StickoxidbelastungDobrindts blaues Dieselwunder

Feinstaub-Alarm in Stuttgart
Verkehrsminister Dobrindt ist gegen die blaue Plakette und wird wohl sein blaues Wunder erleben: Die Länder sind nun gezwungen, Dieselfahrverbote auszusprechen. Dort, wo derzeit noch vor Feinstaub gewarnt wird, sind ganz konkret schon Fahrverbote in Planung - in Stuttgart (Baden-Württemberg) voraussichtlich ab 2018. Betroffen sein werden jene Fahrzeuge, die die Abgasnorm Euro 6 nicht erfüllen.

In Baden-Württemberg hat die Regierungskoalition aus Bündnis 90/Grünen und CDU beschlossen, ab 2018 an Tagen mit hoher Feinstaubbelastung besonders betroffene Straßen für ältere Diesel-Fahrzeuge zu sperren. Insbesondere die Landeshauptstadt Stuttgart leidet an vielen Stellen unter hohen Stickoxidkonzentrationen. Dieser Schritt sorgt für eine ausreichende Sicherung der Luftqualität, mehr Gesundheitsschutz und die Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte von Feinstaub und Stickstoffdioxid. Die beschlossenen Maßnahmen basierten auf den Ergebnissen eines Gesamtwirkungsgutachtens. Das baden-württembergische Landesministerium für Verkehr hat es auf seiner Website veröffentlicht.

Gefahren nicht länger ignorieren

Eine aktuelle Emnid-Umfrage zeigt: Mehr als 60 Prozent der Deutschen befürworten Fahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge. Tatsächlich sind Maßnahmen zur Verbesserung der Luft in vielen deutschen Städten unumgänglich:

  • Erhöhte Stickoxide gefährden die Gesundheit und können zum Tode führen.

  • Die Europäische Umweltagentur macht Stickoxide für mehr als 10.000 vorzeitige Todesfälle allein in Deutschland verantwortlich,

  • Feinstaub sogar für fast 60.000 Todesfälle.

  • In 29 Regionen Deutschlands liegt die Luftbelastung über den zulässigen Grenzwerten.

  • Sogar in Wohnungen, Kindertagesstätten und Schulzimmern werden die zulässigen Grenzwerte regelmäßig überschritten.

Die EU-Kommission hat wegen anhaltend hoher Schadstoffwerte und unzureichender Gegenmaßnahmen ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland angestrengt.

Dieselfreund Dobrindt muss endlich handeln

Auch andere Städte - wie etwa München oder Düsseldorf - werden absehbar durch Gerichtsentscheide dazu gezwungen sein, Fahrverbote für Diesel-Pkw auszusprechen. Aus diesem Grund fordern wir Grüne im Bundestag Verkehrsminister Dobrindt auf, endlich eine klare und einheitliche Regelung zu schaffen. Nur mit der Einführung dauerhafter blauer Umweltzonen kann ein Flickenteppich unterschiedlicher Zufahrtsregelungen verhindert und ein umfassender Gesundheitsschutz etabliert werden. Betroffene Kommunen brauchen endlich ein Instrument, um Diesel-Pkw mit überhöhtem Stickoxidausstoß gezielt aus gefährdeten Bereichen herauszuhalten.

Verband der Automobilindustrie (VDA) steht nackt da

Dass VDA Fahrverbote lapidar ablehnt und den politisch Verantwortlichen vorwirft, durch die Einschränkung von Diesel-Pkw die Basis für Wohlstand und Beschäftigung zu gefährden, irritiert. Die organisierte Automobillobby Deutschlands hat bisher keinen Beitrag zur Aufklärung des Dieselskandals geleistet. Zahlreiche Diesel-Pkw - auch aus deutscher Produktion - nutzen Abschalteinrichtungen bei der Abgasnachbehandlung und stoßen insbesondere bei niedrigen Temperaturen ein Vielfaches der seit Jahren festgelegten Emissionen aus (Stichwort „Thermofenster“). Dieses Problem wird aufgrund des hohen Bestands älterer Diesel-Pkw noch viele weitere Jahre die Gesundheit von Bürgerinnen und Bürgern aufs Spiel setzen. Sache des VDA wäre es zu garantieren, dass Diesel-Pkw schnell und wirksam nachgerüstet und Neuwagen mit Dieselmotoren die Vorgaben der blauen Umweltplakette im Realbetrieb auf der Straße einhalten.

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8 Kommentare
Dieselauto
Franz 25.02.2017

Ich habe mir eine sauberen und sparsamen Audi A1 TDI gekauft. Er wurde hoch gelobt. Und nun muß ich dafür bußen ? Sollte man den Diesel umrüßten können, würden wir nochmal bestraft. Durch die arglistige Täuschung der Autoindustrie müßten wir dafür die Kosten tragen.
Was kommt denn als nächstes ?

Erst waren es die Raucher jetzt sind es die Dieselfahrer.

