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Aktuelle KlimareporteKlimakrise spitzt sich dramatisch zu

Eine Sturmfront über einem Stoppelfeld.
Dunkle Wolken über den Hoffnungen auf eine Bewältigung der Klimakrise. Es bleibt kein Aufschub für dringend nötige Maßnahmen zum Klimaschutz.

In den letzten Wochen haben Wissenschaftler und Berichte aus aller Welt erneut aufgezeigt, wie dramatisch ernst es um die Erderhitzung steht und wie schnell wir handeln müssen. Doch trotz der fundierten wissenschaftlichen Berichte und Zahlen passiert nichts. Wann wacht die Bundesregierung endlich auf?

UN-Umweltprogramm: Klimaanstrengungen verdreifachen

Der so genannte Emission Gap Report des UN-Umweltprogramms UNEP zeigt ein weiteres Mal, auf welch gefährlichem Klimapfad sich die Welt befindet. Die Emissionen sind im Jahr 2018 sogar wieder gestiegen, nachdem sie in den letzten drei Jahren wenigstens konstant geblieben waren. Laut Bericht können wir das Ziel, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, am besten auf 1.5 Grad, zu begrenzen, sogar noch schaffen.

Dafür müssen jetzt aber alle möglichen Anstrengungen unternommen werden. Derzeit befinden wir uns allerdings auf dem gegenläufigen Weg. Aktuell werde sich die Erdtemperatur um durchschnittlich circa 3,2 Grad im Vergleich zur Zeit vor der Industrialisierung erhöhen - und dann noch weiter steigen.

Mehrere Kipppunkte stehen bevor

Wir stehen vor irreversiblen Kipppunkten, zum Beispiel dem Abschmelzen des grönländischen Eisschildes, dem Auftauen der Permafrostböden und dem Verlust der CO2-Senke Amazonas. Die Anstrengungen der Weltgemeinschaft müssten verdreifacht werden, damit das Ziel der Begrenzung der Erderwärmung noch erreicht werden kann.

Der Bericht des UNEP reiht sich ein in eine Folge von Klimaberichten in der letzten Zeit, die ausnahmslos dramatisch sind und auf sofortiges Handeln drängen - doch anscheinend unerhört bleiben.

IPCC: Klimakrise braucht Entschlossenheit

Im Oktober wurde der IPCC 1.5 Sonderbericht des Weltklimarates veröffentlicht. Demnach sei die Begrenzung der Erderwärmung auf 1.5 Grad nur erreichbar, wenn radikale Maßnahmen ergriffen würden. Der Aufschrei war groß und auch die Bundesregierung bekräftigte, die Ergebnisse des Sonderberichts ernst nehmen und handeln zu wollen. Danach geschah jedoch nichts mehr.

Klimaschutzbericht 2018: Deutschland verfehlt Klimaziele

Im November hat die Bundesregierung ihren Klimaschutzbericht 2018 vorgestellt. Das Ergebnis ist genauso erschreckend wie im Jahr zuvor. Das Klimaschutzziel 2020 - die CO2-Emissionen im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent zu reduzieren - wird verfehlt werden.

Im Vergleich zum vorangegangenen Jahr wurden keine weiteren Maßnahmen ergriffen, dabei wissen wir nicht erst seit dem Sonderbericht des IPCC, wie dringend radikale Klimaschutzmaßnahmen nötig sind. Der Kohleausstieg wurde immer noch nicht begonnen, der Ausbau der erneuerbaren Energien immer noch nicht beschleunigt. Von einer Verkehrswende ganz zu schweigen.

Deutschlandreport: Klimaschutz ist auch wirtschaftlich eine Chance

Dabei zeigt auch der neueste "Deutschland Report" des Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos auf, dass die Mehrinvestitionen, die für das Erreichen der Klimaschutzziele 2030 und 2050 notwendig wären, nicht nur dem Klima helfen würden. Umsatz und Einkommen, zum Beispiel im Baugewerbe, aber auch das Bruttoinlandsprodukt allgemein würden durch Klimaschutz-Investitionen bis 2045 steigen.

Fatale Rekorde von CO2-Emissionen und CO2-Konzentration

Auch die Weltwetterorganisation der UNO (WMO) hat Mitte November erschreckende Rekordwerte, was die CO2 Konzentration in der Luft betrifft, gemeldet. In seinem Klimabericht hat die WMO zudem veröffentlicht, dass 2018 voraussichtlich das viertheißeste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen sein wird. Die Plätze davor belegen die Jahre 2015 bis 2017.

Nicht nur die CO2-Konzentration, sondern auch die CO2-Emissionen allgemein steigen weiter an. In der Anfang Dezember erschienen Studie "Global Carbon Budget 2018" wird ein erneuter Anstieg der weltweiten CO2-Emissionen durch fossile Brennstoffe, Industrie und Zementherstellung festgestellt. Um rund 2,7 Prozent sind die Emissionen dieses Jahr im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Wurde 2017 noch als negativer Ausreißer mit einem Anstieg um 1,6 Prozent gesehen und führt uns vor Augen, wie ernst die Regierungen den Klimaschutz nehmen.

