GigalinerDobrindt Irrfahrt mit dem Lang-Lkw

Ein Lang-LKW auf einer Straße
Eine Studie widerlegt die Behauptung, dass Riesen-Lkw sogar einen Beitrag zum Umweltschutz leisten können. Das Gegenteil ist der Fall.

Es ist eines der wesentlichen Ziele, das Verkehrspolitiker aller Parteien immer wieder beschwören: mehr Verkehr auf die Schiene verlagern. Tatsächlich ist Deutschland diesem Ziel seit der Bahnreform vor mittlerweile über 20 Jahren nicht näher gekommen. Im Güterverkehr werden nach wie vor fast viermal so viele Tonnen über die Straße bewegt wie auf der Schiene. Und die Marktanteile der Schiene schrumpfen aktuell sogar.

Politische Rahmenbedingungen entscheiden über Verkehrsträger

Nicht zu ändern? So ist der Lauf der Welt? Keineswegs. Es ist eine Frage der politischen Rahmenbedingungen, welcher Verkehrsträger das Rennen macht. Die Kosten für den Transport auf der Schiene steigen seit Jahren immer weiter an. Dazu tragen neue Lärmschutzbestimmungen genauso bei wie erhöhte Trassenpreise und Stromkosten. Auch wurden von Seiten der Bundesregierung Investitionen in den Erhalt des Bahnnetzes vernachlässigt, während der Bahnkonzern munter Auslandsanteile hinzukaufen oder milliardenteure Prestigeprojekte wie Stuttgart 21 in Angriff nehmen durfte. Heute ist klar: Die gigantischen Börsen- und Wachstumspläne haben den Bahnverkehr aufs falsche Gleis geführt, mittlerweile versucht die DB AG, die Weichen neu zu stellen.

Ganz anders dagegen die Entwicklung für den Lkw-Verkehr. Auf einem Großteil der Straßen zahlen Lastwagen keine Nutzungsgebühren. Die Ausweitung der Lkw-Maut kommt unter den CSU-Verkehrsministern Ramsauer und Dobrindt nur schleppend voran. Externe Umweltkosten für Lärm und Schadstoffe werden nur in Ansätzen einbezogen. Der Schwerpunkt der Infrastrukturinvestition liegt seit Jahren im Straßenbereich. Und die gesunkenen Erdölpreise machen den Straßentransport derzeit noch attraktiver.

Lang-Lkw macht verkehrspolitische Ziele zunichte

Doch damit nicht genug: Verkehrsminister Dobrindt will den Güterverkehr mit dem Lastwagen nun noch weiter steigern und dazu die umstrittenen Lang-Lkw in den Regelbetrieb bringen. Lang-Lkw sind Lastwagen, die statt der bisher 18,75 Meter zulässigen Gesamtlänge 25 Meter lang sind und mehr Volumen transportieren können. Dass die Infrastruktur in Deutschland für die sogenannten Gigaliner nicht ausgebaut ist – man denke nur an die notwendige Erweiterung der Rastanlagen – scheint den Minister nicht zu stören. Vor allem aber muss man sich die langfristigen Folgen eines Regelbetriebes vor Augen führen: Der Lkw-Transport würde gegenüber der Schiene noch kostengünstiger, ein umgekehrter Verlagerungseffekt von der Schiene auf der Straße sehr wahrscheinlich. Für die CO2-Bilanz des Verkehrs wäre eine solche Entwicklung verheerend. Ein derartiges Szenario haben nun renommierte Verkehrswissenschaftler der TH Wildau und der TU Berlin berechnet. Ihre Studie widerlegt die Behauptung, dass Riesen-Lkw sogar einen Beitrag zum Umweltschutz leisten können. Das Gegenteil ist der Fall.

Mehr zum Thema Mobilität

Dieser Artikel ist älter als zwei Monate, deshalb werden keine Kommentare mehr angenommen.

4396379