Grüne Panikmache-2 (Korrektur)
h.g. 26.02.2017

Wenn Grüne Panikmacher und Verbotsfanatiker nicht mehr innerstädtisch beliefert werden, keine Handwerkerleistungen mehr erhalten, bei denen der Einsatz von Fahrzeugen notwendig ist, sowie ähnlich gelagerte Missstände hinnehmen müssten, dann dürfte hoffentlich die Vernunft wieder vor die Ideologie gesetzt werden. Stuttgart will gar Kontrolleure einstellen, die Kaminverbote für „Komfortkamine“ an Feinstaubalarm-Tagen überprüfen sollen. Es ist beruhigend zu wissen, dass solche Verbrecher, die Kaminverbote übertreten, gnadenlos verfolgt werden, während arme, traumatisierte, islamistische Terroristen sich frei und ungehindert im bunten, weltoffenen Europa ungestört bewegen können.

Leider mal wieder daneben
Klaus 26.02.2017

Wer den Unterschied zwischen einer Studie und ein paar Powerpoint Folien nicht kennt, sollte nicht regieren.
Wie wäre es mit Massnahmen, die wirklich helfen, anstatt widersprüchliche und nicht nachvollziehbare Daten zu verbreiten?
Dazu gehört z. B. ein ÖPNV, der funktioniert und bezahlbar ist.
Hohn und Spott wie ihn MP Kretschmann über die Stuttgarter ausgeschüttet hat ist nicht zielführend.
Und das herumfabulieren von KGE kann auch niemand mehr aushalten. Aber als Quotenfrau kann man sich alles erlauben. Es ist ja niemand da, die gegen sie antreten will.

Adieu, es waren überwiegend gute 25 Jahre. Ich suche mir ein neues Zuhause!

Wieder mal keine Planungssicherheit
Peter 28.02.2017

Es ist wie mit allem, z.B. Altersvorsorge. Folgt man einer Empfehlung, ist man anschließend der Dumme. Diesel waren gewünscht, da sie weit weniger CO2 ausstoßen. Jetzt soll man den totalen Wertverlust im Kauf nehmen.Schon mal was von Übergangsfristen und Bestandsschutz gehört? Von was soll ich mir ein neues Auto kaufen, wenn meinen Diesel keiner mehr will? Schade, wieder eine Stimme weniger.




B

Ältere Diesel ?
efux 28.02.2017

Ich bin ein langjähriger ökologisch orientierter Mensch - aber was die Grünen in BW und jetzt auch im Bundestag fordern: Fahrverbote für nicht EU6 Diesel halte ich für einen schlechten Witz! Habe mir im Sommer 2014 einen Seat Ecomotive Diesel mit 3,3l Verbrauch und Feinstaubfilter gekauft, der ein zwanzigstel Feinstaub eines Benziners erzeugt. Dieses 2 Jahre alte Auto soll jetzt wegen Feinstaubalarm mit Fahrverboten belegt werden ???
Wenn diese Fahrverbote kommen werde ich meine Mitgliedschaft bei den Grünen in BW beenden und meine Wählerstimme werden sie auch auf Dauer verlieren! Dieser Unsinn ist alles - nur nicht ökologisch! MFG

warum denn nur die Diesel?
Martin Pfeiffer 01.03.2017

ich bin zugegebenerweise Diesel-Fahrer aber ich verfüge auch über einen gesunden Menschenverstand. Zu glauben, dass Diesel die Stinker sind und die Benziner nicht so, fällt mir ebenso schwer wie der Glaube an E-Bikes und Autos, wenn der Strom dafür noch lange aus Fossilkraftwerken kommt. Ich habe dazu einen erhellenden Artikel in der Welt gefunden:
https://www.welt.de/motor/news/article147006432/S
Zusammengefasst steht da:
CO2 150 MioTonnen / Jahr - Hauptverursacher Benziner
CO 0,82 MioTonnen / Jahr - Hauptverursacher Benziner
NOx 0,52 MioTonnen / Jahr - Hauptverursacher Diesel, Benziner schließen aber auf
Staub 46 MioTonnen / Jahr - Reifen und Bremsen, Diesel, Benziner holen mächtig auf

Dieselfahrverbot
Reiner 03.03.2017

Das wäre jetzt der falsche Schritt. Solche Forderung ist dumm. Die Autoindustrie hat mit Wissen des Staates geschummelt und die ganze Welt betrogen. Der Bürger hat viel Geld für einen Diesel bezahlt und zählt auch mehr Steuern. Jetzt soll er die ganze Scheiße ausbaden. Das könnt ihr vergessen. Beendet schnell dieses Thema.

Dieselverbot
Klaus 08.03.2017

Wenn sie als Grüne ein Dieselverbot fordern, dann frage ich mich warum das über die blaue Plakete erfolgen soll und warum Diesel-PKWs nicht schon längst generell verboten sind in der BRD?

Was soll ich als Bürger denn tun? Einmal wird einem ein Diesel empfohlen (geringer Verbrauch, weniger CO2), jetzt Bösewicht. Ich bin selbstständig und muss mit meinem Fahrzeug meinen Unterhalt verdienen und kann mir nicht jedes Jahr ein neues Fahrzeug kaufen nur weil der Polit-Wind gerade mal wieder anders weht oder man den Dieselskandal ausbaden soll.

Das kotzt einen langsam an. Euro 5 Fahrverbote für Diesel-PKWs sind ökologischer Schwachsinn und ungerecht. Die Grünen kann ich nicht mehr erst nehmen.

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