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CrowdfundingKunst für alle, alle für die Kunst

Die Bundestagsabgeordneten Tabea Rößner und Erhard Grundl diskutierten mit Kulturschaffenden und Crowdfunding-ExpertInnen.

In der Kulturszene erfreut sich Crowdfunding immer größerer Beliebtheit. Mit dieser alternativen Finanzierungsform kann zweckgebunden Geld für ein definiertes Projekt gesammelt werden. Junge Bands etwa besorgen sich bei ihren Fans Geld für die nächste Produktion, Filmemacher suchen sich finanzielle Unterstützung, indem sie auf Internetplattformen ihre Idee vorstellen. Oft bekommen die Geldgeber eine kleine Gegenleistung, etwa indem sie im Abspann des Films namentlich erwähnt werden.

Mehr als Finanzierung

Die wachsende Bedeutung von Crowdfunding war Anlass für unser öffentliches Fachgespräch „Kunst für alle, alle für die Kunst“. Tabea Rößner, Sprecherin für Netzpolitik und Verbraucherschutz, und Erhard Grundl, Sprecher für Kulturpolitik,  hatten Kulturschaffende aus Musik und Film und Crowdfunding-ExpertInnen eingeladen, um mit ihnen über Möglichkeiten und Grenzen dieser Finanzierungsform zu diskutieren.

Stephan Popp von der Crowdfunding Campus GmbH wies gleich zu Anfang darauf hin, dass es bei Crowdfunding um mehr als Geldsammeln ginge. Denn dieses „Multifunktionswerkzeug“ ermögliche es Kreativen, Ideen auszuprobieren und schnelles Feedback dafür zu bekommen, ob es für eine Idee überhaupt eine Zielgruppe gibt. In diesem „proof of concept“ bestehe der zentrale Wert von Crowdfunding, außerdem könne durch Crowdfunding eine Community geschaffen werden, die den Künstler über lange Zeit begleitet und unterstützt.

Gefahr der Ökonomisierung

Die Musikerin Anke Johannsen beklagte allerdings den hohen technischen Aufwand und die Tatsache, dass KünstlerInnen durch Crowdfunding gezwungen würden, zu SelbstvermarkterInnen zu werden. Dies berge die Gefahr einer zunehmenden Ökonomisierung des Kulturbetriebs.

Konsens bestand in der Runde darüber, dass Crowdfunding lediglich eine ergänzende Finanzierungsform sein könne und keinesfalls die öffentliche Kulturfinanzierung ersetzen dürfe. Intensiv diskutiert wurde aber darüber, ob eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne in die Bewertung für eine öffentliche Förderung eingehen sollte. Ellen Ahbe von der Bundesvereinigung Soziokulturelle Zentren betonte, dass gerade Nachwuchskünstler noch nicht über Netzwerke und Marketingkompetenzen verfügten, die für erfolgreiches Crowdfunding erforderlich seien. Deswegen müssten Crowdfunding und Kulturförderung strikt getrennt voneinander gedacht werden.

Eines von vielen Instrumenten

Stephan Popp hingegen plädierte für eine stärkere Verknüpfung der beiden Bereiche und meinte, dass erfolgreiches Crowdfunding in die Bewilligung einer Förderung einfließen sollte. Hinsichtlich des Regulierungsbedarfs wurden einige Stellschrauben benannt, etwa in der Steuergesetzgebung und im Kleinanlegerschutzgesetz. Karsten Wenzlaff, Gründer und Geschäftsführer von ikosom – Institute of Communications for Social Media, forderte ein Crowdfunding-Gesetz, mit dem Crowdfunding besser an bestehende Förderungsstrukturen angepasst werden könnte. Der Filmproduzent Frieder Scheiffele fände es sinnvoll, wenn Kreative – ähnlich wie in Frankreich -  mehr Beratung und Unterstützung für Crowdfunding bekämen. Insgesamt wurde bei dem Fachgespräch deutlich, dass Crowdfunding zwar kein Allheilmittel sein kann, es aber bereits ein wichtiges Instrument der Kulturfinanzierung ist, bei dem es noch einiges zu optimieren gilt.

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