Parlamentarischer AbendLesetheater Septembren

"Septembren"

Die Bilder der zerstörten Stadt Aleppo sind uns allen noch vor Augen. Seit Monaten und Jahren erreichen uns nahezu täglich neue kaum zu ertragende Nachrichten aus Kriegsgebieten. Ein normales Leben hat es seit 2012 nicht mehr gegeben. Vier Jahre Krieg. Und auch die Zahlen derjenigen die auf ihrer Flucht, bei uns in Europa sterben, sollten uns innehalten lassen. Anfang Februar veröffentlichte UNICEF aktuelle Zahlen: Mindestens 1354 Tote innerhalb von drei Monaten, unter ihnen schätzungsweise 190 Kinder. Menschen, die auf der Suche nach Zuflucht ihr Leben verloren haben.

Was passiert mit den Menschen, die Krieg und Flucht miterleben müssen? Dieser Frage hat sich die grüne Bundestagsfraktion im Rahmen eines parlamentarischen Abends mit einem im Bundestag ungewohnten Format gewidmet. Musikalisch und malerisch begleitet lasen Corinna Harfouch und Kathleen Morgeneyer das Stück „Septembren“ von Philippe Malone. Darin werden auf poetische Weise Momente der Flucht und menschlicher Zerstörung beschrieben, um den sonst so weit entfernten Krieg nah an die Zuschauer heranzurücken. Helge Leiberg hat den Text mit seiner Live-Malerei künstlerisch interpretiert, Hannes Gwisdek den Sound zur Inszenierung kreiert. Die starke, poetisch-erzählerische Sprache nimmt sich dem Prozess der Erinnerung und des Traumas an – es wird kein konkreter Fall, vielmehr ein symptomatischer Prozess beschrieben, die Eskalation einer Zwangslage in die radikale Entscheidung. Das Erleben eines Kindes in einer namenlosen Stadt, die durch Bombenangriffe zerstört wurde. Das berührt und stellt Fragen. Diese wurden im Anschluss an das Lesetheater mit den Künstlerinnen und Abgeordneten intensiv diskutiert. Claudia Roth, Katja Dörner, Luise Amtsberg, Volker Beck und Ulle Schauws luden zu den Themenschwerpunkten Europäische Flüchtlingspolitik, Flüchtlingskinder, Integrationspolitik und Erinnerungskultur in der Einwanderungsgesellschaft ein.

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1 Kommentar
Eindrücklicher Abend und Komfortzone
Henning Schluß 07.03.2017

Vielen Dank für den spannenden und beeindruckenden Abend!!!
Kritische Anmerkung: Ein wenig hat uns die Anmoderation von Claudia Roth gestört, nach der wir mit dem Besuch bei der Performance uns aus der "Komfortzone heraus begeben" hätten. Nach unserem Eindruck haben wir uns in die Komfortzone hinein begeben und zwar gleich mehrfach, Erlesenes Publikum, abgeschirmtes Gebäude, hervorragendes Buffet, Hochkultur vom Feinsten, Was wenn nicht das ist Komfortzone? Wir sind dann zurück nach Oranienburg gefahren, wieder raus aus der Komfortzone, aber so unterschiedlich ist anscheinend die Wahrnehmung.
- Das Stück war sehr beeindruckend - aber das Ende fanden Verena und ich ägerlich.

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