Humanitäre HilfeHerausforderungen für die Humanitäre Hilfe

Eine Frau wartet mit ihrem Kind auf eine Lebensmittelverteilung am Samstag, 30. Juni 2012, während eines Besuches der Caritas Österreich im Ernährungszentrum Dingazi in Quallam (Niger).

Unter dem Titel „Humanitärer Weltgipfel 2016: Globale Flüchtlingssituation – Finanzierung des wachsenden humanitären Bedarfes sicherstellen“ wurden am 17. Februar 2016 im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe des Deutschen Bundestags 13 ExpertInnen aus internationalen und deutschen Organisationen angehört, darunter VertreterInnen von OCHA (=Nothilfekoordinator der Vereinten Nationen), UNHCR (Flüchtlingskommissar der VN), WFP (Welternährungsprogramm der VN), IKRK (Internationales Komitee vom Roten Kreuz) und VENRO (Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe).

Grundlage der Diskussion, die unter regem Publikumsinteresse stattfand, war der gerade erschienene Bericht des Generalsekretärs der Vereinten Nationen, Ban Ki Moon, „One Humanity: Shared Responsibility“. Dieser Bericht ist Ergebnis eines dreijährigen Konsultationsprozesses in 153 Ländern, der der Vorbereitung des ersten Humanitären Weltgipfels (World Humanitarian Summit, WHS) am 23. und 24. Mai 2016 in Istanbul dient.

Eine wichtige Erkenntnis des Berichts ist: Politische Lösungen sind gefragt. Humanitäre Hilfe kann politisches Handeln nicht ersetzen. Eine andere ist, dass es angesichts der humanitären Lage einfach mehr Geld braucht. In der Anhörung drückte Ralf Südhoff vom WFP das so aus: Eine Verzehnfachung des humanitären Bedarfes binnen weniger Jahre bedeute eine Überforderung auch eines noch so guten Systems. Vier oder fünf humanitäre Großkrisen gleichzeitig seien bis vor einigen Jahren noch unvorstellbar gewesen. 80 Prozent der humanitären Hilfe fließe heutzutage in menschengemachte Krisen (Kriege, kriegerische Konflikte).

Heute haben wir es mit mehr Flüchtlingen als je zuvor seit dem zweiten Weltkrieg zu tun, wobei sich die Geflüchteten heute im Durchschnitt zwei Jahrzehnte auf der Flucht befänden (intern Vertriebene 17 Jahre, Flüchtlinge 23 Jahre). Dies macht nach Meinung von Johan Cels, Vertreter des UNHCR, und anderer anwesender ExpertInnen nicht nur mehr, sondern auch flexiblere Finanzierung des humanitären Bedarfes notwendig. So plädiere der Bericht des Generalsekretärs für 30 Prozent flexible Finanzierung, während dieser laut Ralf Südhoff heute bei nur acht Prozent liege.

Eine weitere Forderung des Berichts des Generalsekretärs nach Einhaltung des humanitären Völkerrechts wurde von Balthasar Staehelin vom IKRK betont: dies sei nicht nur während des Konflikt von großer Bedeutung, sondern auch danach, denn die Erfahrung zeige: je weniger das humanitäre Völkerrecht während des Konflikts eingehalten werde, desto schwieriger gestalte sich anschließend die Versöhnung und der Wiederaufbau.

Mehr zum Thema Menschenrechte

Dieser Artikel ist älter als zwei Monate, deshalb werden keine Kommentare mehr angenommen.

4398417