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"Homo-Heiler"Aktionsplan gegen "Konversionstherapien"

Zwei Mädchen am Strand

Es ist ein Skandal, dass im Jahr 2019 Pseudotherapien, die darauf abzielen, die homosexuelle Orientierung zu ändern, nach wie vor in Deutschland stattfinden. Aus diesem Grund legen wir als grüne Bundestagsfraktion sehr konkrete Vorschläge vor: einen Gesetzentwurf zum Verbot solcher gefährlichen und schädlichen Pseudotherapien bei Minderjährigen und einen ausführlichen Antrag mit zahlreichen Maßnahmen zur Aufklärung und zur Unterstützung Betroffener.

Das Thema darf nicht mehr auf die lange Bank geschoben werden. Wir wollen den gefährlichen Pseudotherapien jetzt schnell entgegenwirken.

Aktionsplan gegen "Homo-Heiler"

Zu den Maßnahmen gehören unter anderem Kampagnen, die die Akzeptanz der Vielfalt sexueller Orientierungen und geschlechtlicher Identitäten ausbauen und über die Gefahr von Behandlungen aufklären. Hiermit sollen die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die Bundeszentrale für politische Bildung sowie Jugendhilfeeinrichtungen beauftragt werden. Zivilgesellschaftliche Organisationen, die Aufklärungsarbeit leisten, sollen finanziell unterstützt werden.

Darüber hinaus sollen die Richtlinien des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenversicherung überprüft werden, damit die sogenannten „Konversions“- oder „Reparations“-Therapien nicht unter anderen Leistungen abgerechnet werden können. Und schließlich muss klar sein, dass das Anbieten solcher Pseudotherapien, die die grundrechtlich geschützte Menschenwürde der Betroffenen verletzt, der Gemeinnützigkeit entgegensteht.

Verbot von sogenannten Konversionstherapien

Mit dem Grünen Gesetzentwurf wollen wir die Durchführung von Behandlungen, die das Ziel haben, die sexuelle Orientierung zu verändern, bei Kindern und Jugendlichen verbieten und mit einer Geldbuße ahnden. Minderjährige sind unter Gesichtspunkten des Kindswohls an dieser Stelle besonders schutzbedürftig – sie sollten in ihrer Entwicklung gestärkt und nicht von gefährlichen sog. „Homo-Heilern“ krank gemacht werden.

Bereits 2013 hat der Weltärztebund, ein Zusammenschluss der nationalen Ärztekammern, zu dem auch die Bundesärztekammer gehört, auf seiner 64. Weltversammlung in Brasilien eine Resolution verabschiedet: Sie stellte fest, dass sogenannte "reparative" oder Konversionstherapien mit dem Ziel, Homosexuelle zu "heilen", gefährlich sind. Demnach sollten sie verboten und bestraft werden. Die Resolution wurde gemeinsam von der Bundesärztekammer, der französischen und der britischen Ärztevereinigung eingebracht.

Der Gesundheitsminister redet statt zu handeln

Nachdem die grüne Bundestagsfraktion in der vergangenen Woche angekündigt hatte, beim Thema Konversionstherapien erneut aktiv zu werden, hat Minister Spahn eine 180 Grad Wendung hingelegt. Während das Ministerium noch im Juli 2018 ein Verbot von Konversionstherapien vollständig abgelehnt hat, hat der Minister ohne eine konkrete Vorlage jetzt seine Unterstützung eines Verbots signalisiert. Allerdings will Gesundheitsminister Spahn das Verbot von Konversionstherapien im Berufsrecht und Sozialrecht verankern. Bei dieser Regelung würden alle Anbieter herausfallen, die solche Verfahren nicht berufsmäßig oder außerhalb von Kassenleistungen anbieten. Da Konversionstherapien oft in bestimmten religiösen Kreisen stattfinden, ist es wichtig, diese Verfahren weitest möglich zu erfassen und für alle zu regeln.    

Angebote genau unter die Lupe nehmen

Organisationen, die in Deutschland derartig schädigende Behandlungen anbieten, empfehlen oder Ratsuchende auf einschlägige Anbieter hinweisen, stammen meist (aber nicht ausschließlich) aus dem evangelikalen Spektrum. Freilich unterstützt nicht das gesamte evangelikale Spektrum solche Bestrebungen, gerade in den letzten Jahren mehren sich dort auch kritische oder zumindest differenziertere Stimmen.

Bei Organisationen, die solch schädigende Behandlungen weiterhin anbieten, empfehlen oder Ratsuchende auf solche Angebote hinweisen, hat aber nach Berichten Betroffener auch aus jüngster Zeit offenbar kein Umdenken stattgefunden, sondern es finden sich vor allem ausgefeiltere Strategien der Camouflage.

Es wird heute meist ein Vokabular benutzt, mit dem man sich unangreifbar machen will und mit dem die reale Haltung sowie der ideologische Hintergrund der Ablehnung von Homosexualität kaschiert werden sollen, zum Beispiel der „Versuch einer Veränderung“. Einige halten auch am Therapie-Begriff fest und sprechen dann von „Reorientierungstherapien“. An der Schädlichkeit ändert die geänderte Bezeichnung nichts, sie macht solche Angebote, Empfehlungen oder Hinweise an Ratsuchende nur noch gefährlicher, weil intransparenter.

Insgesamt scheint in diesem Spektrum allerdings Einiges in Bewegung. Das ist erfreulich. Auch das in unserem Gesetzentwurf geforderte Verbot solcher Ansätze in Bezug auf Minderjährige führt dazu, dass einschlägige Angebote endlich von berufenen Stellen fachlich unter die Lupe genommen werden können. So haben wir in einer Neufassung unserer parlamentarischen Initiativen nun auf die Nennung konkreter Organisationen verzichtet. Denn es ist nicht Aufgabe von Fraktionen, einzelne Organisationen in ihrer Arbeit zu bewerten.

In den USA hat Exodus International, der „größte christliche Informationsdienst“ der Ex-Gay-Bewegung, seine Arbeit eingestellt. Fast vier Jahrzehnte lang hatte Exodus International in 19 Ländern versucht, Homosexuelle zu heilen. 2013 entschuldigte sich die Gruppe bei Menschen, "denen wir geschadet haben", und gab ihre Auflösung bekannt.

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