Weltwassertag 2017 Globale Herausforderung Wasserversorgung

Anlässlich des Weltwassertages am 22. März 2017 luden Uwe Kekeritz, Sprecher für Entwicklungspolitik, und Peter Meiwald, Sprecher für Umweltpolitik, zum Fachgespräch „Globale Herausforderung Wasserversorgung“. Experten der German Toilet Organization (GTO), der Bremen Overseas Research and Development Association (BORDA), von Viva con Agua und des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes (OOWV) diskutierten insbesondere über die Abwasserentsorgung und die Auswirkungen fehlender sanitärer Anlagen.

Die Dringlichkeit für internationales Handeln zeigen die alarmierenden Zahlen des Weltwasserberichts (2016): 1,8 Milliarden Menschen haben keinen verlässlichen Zugang zu sauberen Trinkwasser; 2,4 Milliarden Menschen fehlen ausreichende Sanitäranlangen. Weltweit fließen 80 Prozent des Abwassers aus Häusern und Städten, Industrie und Landwirtschaft unbehandelt in die Umwelt. Die Leidtragenden sind vor allem die Ärmsten der Armen. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind jährlich 842.000 Todesfälle Folge von verunreinigtem Trinkwasser, schlechten sanitären Anlagen und unzureichender Hygiene. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, UNICEF, spricht derzeit von einer „anhaltenden Wasserkrise“. Bis 2040 werden rund 600 Millionen Kinder in Gebieten mit extrem eingeschränkter Wasserversorgung leben werden - jedes vierte Kind weltweit!

Globale Herausforderungen für die Wasser Ver- und Entsorgung sind die schlechte Versorgungsinfrastruktur, die Umweltsituation in trockenen Gebieten und das Bevölkerungswachstum. Für die Umsetzung des Nachhaltigkeitsziels 6 der Agenda 2030 (SDGs), das die Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle fordert, braucht es großes Engagement. Die Grüne Bundestagsfraktion hat dazu einen Antrag vorgelegt, der Handlungsmöglichkeiten aufzeigt.

Nur eine flächendeckende Sanitärversorgung, die sogenannte „Total Sanitation“ führe zum Erfolg, konstatierte Johannes Rück. Er ist Koordinator des deutschen Wasser-, Sanitärversorgungs- und Hygiene-Netzwerks - kurz WASH – und stellvertretende Geschäftsführer der GTO. Ziel seiner Arbeit ist es, allen Menschen weltweit Zugang zu sauberen Toiletten und funktionsfähigen Abwassersystemen zu ermöglichen. Die Auswirkungen fehlender Zugänge zu sanitären Anlagen werden Rück im Rahmen seiner Arbeit immer wieder bewusst. Eine häufige Folge: Viele Mädchen bleiben der Schule fern, sobald sie ihre Menstruation bekommen, oder brechen den Schulbesuch sogar ganz ab. Menschen, die durch unzureichende Hygienebedingungen erkranken, können ihrer Arbeit nicht weiter nachgehen. Da davon vor allem ökonomisch schwächer gestellte Menschen betroffen sind, verstärkt sich dadurch wiederum die Armut.

Dass auch heute noch viele Menschen nicht einmal Zugang zu einer Toilette haben, ist für uns unvorstellbar. BORDA knüpft hier an und versucht mit dezentralen Konzepten eine Grundversorgung für Menschen in ländlichen Regionen in Entwicklungsländern sicherzustellen. Solche Projekte sind wichtig, da die Dienstleistungen des Staates oder des Privatsektors oft nicht zu allen Menschen gelangen oder schlichtweg zu teuer sind. Stefan Reuter, der Geschäftsführer von BORDA, betonte vor allem den Dialog mit kommunalen Partnern. Auf deutscher Ebene sollten deutlich mehr kommunale Versorgungsunternehmen ermutigt werden Partnerschaften zu schließen. Deutschland sollte sein internationales Engagement im Wassersektor verstärken.

Auch in Deutschland stellt uns das SDG 6 vor Herausforderungen. Denn unser Grundwasser ist viel zu hoch mit Gülle belastet, das hat der Nitratbericht der Bundesregierung gezeigt. Die Haltung zu vieler Nutztiere auf zu wenig landwirtschaftlicher Fläche muss ein Ende haben. Die Gülle, die Schweine, Rinder und Geflügel in Deutschland jährlich produzieren, würde einen Güterzug von der Länge des Äquators füllen. Um dieses Problem zu lösen, muss die Agrarpolitik viel stärker ökologisch ausgerichtet werden.

Christian Wiebe, Bereichsleiter Wasserprojekte und Gründungsmitglied von Viva con Agua, hob insbesondere die Bedeutung eines Bewusstseinswandels für eine nachhaltige Gestaltung von Wasserprojekten und die Erreichung des SDGs 6 hervor. Viva con Agua setzen in ihren Projekten im globalen Süden vor allem auf gemeinschaftliche und kreative Aktionen aus Musik, Kunst und Sport. Egon Harms ist beim OOWV für die Wasserwirtschaft und Qualitätsüberwachung zuständig. Der OOWV engagiert sich seit Jahrzehnten in Buffalo City, Südafrika. Am Beispiel dieser Kooperation verdeutlichte Harms, wie Partnerschaften mit Entwicklungsländern zum beiderseitigen Nutzen funktionieren können. Auch er plädierte für eine stärkere Förderung kommunaler Partnerschaften.

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