Parlamentarischer RegenbogenabendGemeinsam für die Vielfalt

Gemeinsam mit der grünen Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin hat die Bundestagsfraktion zu einem Parlamentarischen Regenbogenabend eingeladen, um über die geleistete Arbeit im Bereich der Bürgerrechtspolitik im vergangenen Jahr zu informieren und einen Ausblick auf die kommenden Aufgaben zu geben. Gleichzeitig hat der Empfang dem Austausch mit den Aktiven aus Initiativen, Vereinen und Verbänden gedient. Etwa 250 Menschen sind dieser Einladung gefolgt.

Zunächst begrüßte Ramona Pop, grüne Fraktionsvorsitzende im Abgeordnetenhaus, alle Anwesenden und erinnerte an die vor fünf Jahren verabschiedete Initiative für sexuelle Vielfalt, die die grüne Fraktion in Berlin initiiert hat. Sie sprach zudem über die falsche Politik des Senats, der immer wieder bei Projekten gegen Homophobie Geld einsparen will und über den teils erfolgreichen Kampf dagegen.

Danach sprach Claudia Roth. Volker Beck hatte zuvor an den 1994 persönlich vom Papst gegen sie verhängten Kirchenbann erinnert. Dies geschah, nachdem das Europaparlament den „Roth-Bericht“ verabschiedet hatte, in dem die Öffnung der Ehe und die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare auch im Adoptionsrecht gefordert wurden. Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages nannte die jüngsten homophoben Entgleisungen in einigen Medien unerträglich und betonte, dass Gleichheit nicht ein bisschen Rechte sondern vollständige Gleichstellung voraussetze. Sie wies zudem auf die Situation in Uganda und in anderen Ländern hin, wo Homosexualität mit schweren Strafen bis hin zur Todesstrafe geahndet wird. Schließlich begrüßte sie die internationalen Gäste: den Schiedsrichter, Halil Ibrahim Dincdag, der in der Türkei zwangsgeoutet wurde und in der Folge sowohl seine Schiedsrichterlizenz als auch seinen Arbeitsplatz verloren hat, sowie zwei lesbische Aktivistinnen aus Namibia, Elizabeth Khaxas und Liz Frank.

Der Vorsitzende des Bundestagsfraktion, Anton Hofreiter, nannte es skandalös, dass es im deutschen Parlament immer noch eine Mehrheit für Diskriminierung von Lesben, Schwulen und Transgendern gebe. Zudem hat er die Forderung nach Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare bekräftigt. Für ihn persönlich sei die Ehe immer eine „bürgerliche Nummer“ gewesen. Aber: „Wenn jemand es aber will, muss er oder sie diese bürgerliche Nummer haben dürfen“.

Als Gastrednerin sprach die Journalistin und Autorin Carolin Emcke über die jüngste Welle der Intoleranz, die sich nicht nur in einigen Medien sondern auch im Kampf gegen die neuen Bildungspläne in Baden-Württemberg ausdrücke. Zunächst merkte sie an, dass sie in ihrer bisherigen journalistischen Arbeit in Krisengebieten gelernt habe, dass alle Menschen nicht gleichartig aber gleichwertig seien. Dann stellte sie die Frage, warum sich ausgerechnet Lesben, Schwule und Transgender für die Art und Weise, wie sie lieben und leben möchten, immer wieder rechtfertigen müssten. Emcke betonte: Für sie sei es selbstverständlich, andere Lebensentwürfe zu akzeptieren und sich beispielsweise dafür einzusetzen, dass niemand wegen seiner Religion oder Weltanschauung irgendwelche Rechte abgesprochen bekommt. Sie forderte mehr Einsatz für die Rechte von Lesben, Schwule und Transgender. Die Gesellschaft müsse zudem erneut ausbuchstabieren, was Liebe, Lust und Füreinander-Sorgen bedeuten.

Außerdem war der Parlamentarische Regenbogenabend erneut eine Gelegenheit sich bei VertreterInnen der zahlreichen gesellschaftlichen Initiativen, Projekten, Organisationen, die sich in den Kampf um Akzeptanz und Anerkennung von Lesben, Schwulen, Trans- und Intersexuellen engagieren, zu bedanken und auf weitere gute Zusammenarbeit anzustoßen.

Mehr zum Thema Lesben Schwule

Dieser Artikel ist älter als zwei Monate, deshalb werden keine Kommentare mehr angenommen.

4391538