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HeimatHeimathafen - Schutz, Sicherheit und Verlässlichkeit

Über „Heimat“ wird derzeit kontrovers diskutiert: als Ressort im Innenministerium, als Kampfbegriff von Rechtsaußen, aber auch als Ideal in einer zunehmend unübersichtlicheren Welt. Was uns denn jenseits des Grundgesetzes verbindet war die Ausgangsfrage,  die unsere Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt zu Beginn der zweiten Runde unserer „Gespräche über Heimat“ in den Raum warf.

Nicht erst seit dem aktuellen Hype um Heimat befasst sich die grüne Bundestagsfraktion mit dem Thema. Schon 2009 veranstalteten wir eine große Konferenz unter dem Titel „Heimat – Wir suchen noch“.

In dieser Wahlperiode hat Katrin Göring-Eckardt gemeinsam mit dem kulturpolitischen Sprecher Erhard Grundl eine Gesprächsreihe gestartet: „Gespräche über Heimat“ . Der zweite Teil fand am 7. November 2018 auf dem Salonschiff Philippa statt, das – passend zum Thema – vom Kreuzberger Urbanhafen für eine Spreefahrt ablegte.

ReferentInnen waren die Schauspielerin und Schriftstellerin Adriana Altaras, Esra Kücük von der Allianz Kulturstiftung und der Migrationsforscher Mark Terkessidis. Gleich zu Beginn der Diskussion zeigte sich die Spannbreite der Meinungen.

Zugehörigkeit, Liberalität, Offenheit

Während Katrin Göring-Eckardt Heimat als Ort der Zugehörigkeit, der Liberalität und der Offenheit beschrieb, erzählte Esra Kücük davon, wie sich ihre Haltung in den letzten Jahren rasant verändert habe. Der Begriff habe für sie inzwischen etwas Ausgrenzendes bekommen und sie befürchtete, dass die progressiven Kräfte der Gesellschaft nicht stark genug seien, um diesen Begriff zu kapern.

Mit Heimat habe ich kein Problem

Gelassen äußerte sich Mark Terkessidis: „Mit Heimat habe ich kein Problem.“ Terkessidis hat vor einigen Jahren gemeinsam mit Jochen Kühling das Projekt „Heimatlieder aus Deutschland“ initiiert, bei dem die Folklore der nach Deutschland Eingewanderten als Kunstform ernst genommen werden sollte.

Terkessidis wies darauf hin, dass viele MigrantInnen einen starken Bezug zu dem Ort haben, an dem sie leben, nicht aber unbedingt zur deutschen Nation. Die Idee Heimat gelte es deshalb von Konzepten wie Nation oder Leitkultur zu trennen.

Heimaten

Die in Kroatien, Italien, Marburg und Gießen aufgewachsene Adriana Altaras betonte denn auch, dass es Heimat für sie immer nur im Plural geben könne, das reiche für sie vom Singen deutscher Heimatlieder auf der Waldorfschule bis zu bestimmten Gerüchen. Nichts davon wolle sie sich nehmen lassen.

Weil Heimat eben sehr stark an persönliche Gefühle gebunden sei, kritisierte Esra Kücük das Heimatministerium Horst Seehofers, da es sich übergriffig in Privates einmische.

Kultur als Raum der Vielheit

Erhard Grundl lenkte die Diskussion zu der Frage, welche Rolle Kultur und Kultureinrichtungen beim Entstehen von Heimat spielen könnten. Dazu meinte Mark Terkessidis, dass Kultureinrichtungen ein Raum der Vielfalt und der Verhandlung sein könnten, oft aber bürgerliche Institutionen seien, an denen nicht alle Teile der Gesellschaft teilhaben könnten.

Dieter Rehwinkel vom Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement meldete sich dazu aus dem Publikum und forderte eine systematische Überprüfung der Förderstrukturen.

Rechtspopulismus und Kulturpolitik

Esra Kücük wies auf das starke Interesse der Rechtspopulisten an Kulturpolitik hin und zeigte sich besorgt angesichts der Renationalisierung von Kulturinstitutionen in vielen europäischen Ländern.

Adriana Altaras kritisierte die Art und Weise, wie MigrantInnen immer noch im Film dargestellt werden: „Ich habe als Schauspielerin so oft ein Kopftuch angehabt und dazu auch noch geputzt.“ Die Diskussion mit dem Publikum drehte sich unter anderem um die Frage, ob der Heimatdiskurs in Ostdeutschland unter anderen Vorzeichen geführt werden müsste, da es dort oftmals keine  Erfahrungen mit MigrantInnen gebe. Dieser Teil der Debatte soll beim dritten Teil von „Gespräche über Heimat“ vertieft werden.

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