Frauen im KulturbetriebChancengleichheit in allen Branchen

Berlinale-Bär-Aufsteller am Potsdamer Platz

Unsere Kulturlandschaft lebt und zeichnet sich aus durch Vielfalt. Auf den kulturellen Reichtum in unserem Land können wir zu recht sehr stolz sein. Die Dimension der kulturellen Vielfalt beschränkt sich aber nicht allein auf die Auswahlmöglichkeit aus einem möglichst breiten kulturellen Angebot verschiedenster Sparten. Vielfalt heißt auch, möglichst verschiedene Perspektiven, die durch kulturelle Ausdrucksformen vermittelt werden, zuzulassen und zu fördern. Unterschiedliche Blickwinkel können dabei zum Beispiel durch das Alter, durch verschiedene Nationalitäten oder durch eine weibliche oder männliche Sichtweise entstehen. Leider ist gerade die Geleichberechtigung weiblicher und männlicher Perspektiven immer noch keine Selbstverständlichkeit im Kulturbetrieb.

Ein Mangel an weiblichem Nachwuchs ist kein Grund für diese Schieflage, im Gegenteil. Trotz einer steigenden Anzahl von Studentinnen in künstlerischen Studiengängen sind bis heute Frauen in allen künstlerischen Sparten nicht im gleichen Maße vertreten wie ihre männlichen Kollegen.

Neben dem Theater- und Orchesterbereich, hier zumindest mit Blick auf die Leitungsebene, steht der Film- und Fernsehproduktionsbereich als einer derer, in dem Frauen mit am schlechtesten vertreten sind. Aktuell macht die Initiative Pro Quote Regie unter anderem am Beispiel der durch den Deutschen Filmförderfonds geförderten Projekte deutlich, wie stark die Missverhältnisse sind. So wurden zum Beispiel 2013 von dem aus Bundesmitteln geförderten Fonds von 115 Projekten nur 13 Projekte von Regisseurinnen unterstützt.

Die berufliche Benachteiligung von Frauen ist ungerecht und den Kulturbetrieben geht zudem kreatives Potential verloren. Trotz dieser offensichtlichen Missstände, ist von Seiten der Bundesregierung bis heute keine nennenswerte Initiative zur Förderung der Geschlechtergerechtigkeit und zur Verbesserung der Situation weiblicher Kulturschaffender erfolgt.

Und gerade weil Kulturstaatsministerin Monika Grütters jetzt im Zuge der Berlinale beteuert wie wichtig ihr die Gleichstellung von Frauen im Kulturbetrieb sei, stellt sich die Frage: was wird die Bundesregierung wirklich für die Gleichstellung von Frauen im Kulturbetrieb tun, wenn die Scheinwerfer der Berlinale erst einmal wieder ausgegangen sind? Schließlich hat Frau Grütters bislang dort, wo sie wirklich etwas verändern könnte – nämlich bei der entsprechenden Anpassung der Förderkriterien in ihrem Haus, so dass sich die Förderung für Frauen und Männer gleichermaßen gut auswirkt – nichts unternommen!

Die grüne Bundestagsfraktion hat daher bereits im November 2014 einen Antrag in den Bundestag eingebracht, in dem die geschlechtergerechte Verteilung der öffentlichen Gelder aus dem Etat der Beauftragten für Kultur und Medien (BKM) gefordert wird. Dadurch soll sichergestellt werden, dass sich die Förderkriterien auf Frauen und Männer gleichermaßen gut auswirken und entsprechend angepasst werden. Und dies nicht nur im Filmbereich! Wir wollen Chancengleichheit für Frauen in allen Kulturbranchen.

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