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FachgesprächWas muss ein Klimaschutzgesetz für die Landwirtschaft leisten?

Links Schweine mit Ringelschwanz in artgerechter Haltung. Rechts kupierte Schwänze im konventionellen Mastbetrieb.
Wir brauchen eine Agrarwende - hin zu einer grünen Landwirtschaft, die das Klima und die Umwelt schützt. Aber der Ausstoß von Treibhausgasen in der Landwirtschaft ist gleichbleibend hoch. Obwohl wirksame Maßnahmen und Möglichkeiten zur Reduktion auf dem Tisch liegen, wie unser Fachgespräch deutlich machte. Nach dem Dürresommer 2018 darf es kein Wegschauen mehr geben.

Wie kann der Landwirtschaftssektor seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten und wie kann dies im geplanten Klimaschutzgesetz verankert werden? Der Ausstoß von Treibhausgasen im Agrarbereich ist gleichbleibend hoch, obwohl wirksame Reduktionsmaßnahmen auf dem Tisch liegen. Nach dem Dürresommer 2018 kann es kein Wegschauen mehr geben - dieser Appell ging von unserem Fachgespräch zu Klimaschutz und Landwirtschaft aus.

Landwirtschaft unmittelbar von der Klimakrise betroffen

"Kein anderer Bereich ist so unmittelbar auf den Erhalt unserer Lebensgrundlagen angewiesen wie die Landwirtschaft. Sie ist daher auch eine der ersten Leidtragenden der Klimakrise, die sich immer weiter zuspitzt", eröffnete Fraktionsvorsitzender Anton Hofreiter die sehr gut besuchte Veranstaltung. In den letzten 15 Jahren mussten Bäuerinnen und Bauern durchschnittliche jährliche Ertragsausfälle im Wert von rund 470 Millionen Euro verkraften - infolge von Wetterextremen wie Dürre, Hagel und Starkregen. Das Umweltbundesamt (UBA) warnt, Trockenheit könne künftig gerade in Ost- und Südwestdeutschland zu verminderter Erntequalität und geringerem Ertrag führen. Häufigere Extremwetterereignisse könnten die Bodenerosion verstärken.

Die Anwesenden waren sich einig: Ein Weiter-so in der Landwirtschaft führt in eine Sackgasse, denn seit Jahren stagniert der Ausstoß von Treibhausgasen im Agrarbereich bei ca. 65 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten - und eine Trendwende ist nicht in Sicht.

Das Maßnahmenprogramm von Agrarministerin Julia Klöckner, das sie im Rahmen des geplanten Klimaschutzgesetzes vorgelegt hat, reicht nicht aus, um die nationalen Klimaziele der Bundesregierung für das Jahr 2030 erreichen.

Treibhausgas-Minderungspotenziale im Agrarsektor

Margarethe Scheffler und Kirsten Wiegmann vom Öko-Institut stellten ihre Studie zu den Treibhausgas-Minderungspotenzialen in der Landwirtschaft vor. Die derzeitige Landwirtschaftspolitik verschärft die Klimakrise über zahlreiche Wege - und der relative Beitrag der Landwirtschaft an den Treibhausgas-Emissionen in Deutschland steigt. Sie adressierten dabei drei zentrale Stellschrauben, um die Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft zu reduzieren:

Methan und Lachgasemissionen aus der Tierhaltung und dem Tierbestand, technische Maßnahmen und Düngungen, sowie die Erhaltung der natürlichen Senken und Aufbau der Böden und Moore. In allen drei Bereichen sind die Vorschläge des Bundeslandwirtschaftsministeriums laut Öko-Institut zu schwach und nicht mit dem Pariser Klimaabkommen vereinbar.

Lisa Badum MdB, Sprecherin für Klimapolitik, stellt fest: "Schon jetzt hält der Agrarsektor vielfältige Minderungspotenziale für Treibhausgase mit bekannten Instrumenten bereit. Ein nachhaltige und effiziente Bewirtschaftung, eine geringfügige Änderung im Verzehr von tierischen Produkten und ein konsequenter Stopp der Lebensmittelverschwendung könnte bereits viel zum wirksamen Klimaschutz beitragen."

Chancen des Klimaschutzes in der Landwirtschaft erkennen und nutzen

In der anschließenden Podiumsdiskussion wurden diese Ergebnisse und die Vorschläge der Agrarministerin von Reinhild Benning (Germanwatch), Jan Wittenberg (Bio-Ackerbauer und Vorstand der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft) und Gerolf Bücheler (Deutscher Bauernverband) lebhaft und kontrovers diskutiert. "Die Landwirtschaft leidet mit als erstes unter der Klimakrise. Zugleich hat sie aber auch enorme Potenziale, die Krise einzudämmen. Wir brauchen eine Agrarpolitik, die Bäuerinnen und Bauern beim Klimaschutz unterstützt und ihn auch unmittelbar ökonomisch attraktiv für sie macht.", stellte Harald Ebner, Sprecher für Gentechnik- und Bioökonomiepolitik und Waldpolitik klar.

Reinhild Benning sah angesichts von aktuellen Bewegungen wie "Fridays for Future" und "Scientists for Future" vielversprechende Chancen den Klimaschutz voranzutreiben. Der Praktiker Jan Wittenberg erklärte anhand der pfluglosen, ökologischen Bewirtschaftung seines Betriebes und seiner "Herde unter der Erde", dem Bodenleben, wie man ganz praktisch Klimaschutz auf dem Betrieb umsetzen kann. Gerolf Bücheler vom Deutschen Bauernverband (DBV) setzte auf Bioökonomie und auf den Export von klimafreundlich erzeugten Produkten.

Um Klima und Umwelt zu schützen, brauchen wir eine Agrarwende

Das Fachgespräch hat einmal mehr gezeigt: wir brauchen eine Agrarwende - hin zu einer grünen Landwirtschaft, die das Klima und die Umwelt schützt. Auf dem Weg dorthin müssen wir an den richtigen Stellschrauben drehen. Die Vorschläge der Agrarministerin reichen bei weitem nicht, um die Klimaziele zu erreichen. Statt eine schöngerechnete Aneinanderreihung von Wünsch-dir-was-Vorschlägen brauchen wir wirksame Klimaschutzmaßnahmen und ein Klimaschutzgesetz, das der klimafreundlichen Landwirtschaft endlich den Boden bereitet.

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