Weltwassertag 2014Wasser und Energie als soziale Menschenrechte

Wasser spritzt in eine nach oben geöffnete Hand.

Wasser fließt in Deutschland einfach aus dem Wasserhahn - in Trinkwasserqualität. Für uns ist das Alltag, doch aus Sicht vieler Menschen in anderen Ländern ein unermesslicher Luxus. Bereits heute leidet jeder Dritte auf der Welt unter Wasserknappheit. Fehlender Zugang zu Wasser und sanitärer Grundversorgung gehören zu den größten sozialen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. In vielen Weltregionen zeichnen sich ernste Wasserkrisen ab. Um diese Krisen zu lösen, braucht es in allen Staaten mehr Zusammenarbeit zwischen den oft getrennten Politikfeldern Wasser, Energie und Landwirtschaft. Zugleich müssen die Staaten international enger zusammenarbeiten.

Der diesjährige Weltwassertag steht unter dem Motto “Wasser und Energie“ - zwei Komplexe, die eng miteinander verbunden sind und in gegenseitiger Abhängigkeit stehen. Dies gilt nicht nur für die technischen und ökologischen Zusammenhänge. Nach dem UN-Sozialpakt gehören Energie, Wasser- und Sanitärversorgung zu den von der UNO anerkannten sozialen Menschenrechten.

Wasserbelastung durch konventionelle Energiewirtschaft

Die fossil-atomare Energiewirtschaft bringt große Belastungen für die Wasserversorgung mit sich. So erfordert beispielsweise die Energieerzeugung durch fossile Kraftwerke wie Kohlekraftwerke, Atomkraft aber auch der Abbau der fossilen Rohstoffe die Nutzung von Wasserressourcen. Fossile und atomare Stromerzeugung nutzen die Wasserressourcen als Wärmesenke aber auch als Entsorgungsweg für Schadstoffe. So sind aus deutschen Kohlekraftwerken 2011 fast 600 kg Arsen, 150 kg Blei, 1000 kg Nickel und über acht Tonnen Zink entsorgt worden. Dazu kommen noch eine Reihe von anderen Schadstoffen in geringen Mengen.

Beim Kohleabbau und bei der Aufbereitung zum Beispiel bei der Kohlenwäsche, werden große Mengen von Wasser verbraucht. Die Nutzung der Wasserressourcen reicht vom massiven Abpumpen des Grundwassers, um fossile Ressourcen wie Kohle überhaupt fördern zu können, über Wassernutzungen für Fördertechniken, wie zum Beispiel dem Fracking, bei dem ein Wasser-Chemikaliengemisch in den Erdboden gepresst wird, bis hin zur konventionellen Förderung bei der Öl-Wasser oder Gas-Wassergemische aus dem Boden gefördert werden. Dies zeigt den ungeheuren Ressourcenverbrauch der konventionellen Energien, nicht nur bei den Rohstoffen selber, sondern auch beim Wasser.

Belastungen durch Wasserkraft

Aber auch die direkte Nutzung von Wasserkraft zur Stromerzeugung – eine erneuerbare und saubere Technik – birgt Risiken. In vielen Entwicklungs- und Schwellenländern, zum Beispiel in Brasilien oder Äthiopien geht der Bau von Megastaudämmen mit Umweltproblemen und Menschenrechtsverletzungen einher. Wertvoller Natur- und Kulturraum wird unwiederbringlich durch die Überflutung zerstört und nicht selten geht der Bau mit die Vertreibung von Indigenen oder der dort ansässigen Bevölkerung einher. In der Regel geschieht dies, ohne die Betroffenen um Zustimmung zu bitten oder angemessen zu entschädigen. Deshalb ist eine Energiewende, hin zu schonenden Erneuerbaren Energien, mit lokal angepassten, dezentralen Lösungen anstatt Großprojekten nicht nur aus Klima- und Versorgungssicherheitsaspekten sondern auch zum Schutze der Ressource Wasser und aus Gerechtigkeitsaspekten unverzichtbar.

Der Tag des Wassers 2014 soll auf diese Zusammenhänge aufmerksam machen, die Energiewende vorantreiben und für deren Berücksichtigung in wasser- und energiepolitischen Strategien und Maßnahmen werben.

Weltweit ist der Wasserverbrauch in den vergangenen 50 Jahren etwa doppelt so schnell gestiegen wie die Weltbevölkerung. UN-Studien zufolge wird der globale Wasserverbrauch weiter ansteigen, auch weil bis 2050 die Weltbevölkerung von heute sieben auf neun Milliarden Menschen wachsen wird.

Menschenrecht auf Zugang zu sauberen Trinkwasser

Derzeit ist das Menschenrecht auf Zugang zu sauberem Trinkwasser für rund 780 Millionen Menschen nicht erfüllt. Zudem leben über 2,5 Milliarden Menschen ohne angemessene sanitäre Basisversorgung.

Die Ursachen sind vielfältig – regionale Wasserknappheit ist nur eine davon. Wenn die sozialen Menschenrechte von Regierungen ignoriert werden, spielen meist Fragen der Armut, der Diskriminierung und häufig auch Vertreibung eine Rolle. Rund zwei Millionen Menschen müssen in Europa ohne sicheren Wasserzugang auskommen – häufig gehören sie, wie zum Beispiel in Slowenien oder Bulgarien, der Roma-Minderheit an.

Und wenn korrupte Staatseliten wie in Kambodscha oder Äthiopien ganze Regionen an internationale Investoren verkaufen (sogenanntes „land grabbing“), wird den vertriebenen Kleinbauern nicht nur das Recht auf Ernährung genommen, sondern auch das Menschenrecht auf Wasser.

Unter knappen Wasserressourcen leidet nicht nur Nord- und Ostafrika, sondern auch der Nahe Osten, Zentralasien, Teile Chinas und Indiens, der Südwesten der USA und sogar schon der Süden Europas. Die Ursachen sind vielfältig: Neben dem Bevölkerungswachstum und dem veränderten Konsumverhalten tragen auch die Klimaerwärmung, falsche politische Prioritäten, mangelnde Durchsetzung bestehender Gesetze, defekte Leitungen, fehlendes technisches Wissen sowie der massive Ausbau der Bewässerungslandwirtschaft zur Wasserknappheit bei.

Seit 1993 wird der Weltwassertag jährlich am 22. März begangen. Er wurde von der UN-Weltkonferenz über Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro vorgeschlagen und danach von der UN-Generalversammlung per Resolution beschlossen. Der Weltwassertag 2005 stand unter Leitung der UN-Abteilung für wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten (Department of Economic and Social Affairs, UN DESA) und markierte den Beginn des zweiten UN-Jahrzehnts „Water for Life – Wasser für das Leben“ (2005–2015). Jedes Jahr übernimmt eine der vielen UN-Agenturen, die mit dem Thema Wasser befasst sind, die Leitung bei der Förderung und Koordinierung internationaler Aktionen für den Weltwassertag.

Neben den UN-Mitgliedsstaaten haben auch einige nichtstaatliche Organisationen, die für sauberes Wasser und Gewässerschutz kämpfen, den Weltwassertag dazu genutzt, die öffentliche Aufmerksamkeit auf die kritischen Wasserthemen unserer Zeit zu lenken.

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