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KohleausstiegEs gibt keine Zukunft für Kohlekraft

Die Kühltürme des Kraftwerks Lippendorf dampfen bei frostigen Temperaturen am Morgen des 26.11.2013 hinter einer Wohnsiedlung in Rötha bei Leipzig (Sachsen).
Auf der Klimakonferenz im November in Bonn wurde hauptsächlich darüber verhandelt, nach welchen Regeln das Pariser Klimaschutzabkommen konkret umgesetzt werden soll. Doch weder sandte Bundeskanzlerin Merkel vor Ort wegweisende klimapolitische Signale aus noch trat die Bundesregierung der in Bonn gegründeten globalen Allianz für den Kohleausstieg bei. Dabei ist ein Ende der Kohleverfeuerung unabdingbar.

Auf der Klimakonferenz in Bonn (COP23) gab es einen starken Moment. Es war der französische Präsident Emmanuel Macron, der aufrütteln wollte. Er sagte mit Blick in den Saal und durchaus emotional berührt: Wenn jetzt nicht gehandelt wird, werden viele der hier vertretenen Völker bis zum Jahr 2100 verschwunden sein. Dazu sind wir nicht bereit. Die Lücke, die die USA mit ihrem Austritt aus dem Vertrag von Paris reißen, muss Europa jetzt füllen – und beim Klimaschutz voranschreiten.

Chapeau, Monsieur Macron!

Und Angela Merkel? Sie sprach vor Macron und war das komplette Gegenteil. Keine Emotion, keine Vision. Ja, der Klimawandel sei ein großes Problem, das man anpacken müsste, aber… Die Arbeitsplätze, die Kosten... Selten gab es einen Moment, in dem ein „Aber“ weniger angebracht war. Denn in Bonn sollte es doch endlich um handfeste Maßnahmen gehen, den globalen Temperaturanstieg auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. So wurde es vor zwei Jahren auf der Klimakonferenz in Paris beschlossen.

Wie ist das zu schaffen? Klar ist: Der Kohleausstieg und eine Verkehrswende hin zu CO2-armen Antrieben sind entscheidende Bausteine im Kampf gegen die Klimakatastrophe. Doch während auf der Bonner Konferenz über 25 Staaten und Städte den Kohleausstieg bis spätestens 2030 verkünden – darunter Kanada, Frankreich, Großbritannien, Italien und die Niederlande – blockiert Deutschland auf EU-Ebene ehrgeizigere Ziele zur Einsparung von CO2. Dabei trägt gerade unser Land eine erhebliche Verantwortung, denn deutsche Kohlekraftwerke sind für 13 Prozent des europaweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich.

Eine weitere Initiative ließ in den letzten Wochen aufhorchen. Ein breites Unternehmensbündnis aus unterschiedlichsten Branchen – darunter Aldi, Deutsche Bahn, Telekom, Adidas, Siemens, E.on und EnBW – fordert den Kohleausstieg und deutlich mehr Engagement beim Klimaschutz. Denn Klimaschutz kann ein Modernisierungsprogramm werden. Von der neuen Regierung erwarten die unterzeichnenden Unternehmen entschiedene und effiziente Maßnahmen zur Verringerung der Treibhausgasemissionen. Dazu gehört auch der konsequente Einstieg in die Verkehrswende mit der Stärkung von Schienenverkehr und kommunalem Nahverkehr sowie emissionsarmen Antrieben und dem Ausbau der Elektromobilität.

Es ist höchste Zeit für den Kohleausstieg

Der aktuelle Emissions Gap Report des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) kommt zu dem Ergebnis, dass bis zum Jahr 2030 um ein Drittel weniger klimaschädliche Treibhausgase ausgestoßen werden dürften, als in den Klimaschutzplänen der einzelnen Staaten bislang vorgesehen ist. Mit den aktuellen Plänen ließe sich die globale Erwärmung bestenfalls auf drei Grad begrenzen. Das aber ist noch viel zu wenig. Denn selbst wenn wir das Deutlich-unter-2-Grad-Ziel von Paris einhalten, bedeutet das schon einen Meeresspiegelanstieg von fünf Metern. Dann gehen nicht nur die Malediven unter, sondern auch küstennahe Städte wie Kalkutta, Hamburg und New York bekommen massive Probleme.

Anders Levermann vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung hat kürzlich gesagt: Wenn wir alle Kohle verbrennen, die wir gefunden haben, können wir den Planeten komplett eisfrei bekommen. Wenn das Eis von Grönland schmilzt, bedeutet das einen weltweiten Meeresspiegelanstieg von sieben Metern. Schmilzt auch das Eis der Antarktis, kommen noch mal 50 Meter dazu. Wir würden unseren Planeten nicht wiedererkennen. Dabei ist allein die Realität heute schon schlimm genug. Laut Oxfam werden pro Jahr bereits 24 Millionen Menschen von Unwettern, Stürmen und Überschwemmungen aus ihrer Heimat vertrieben. Und es werden immer mehr.

Fest steht: Es gibt keine langfristige Perspektive mehr für CO2-Technologien. Wenn wir heute nicht handeln, werden wir morgen dreckigere Luft atmen, Arbeitsplätze an andere Länder verlieren und insgesamt wirtschaftlich schlechter dastehen. Auf der Klimakonferenz in Bonn hat sich Deutschland nicht präsentiert, als wollten wir vorne mit dabei sein. Das muss sich endlich ändern.

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