FilmpolitikFrauen im Film: Stark unterrepräsentiert!

Am Filmset einer deutschen Fernsehsendung.
Studien der Filmförderanstalt (FFA) zeigen: Frauen sind in allen kreativen Schlüsselpositionen dramatisch unterrepräsentiert - und das, obwohl fast genauso viele Frauen wie Männer Abschlüsse in den entsprechenden Studiengängen an den Filmhochschulen machen.

Die Filmförderanstalt (FFA) hat am 13. Februar 2017 die Ergebnisse der Studien „Gender und Film“ und „Gender und Fernsehen“ vorgestellt. Die Studien zeigen: Frauen sind in so gut wie allen kreativen Schlüsselpositionen dramatisch unterrepräsentiert – und das, obwohl fast genauso viele Frauen wie Männer Abschlüsse in den entsprechenden Studiengängen an den Filmhochschulen erwerben.

Die Macht der geschlechterstereotypen Zuweisungen

Die beiden Studien führen umfangreiche Fakten und Daten auf. Mit Interviews und einer umfangreichen Online-Befragung wurden darüber hinaus die „weichen Faktoren“ untersucht, die dazu führen, dass filmschaffende Frauen weniger Aufträge oder nur kleinere Budgets für die Umsetzung eines Projektes erhalten als Männer. Ein wesentlicher Grund liegt in geschlechterspezifischen stereotypen Zuschreibungen: Männern werden eher Eigenschaften zugeschrieben, die in der stark auf Wettbewerb ausgerichteten Filmbranche als erfolgsrelevant gelten („Durchsetzungsstärke“, „Risikoaffinität“ etc.), Frauen eher die nichterfolgsrelevanten Eigenschaften („konfliktscheu“, „weniger belastbar“ etc.), so die Ergebnisse der Studie (S. 40ff).

Mütter werden stark benachteiligt

Zudem gelten Kinder in der Branche immer noch sehr stark als Frauenaufgabe. Frauen werden damit, sobald sie Mütter geworden sind, als größere Unsicherheitsfaktoren betrachtet, erklärte Katharina Hochfeld vom Fraunhofer Center for Responsible Research and Innovation bei der Vorstellung der Studie („Vielleicht fällt sie jetzt oft aus, wenn ihr Kind krank ist.“). Sind Männer jedoch Väter geworden, steigen ihre Chancen, einen Auftrag zu erhalten sogar noch („Er hat gezeigt, dass er Verantwortung übernehmen kann.“). Dabei fühlen sich laut der Studie Männer genauso stark von den familienunfreundlichen Arbeitsbedingungen in der Branche abgeschreckt wie Frauen: Auch Regisseure ziehen sich oft aus dem Geschäft zurück, wenn sie Kinder haben. Nur trifft der Effekt der geschlechterstereotypen Zuschreibungen Frauen deutlich härter als Männer.

In der Filmbranche hängt die Erteilung von Aufträgen oft von Netzwerken und Kontakten ab, sowie von dem „Bauchgefühl der Chancengeber“. Die Kombination aus stereotypen Zuschreibungen, die Frauen weniger Erfolg zutrauen, und einer großen Entscheidungsmacht Einzelner führt laut beiden Studien dazu, dass Frauen stark benachteiligt würden.

Es braucht einen Katalog mit objektiven Kriterien

Die Studien liefern umfangreiches Zahlenmaterial zum Vergleich der Situation filmschaffender Männer und Frauen. Jetzt müssen aus diesen Erkenntnissen aber unbedingt Maßnahmen abgeleitet werden, denn mit einer bloßen Bestandsaufnahme der ungerechten Situation ist es nicht getan.

Der Einfluss der Geschlechterstereotypen wird oft unterschätzt und ist den Beteiligten zumeist gar nicht so klar. Abhilfe schaffen könnten zum Beispiel objektive Kriterienkataloge für die Vergabe von Aufträgen oder Fördermitteln. Die Studie „Gender und Film“ empfiehlt zudem Sensibilisierungstrainings, damit sich die Beteiligten ihrer stereotypen Vorstellungen bewusst werden und diese überwinden können. Auch ein Internetportal zur Präsentation und Suche speziell von Regisseurinnen wäre eine direkte Maßnahme. Damit es nicht wieder heißt: „Uns ist keine Frau eingefallen, die wir hätten fragen können.“

Selbstverpflichtung der ARD zeigt Erfolge

Die ARD hat 2015 eine dreijährige Selbstverpflichtung eingeführt, um den Anteil der Regisseurinnen zu steigern. Diese scheint erste Erfolge zu bringen, der Anteil der Regisseurinnen hat sich tatsächlich erhöht. Hierfür ist auch ein gesteigertes Problembewusstsein in dem Bereich verantwortlich. Und die Regelung, dass Produzentinnen und Produzenten für Fernsehfilme und Krimis jeweils eine Regisseurin und einen Regisseur vorschlagen müssen.

Grüne Bundestagsfraktion setzt sich für Quoten ein

Im Bereich der Filmförderung setzen wir uns für Quoten bei der Vergabe von Fördermitteln ein. Für das neue Filmförderungsgesetz haben wir hierfür einen Vorschlag gemacht. Denn aufgrund der weit verbreiteten unbewussten Stereotype reicht eine geschlechterparitätische Besetzung von Verwaltungsrat und Vergabegremien der Filmförderungsanstalt bei Weitem nicht aus, um das Problem tatsächlich anzugehen. Auch eine paritätische Besetzung der Gremien ist dafür ein wichtiger Schritt.

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