelingt es, auf dem Klimaschutz- und Modernisierungspfad zu bleiben.
  • Eine Fortführung der ökologischen Finanzreform, damit Preise die ökologische Wahrheit sagen. Solange Umweltbelastung und Ressourcenverbrauch keinen Preis bekommen, profitieren die Verursacher auf unser aller Kosten. Ökologisch ehrliche Preise belohnen dagegen Unternehmen, die mit Ressourcen pfleglich umgehen und Emissionen senken. Sie setzen Anreize, neue Techniken zu entwickeln und auch die Verbraucherinnen und Verbraucher profitieren, wenn langlebige Geräte Neuanschaffungen ersparen und klimafreundliche Heizungen die Stromrechnung senken.
  • Einführung einer wirksamen CO2-Bepreisung in allen Emissionssektoren, damit sich Investitionen in Klimaschutz für Unternehmen betriebswirtschaftlich unmittelbar lohnen und mit den zusätzlichen Einnahmen können weitere notwendige Klimaschutzmaßnahmen finanziert werden.

Mehr zum Thema Klimaschutz

18 Kommentare
Da kann etwas nicht stimmen!
Siegfried Marquardt 11.12.2015

Wenn um 1970 die CO2-Konzentartion 0,04 Volumen-Prozent und 280 ppm betrugen, dann konnten sich mit einer Quasi-Verdoppelung der CO2-Emission 1990 nicht 0,04 Prozent und 280 ppm ergeben. Auch der Wert für 2015 kann nicht mit 400 ppm stimmen Die Messung der CO2-Konzentration soll dabei in Hawaii und in Alaska vorgenommen werden, also an Orten, wo kaum eine CO2-Emission durch Industrie und Verkehr erfolgt. Die Messwerte müssten für 1990 ca. bei 460 ppm und für 2015 weit höher als 460 ppm liegen!
Siegfried Marquardt, Königs Wusterhausedn

Massive Forcierung alternativen Energie, einschließlich d. Kernfussion
Siegfried Marquardt 11.12.2015

Wenn die CO2-Emission so weiter forciert wird, dann laufen wir alle bald mit Atemschutzmasken herum! Die Dunstglocke über Peking erst vor kurzem war da nur ein kleiner Vorgeschmack dessen, was sich dann abspielen wird! Es verbleibt also gar keine andere Alternative, als schnellsten zu handeln und massiv alternativen Energien, wie die Sonne-, Wind- und Wasserenergie zu nutzen. Aber auch die Kernfusion und Kernfusionsreaktoren könnten gerade noch rechtzeitig zum Einsatz gelangen, um die Menschheit zu retten! Insofern ist es recht kleinlich und kleinkariert, wenn hier die finanziellen Mittel von 1 Milliarden € quasi als Gegenargument für diese Forschungen angeführt werden.
Siegfried Marquardt

Kernfusion forcieren!
Siegfried Marquardt 11.12.2015

Da sollte man lieber die Gelder für den Teilchenbeschleuniger LHC (Cern) in Meyrin bei Genf in der Schweiz für die Beschleunigung der Forschungen an der Kernfusion und Kernfusionsreaktoren umleiten. Insofern war es auch eine gravierende Fehlentscheidung, die AKW in Deutschland abzuschalten. Wenn es auch makaber und zynisch klingen mag: Ersticken (CO2, ) Absaufen (Anstieg der Meeresspiegel), Verbrennen und Explodieren (Methanemission) werden wir in wenigen Jahrzehnten 100-prozentig! Ein AKW von 1000 havariert dagegen höchstens einmal in 25 Jahren!
Siegfried Marquardt, Königs Wusterhausen

Bald geht uns die Puste aus!
Siegfried Marquardt 11.12.2015

Zum UN-Klimagipfel in Paris wurden die Eckdaten der klimatischen Veränderung unseres noch blauen Planeten im TV-Sender Phönix ausgestrahlt. Interessant war das Datum, das ein Kommentator anführte. Seit der Klimaaufzeichnung und Registrierung des CO2-Austoßes sollen in die Erdatmosphäre 650 GT (Milliarden Tonnen) an CO2 in die Erdatmosphäre emittiert worden sein. Dies ist grundlegend falsch! Denn seit 1860 bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt wurden rund 1,8 TT (Terra Tonnen - Billionen Tonnen) in die Atmosphäre emittiert, wie die mathematische Integration einer Funktion aus einer Grafik ergab! (M= 0,92* e0,025*155 : 0,025≈1,8 TT).
Siegfried Marquardt, Königs Wusterhausen

Bald geht uns die Puste aus!
Siegfried Marquardt 11.12.2015

Zum UN-Klimagipfel in Paris wurden die Eckdaten der klimatischen Veränderung unseres noch blauen Planeten im TV-Sender Phönix ausgestrahlt. Interessant war das Datum, das ein Kommentator anführte. Seit der Klimaaufzeichnung und Registrierung des CO2-Austoßes sollen in die Erdatmosphäre 650 GT (Milliarden Tonnen) an CO2 in die Erdatmosphäre emittiert worden sein. Dies ist grundlegend falsch! Denn seit 1860 bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt wurden rund 1,8 TT (Terra Tonnen - Billionen Tonnen) in die Atmosphäre emittiert, wie die mathematische Integration einer Funktion aus einer Grafik ergab! (M= 0,92* e0,025*155 : 0,025≈1,8 TT).
Siegfried Marquardt, Königs Wusterhausen

an Siegfried Marquardt !!!
Dr. Horst Denzer 12.12.2015

Wenn man 6 mal das Gleiche schreibt,wird es nicht besser. Kernfusion ist der einzige vernünftige Vorschlag in Ihren Kommentaren und da gibt es neue
vielversprechende Ansätze aber auch noch Probleme.
Alles andere ist nichts sagende Polemik. Tatsache ist, dass die Konzentration von CO2 in der Luft 0,04 % ist und wieviel Terratonnen wann emittiert worden sind, ist daher nur Effekt Hascherei. Außerdem unterscheiden Sie nicht zwischen anthropogenen und nicht anthropogenen Emissionen und erwähnen nicht einmal den Einfluss von Waldbränden, Deforestation usw. auf den CO2 Gehalt der Atmosphäre - dies ist typisch betrügerische grüne Politik mit einfachsten Phrasen !

Also wirklich
KOPFSCHÜTTLER 27.12.2015

Niemand kann doch ernsthaft bezweifeln, dass die Verbrennung von in Millionen Jahren akkumulierten Kohlenstoffs in wenigen Jahrzehnten einen deutlichen Einfluß auf die Erdatmosphäre habe muss. Und dass im Kapitalismus auch aus Leid und Problemen versucht wird Geld zu machen, kann wirklich kein Gegenargument sein, sondern alle Menschen bestärken, eigene Anstrengungen zu unternehmen und Konzernen und einigen von ihnen ausgehaltenen Politikern und Experten kritisch auf die Finger zu sehen. Ach, noch eins an die "Experten": der Masseinheiten-Vorsatz heißt "Tera" und nicht "Terra".

Ja....!
Oliver 16.02.2018

...die Handtasche muss lebendig sein! Morgen geht die Welt unter, wenn wir uns nicht alle vegan ernähren und auf Eselskarren fahren.

Ihr habt so etwas von abgedient, dass könnt ihr euch in euren vernebelten Hirnen gar nicht vorstellen...

Für diesen Artikel werden keine Kommentare mehr angenommen.