US-Klimaschutzbericht: Massive ökologische, ökonomische und gesundheitliche Folgen

Am gleichen Tag hat auch in die USA heimlich still und leise ihren Klimaschutzbericht veröffentlicht. Der National Climate Assessment (NCA) hat der US Regierung die massiven ökonomischen und ökologischen Kosten der drohenden Klimakrise aufgezeigt. Doch Trump ignoriert die Warnungen und steuert sein Land weiter in die Klimakatastrophe. Doch neben den wirtschaftlichen und ökologischen Folgen, wird in einer Studie der UN und 27 führenden internationalen Forschungsinstituten auch auf die Folgen für die Gesundheit aufmerksam gemacht. Die Klimakrise, wird nämlich auch zunehmend zu einem Gesundheitsrisiko. In diesem Jahr stieg - so die Forscher - die Zahl der gefährdeten Menschen, die zum Beispiel Hitzeperioden ausgesetzt waren, weltweit um 18 Millionen an. Europa ist besonders gefährdet, zum einen, weil hier deutlich mehr ältere Menschen leben, aber auch da es ein sehr dicht besiedeltes Gebiet ist. Denn vor allem Stadtbewohner müssen mit deutlich heißeren Tagen und so genannten Tropennächten leben.

UN-Klima-Konferenz: Dürren, Überschwemmungen, Stürme nehmen zu

Auf der diesjährigen UN-Klimakonferenz in Katowice werden weitere Studien und Reports vorgestellt, wie zum Beispiel der Globale Klima-Risiko-Index der Nicht-Regierungsorganisation Germanwatch. Der Index zeigt an, wie stark Länder von Wetterextremen wie Überschwemmungen, Stürmen, Hitzewellen etc. betroffen sind. Vor allem Entwicklungsländer sind in der beobachteten Zeitspanne am härtesten betroffen. Dass die Klimakrise aber auch in Deutschland angekommen ist, zeigen nicht nur der Dürresommer und die Millionen Verluste bei den Landwirten sondern auch Germanwatch. Denn durch extreme Wetterlagen gab es 2017 auch in Deutschland 27 Todesfälle und materiellen Schäden von knapp 3,18 Milliarden Euro.

Es bleibt keine Zeit: Handeln! Jetzt!

Alle Berichte zeigen das gleiche auf: Wenn wenn wir eine Chance haben wollen, eine lebenswerte Erde für unsere Kinder und Enkel zu hinterlassen, müssen wir sofort handeln. Die Grüne Bundestagsfraktion hat das im Vorstandsbeschluss "Radikale Umweltpolitik" beschrieben.
Dass die Bundesregierung dennoch keinen Finger für den Klimaschutz rührt und weiterhin die Interessen von Auto- und Kohleindustrie vertritt, ist katastrophal. Die Vertagung der Kohlekommission so kurz vor dem Durchbruch und vor der UN Klimakonferenz in Polen ist kein gutes Signal in die Welt. Dass die Bundeskanzlerin der diesjährigen Klimakonferenz fernbleibt spricht ebenfalls Bände, was den Stellenwert der Klimapolitik für die Bundesregierung betrifft.
Wir haben es doch schwarz auf weiß: Jetzt müssen wir handeln und für einen wirksamen Klimaschutz Maßnahmen in allen Bereichen auf den Weg bringen.

In unserem Antrag für ein wirksames Klimaschutzgesetz fordern wir daher im Bundestag unter anderem:

  • Ein Klimaschutzgesetz, mit dem der Klimaschutzpfad bis 2050 gesetzt und mit rechtlich verbindlichen und planbaren Zielen für alle Bereiche versehen wird. Neben Industrie und Energiewirtschaft müssen auch der Verkehr, die Landwirtschaft und der Gebäudesektor ihren Beitrag leisten. Werden die Ziele nicht erreicht, verpflichtet das Gesetz die Politik zum nachsteuern. Nur so gelingt es den Klimaschutz- und Modernisierungspfad erfolgreich zu beschreiten.
  • Eine unverzügliche Stilllegung der 20 dreckigsten Kohlekraftwerke und eine Deckelung des CO2-Ausstoßes der verbleibenden Kohlekraftwerke, analog zu den Klimazielen. Den kompletten Kohleausstieg bis 2030 und eine planungssicheres, sozial und strukturelle abgesichertes Endes des Kohlezeitalters in Deutschland.
  • Eine ökologische Finanzreform, damit Preise die ökologische Wahrheit nennen. Solange Umweltbelastung sowie Ressourcen- und Energieverbrauch keinen angemessenen Preis bekommen, profitieren die Verursacher auf unsere Kosten. Ökologisch ehrliche Preise belohnen dagegen Unternehmen, die mit Ressourcen pfleglich umgehen und Emissionen senken. Sie setzen Anreize, neue Techniken zu entwickeln und auch die Verbraucherinnen und Verbraucher profitieren, wenn langlebige Geräte Neuanschaffungen ersparen und klimafreundliche Heizungen die Stromrechnung senken.
  • Einführung einer wirksamen CO2-Bepreisung in allen Emissionssektoren, damit sich Investitionen in Klimaschutz für Unternehmen betriebswirtschaftlich unmittelbar lohnen. Mit den zusätzlichen Einnahmen sollen weitere notwendige Klimaschutzmaßnahmen oder gesellschaftliche Aufgaben finanziert werden.
  • Ein Ende des Ausbremsens und stattdessen ein neuer Schub für erneuerbare Energien und zukunftsfähige Arbeitsplätzen, damit wir im Jahr 2030 100% Erneuerbare im Netz haben.
  • Die Verankerung des Klimaschutzes im Grundgesetz. Die international vereinbarten Ziele müssen auch national verbindlich festgeschrieben werden.

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