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KunstfreiheitUnder Pressure - Kunst und Freiheit

Beim Kulturabend der Bundestagsfraktion diskutierten wir mit unseren Gästen über die Kunstfreiheit und ihre politischen Rahmenbedingungen.

Kunst ist frei, heißt es in Artikel 5 unserer Verfassung. Tatsächlich ist die Freiheit der Kunst ein ganz zentraler Bestandteil der offenen, demokratischen Gesellschaft. Allerdings erleben wir gerade einen Kulturkampf, in dem sie in Frage gestellt wird. Rechte Gruppen und Parteien in vielen europäischen Ländern setzen Kultureinrichtungen unter Druck und propagieren eine nationalistische Kulturpolitik, die nur noch „das Eigene“ fördern soll. Dahinter steht der Wunsch nach kultureller Homogenität. Mit unserem Kulturabend mit dem Motto „Under Pressure. Kunst und Freiheit“ wollten wir ein öffentliches Zeichen dagegen setzen. Denn kulturelle Vielfalt setzt für uns freien Austausch und Vermischung voraus.

Angriffe auf die kulturelle Vielfalt

Nachdem die etwa 350 Gäste von der international besetzten Brassband Banda Internationale aus Dresden begrüßt worden waren, betonte die Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt in ihrer Eröffnungsrede, dass die rechten Angriffe auf die Kunstfreiheit etwas völlig anderes sind als die Kritik von Minderheitengruppen an den kulturellen Ausschlüssen, die im Namen der Kunstfreiheit de facto stattfinden. Während es hier um mehr Diversität geht, bezwecke das „große rechte Reinemachen“ das genaue Gegenteil: den Angriff auf die pluralistische Gesellschaft und die kulturelle Vielfalt.

Erhard Grundl, kulturpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion, würdigte in seiner Rede denn auch die kritische Funktion von Kunst: Die Freiheit, neu und unbequem zu sein, mache die Kunst zu mehr, als zum bloß repräsentativen Schmuck einer Kulturnation. Zusammen mit der Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth hat Grundl die „Brüsseler Erklärung für die Freiheit der Kunst“ initiiert, die von weit über 50.000 BürgerInnen, darunter viele Kulturschaffende, unterschrieben wurde.

Kunstfreiheit und ihre Grenzen

Im anschließenden, von Erhard Grundl moderierten Townhall-Gespräch sprach sich Amelie Deuflhard vom Kampnagel Hamburg dafür aus, den Rechten „andere Narrative, andere Musiken, andere Texte“ entgegen zu setzen. Deren geschlossenes Weltbild sei das genaue Gegenteil dessen, was Kunst ausmacht, nämliche offene Bilder zu schaffen.

Kunst lasse sich – wie der Humor - per se nicht einsperren, meinte der Pianist Igor Levit, aber das Verstörende und Irritierende an ihr könne sehr wohl begrenzt werden. Wie Deuflhard wünschte sich Levit, dass man sich nicht immer nur an den Rechten abarbeite. Stattdessen solle klarer darüber gesprochen werden, wofür man sich einsetzen wolle.

Die Rapperin und Aktivistin Sookee erklärte vor dem Hintergrund ihrer eigenen Erfahrungen in der Hip Hop-Szene, dass es nicht reiche, einfach nur abstrakt die Kunstfreiheit hochzuhalten. Wenn – wie im Rap leider oftmals der Fall – im Namen der Kunstfreiheit sexistische, antisemitische und andere menschenverachtende Inhalte verbreitet würden, dann müsse sehr wohl über die Grenzen der Kunstfreiheit gesprochen werden. 

Nicht die Mehrheit entscheidet über gute Kunst

Cesy Leonard vom Zentrum für Politische Schönheit (ZPS) verwehrte sich in einem anschließenden „Schlaglicht“ gegen die Kriminalisierung einer ZPS-Kunstaktion durch die Staatsanwaltschaft Gera und die Gleichsetzung von politischer Kunst mit organisierten Nazis wie den Identitären.

Maximilian Steinbeis, Gründer des „Verfassungsblog“ und Co-Autor des Buches „Mit Rechten reden“, wies in seinem „Schlaglicht“ darauf hin, der Grundgesetzartikel 5 besage, dass nicht qua politischer Mehrheitsbildung entschieden werden dürfe, was gute und schlechte, ja was überhaupt Kunst sei. Kunstfreiheit heiße, dass Kunst dies aus sich selbst heraus bestimme.

In der folgenden Publikumsdiskussion entfachte sich ein kleiner Disput zwischen Olaf Zimmermann vom Deutschen Kulturrat und Shermin Langhoff vom Gorki Theater Berlin. Zimmermann verlangte von den Grünen „klare Kante“ bei Angriffen auf die Kunstfreiheit von links wie etwa bei der Forderung nach der Übermalung eines als sexistisch empfundenen Gedichts von Eugen Gomringer an Alice Salomon Hochschule in Berlin. Langhoff hielt entgegen, dass damit reale Angriffe von rechts verharmlost würden. Gedichte von Leuten, die seit hunderten Jahren die kulturelle Hegemonie haben, seien nun wirklich nicht das Problem.

Die international besetzte Brassband Banda Internationale aus Dresden
Die international besetzte Brassband Banda Internationale aus Dresden. Im Hintergrund: Erhard Grundl MdB. Links im Bild: Monika Lazar MdB
Erhard Grundl MdB
Erhard Grundl MdB, kulturpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion
Amelie Deuflhard vom Kampnagel Hamburg
Amelie Deuflhard vom Kampnagel Hamburg
Pianist Igor Levit
Igor Levit, Pianist
Rapperin Sokee aus Pasewalk
Rapperin und Aktivistin Sookee
Cesy Leonard vom Zentrum für Politische Schönheit
Cesy Leonard vom Zentrum für Politische Schönheit
Maximilian Steinbeis, Gründer des „Verfassungsblog“ und Co-Autor des Buches „Mit Rechten reden“
Maximilian Steinbeis, Gründer des „Verfassungsblog“ und Co-Autor des Buches „Mit Rechten reden“
Shermin Langhoff vom Gorki Theater Berlin
Shermin Langhoff vom Gorki Theater Berlin

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