Opfer des NationalsozialismusStolpern wird zu Erinnerung

Wer stolpert, muss nicht zwangsläufig hinfallen. Man kann auch einfach nur leicht aus dem Tritt geraten und sich fragen, was ist hier gerade passiert. Der Kölner Künstler Gunter Demnig macht daraus eine ganz besondere Form des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Seit 1996 erinnert er mit seinen Stolpersteinen an von den Nazis deportierte und ermordete Menschen. Über 50.000 von den goldenen Steinen hat er europaweit überall dort in den Boden eingelassen, wo die Menschen aus ihrem Leben gerissen worden sind. „Hier wohnte“ heißt es auf den kleinen Steinen. Neben Namen und Alter erfährt man auch noch, wann und wohin die Opfer deportiert worden sind.

Wer durch Berlin läuft, kann sich dieser leisen und doch prägnanten Form der Erinnerungskultur nicht entziehen. Über 6.300 Steine liegen alleine in der Hauptstadt und zeugen so von schmerzhaften Verlusten – verortet und greifbar.

Grüne Abgeordnete stiften zwei Stolpersteine

Die Bundestagsfraktionen stiften jetzt zehn Stolpersteine vor dem Marie-Elisabeth-Lüders-Haus in Erinnerung an die jüdischen Mieterinnen und Mieter des damaligen Gebäudes Schiffbauerdamm 29. Für die grüne Bundestagsfraktion übernehmen die Abgeordneten Ulle Schauws und Volker Beck die Patenschaft. Sie erinnern mit ihren Stolpersteinen an Else und Max Tichauer, die hier am 1. März 1943 von den Nationalsozialisten verschleppt und später in Auschwitz ermordet worden sind.

"Für die Gräueltaten der Nationalsozialisten und die millionenfache Ermordung von Menschen, zu denen auch das Ehepaar Tichauer gehörten, kann es nie eine Wiedergutmachung geben“, sagte Ulle Schauws. „Wir dürfen aber niemals aufhören, Verantwortung für den Umgang mit der Vergangenheit unseres Landes zu übernehmen.“

Das Gedenken und Mahnen an die Vertreibung, Deportation und Ermordung von Jüdinnen und Juden im Nationalsozialismus müsse auch im Bundestag stattfinden, sagte Volker Beck. Denn auch auf dem Gelände der Bundestagsliegenschaften hätten Opfer der Shoa gelebt. „Deshalb ist es ein selbstverständliches und auch richtiges Signal aller Fraktionen im Bundestag, sich mit Patenschaften für die Stolpersteine auch selbst in die Pflicht zu nehmen“, so Volker Beck.

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