Regenbogenabend Feier der Ehe für alle

Regenbogenabend

Fast 800 Menschen versammelten sich wenige Stunden nach der Verabschiedung des Gesetzes zur Eheöffnung für Lesben und Schwule im Reichstagsgebäude, um dieses historisches Ereignis zu feiern und über die künftigen Herausforderungen zu diskutieren.

Auf dem jährlichen Empfang tauschten sich unter anderem Aktive aus Initiativen, Vereinen und Verbänden, die sich für die Belange von Lesben, Schwulen, Trans*Menschen und Intersexuellen (LGBTTI) einsetzen, aus. Durch den Abend moderierte Margot Schlönzke.

"Ein Hoch auf uns!"

Fraktionsvorsitzende Katrin Goering-Eckhardt begrüßte die Gäste mit einem musikalischen Zitat: „Ein Hoch auf uns, ein Hoch auf dieses Leben, ein Hoch auf die Liebe. Was für ein Tag und was für ein Erfolg für einen jahrelangen Kampf.“ Sie erinnerte zudem an die Aktion Standesamt vor 25 Jahren. Hätten lesbische und schwule Paare damals schon heiraten können, gäbe es jetzt bereits die ersten Silberhochzeiten.

„Welch ein geiler Tag!“

Fraktionsvorsitzender Toni Hofreiter schloss an: „Welch ein geiler Tag!“ und bedankte sich bei Volker Beck, der gezeigt hätte, kämpfen lohnt sich, auch wenn demokratische Auseinandersetzungen manchmal jahrzehntelang dauern können. Außerdem stellte er klar, dass die grüne Bundestagsfraktion nicht nachlassen werde, gegen Diskriminierung zu kämpfen.

„Heute feiern wir zwar, aber morgen kämpfen wir weiter für ein modernes Familienrecht, für die Ersetzung des veralteten Transsexuellengesetzes durch ein modernes Selbstbestimmungsgesetz und für Menschenrechte von LGBTI weltweit.“

„Die Liebe hat heute gesiegt!“

Antje Kapek, Fraktionsvorsitzende aus dem Berliner Abgeordnetenhaus, freute sich über den historischen Tag und betonte, Berlin sei Regenbogenhauptstadt, ein Sehnsuchts- und Zufluchtsort für alle, die konservativer Tristesse ihrer Heimat entfliehen möchten. Diese Freiheit, Akzeptanz und Selbstbestimmtheit wünschten wir uns überall! Aber auch in Berlin müssten wir diese Weltoffenheit verteidigen und uns konservativen Rollbacks entgegenstellen.

„Legalisierung ermöglicht Akzeptanz – aber auch umgekehrt“

Carolin Emcke, Autorin und Publizistin, betont, dass sie lange nicht mehr so berührt war wie an diesem Tag. Gleichzeitig erinnerte sie an den Schmerz durch homosexuellenfeindlichen Hass, durch Demütigungen und die Kräfte, die es gekostet hatte, diesen unglaublichen langen Weg zu gehen. Ihre Gedanken seien bei alldiejenigen, die in ihrem Alltag für mehr Akzeptanz und Respekt gekämpft hätten: Lehrer*innen, Kulturschaffende, Menschen, die gegen Homophobie eingegriffen haben, und bei allen, die immer wieder gegen Vorurteile ihre Stimme erhoben haben. Zum Schluss appellierte Emcke, dass neben all der Freude über die Eheöffnung nicht vergessen werden dürfte, dass diejenigen, die Ehe für sich ablehnen, genauso viel Respekt verdienten.

„Minderheitenrechte sind Menschenrechte!“

Rabbiner Walter Homolka würdigte die Lebensleistung von Volker Beck. Er unterstrich, dass Volker Beck ein Kämpfer für Menschenrechte sei. „Er hat den Kampf um Minderheitenrechte immer als einen Kampf für Menschenrechte begriffen.“ Er betonte zudem, dass der grüne Abgeordnete nicht nur ein Held der LGBT-Community sei, sondern genauso von den deutschen Jüdinnen und Juden geschätzt würde, die in ihm einen verlässlichen Verbündeten gefunden hätten.

„Ein Sieg für Freiheit, Gleichheit und Menschenwürde“

Volker Beck bedankt sich zum Schluss bei allen Aktivist*innen der LGBT-Bewegung, die sich in den vergangenen Jahren zusammen mit den Grünen für die Eheöffnung, gegen Diskriminierung und für gleiche Rechte für Lesben, Schwule, Trans* und intersexuelle Menschen eingesetzt haben.

„Gemeinsam haben wir dafür gekämpft, dass unser Menschsein respektiert wird - inklusive unserer sexuellen Identität und nicht trotz ihr.“ Er rief alle Schwule und Lesben dazu auf, zu zeigen, sie haben aus ihrer Geschichte von Verfolgung gelernt. Sie müssten die Solidarität, die sie erfuhren, an diskriminierte und verfolgte Gruppen zurückgeben, die es heute besonders schwer hätten. Ganz besonders Sinti und Roma, die in Europa ausgegrenzt und verfolgt würden sowie Jüdinnen und Juden, die von erstarkendem Antisemitismus betroffen seien.

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