ElektromobilitätElektroautos überall, aber wie?

Ein CETOS-Elektroauto (basierend auf einem Opel Corsa) des Projekts e-SolCar steht an einer Ladesäule an der Ausleih- und Ladestation am Bahnhof Welzow.

Deutschland will Leitmarkt und Leitanbieter für Elektromobilität werden – davon sind wir allerdings noch weit entfernt. Statt um die Tabellenführung spielen wir gegen den Abstieg. Im Herbst hat die Bundesregierung den Entwurf des Elektromobilitätsgesetz (EmoG) verabschiedet. Doch diese Vorschläge sind nicht ausreichend. Mit angezogener Handbremse werden wir den Rückstand zu anderen Ländern nicht aufholen. Norwegen oder die Niederlande haben bereits einen deutlich höheren Marktanteil von Elektroautos und zeigen: wir brauchen mehr Impulse für moderne Mobilität.

Wie können wir die finanziellen Anreize für den Kauf emissionsarmer Fahrzeuge besser ausgestalten und wie soll der Ausbau der Infrastruktur erfolgen? In einem Fachgespräch der Bundestagsfraktion diskutierten Oliver Krischer, stellvertretender Fraktionsvorsitzender, Stephan Kühn, Sprecher für Verkehrspolitik und Lisa Paus, Sprecherin für Steuerpolitik diese Fragen mit Expertinnen und Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft.

Kurt Sigl, vom Bundesverband Elektromobilität (BEM), betonte die Versäumnisse der Politik im Bereich Elektromobilität. Das jetzt im Bundestag diskutierte Elektromobilitäts-Gesetz (EMOG I) ist immer wieder verschoben worden und die weitergehenden Regelungen zur Förderung der Elektromobilität (EMOG II) müssten längst verabschiedet sein.

Statt Leitanbieter für Elektromobilität ist Deutschland ein „Leidanbieter“, der Probleme und nicht Lösungen in den Vordergrund stellt.

Dies ist problematisch angesichts der Konkurrenz aus Asien. Auch bei der öffentlichen Beschaffung gibt es laut Sigl zu wenig Bewegung. Er merkte kritisch an, dass das Land Bayern im Jahr 2013 nur drei Elektroautos angeschafft hat, obwohl insgesamt 1 800 neue Fahrzeuge gekauft wurden.

Volker Lange vom Verband der internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) drängte darauf, dass die Politik endlich die erforderlichen Rahmenbedingungen für Elektromobilität schafft. Er fordert eine zusätzliche Sonderabschreibung für elektrisch betriebene Dienstwagen sowie eine Kaufprämie von mindestens 5.000 € für Elektroautos.

Kaufprämie für Elektroautos

Alexander Mahler vom Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) stellte ein Gutachten im Auftrag der grünen Bundestagsfraktion vor. In dem Gutachten wird untersucht, wie ein Marktanreizprogramm für Elektroautos aussehen könnte, das in die Kfz-Steuer integriert ist. Um den Bundeshaushalt nicht zu belasten, soll das System per Umlage finanziert und so aufkommensneutral ausgestaltet werden. Elektroautos und Plug-In-Hybride (unter 50g CO2 pro km) erhalten einen Kaufzuschuss in Höhe von 5.000 beziehungsweise 2.000 Euro. Für Neuwagen mit einem CO2-Ausstoß zwischen 50 und 130 gCO2/km wie etwa einem Mittelklassewagen Typ Passat würde sich nichts ändern. Neuwagen, die mit ihrem CO2-Wert oberhalb der EU-Flottengrenzwerte von derzeit 130 gCO2/km liegen, würden eine Umlage zahlen, die nach Höhe der Emissionen gestaffelt ist. Bereits angeschaffte Fahrzeuge wären nicht betroffen. Viele andere europäische Länder haben gute Erfahrungen mit ähnlichen Programmen gemacht.

Flächendeckende Infrastruktur an Ladesäulen

Eine weitere wichtige Maßnahme sei die Schaffung eines guten Angebots an Ladesäulen. Hier kritisierte Lange, dass die mit Steuergeldern geförderten Modellprojekte für Schnellladesäulen wie zum Beispiel entlang der A9 nur eine technisch begrenzte Stecker-Variante verwenden, die einen Großteil der derzeitigen Elektroautos außen vorlässt. Er betonte, dass das Schnellladenetz für Hersteller aller Elektromobile diskriminierungsfrei zugänglich sein müsse.

Jeder Stecker jeder Autormarke muss Anschluss finden.

Otmar Lell vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) legte dar, dass Elektromobilität ein Baustein nachhaltiger Mobilität sein kann, weil sie ein Potential bietet für CO2-freie Mobilität. Insofern ist es legitim und sinnvoll, Elektromobile für einen zeitlich begrenzten Zeitraum zu fördern, ohne jedoch das Elektroauto als „Nullemissionsauto“ zu bezeichnen und damit die real anfallenden Emissionen bei der Stromproduktion zu verschweigen. Er sprach sich auch dafür aus, die Verbraucherinformationen über die tatsächlichen CO2-Emissionen im realen Fahrbetrieb bereitzustellen sowie Energieeffizienzklassen auf Elektroautos anzuwenden.

Raimund Nowak aus der „Metropolregion Hannover Braunschweig Göttingen Wolfsburg“ wies darauf hin, dass Elektromobilität als Teil der Verkehrswende begriffen werden müsse und auch Themen wie mehr Busverkehr, (E-) Radverkehr und Lieferverkehr miteinbezogen werden sollen. Beim Aufbau der Ladeinfrastruktur müsse stärker von Seiten der Kunden her gedacht werden. Er schlug vor, Schnelladestationen an jeder dritten Tankstelle in Deutschland anzubieten. Außerdem plädierte er dafür, Stromtankstellen an Autohäusern aufzustellen. Er kritisierte, dass das Tanken an Ladesäulen für Kundinnen und Kunden bislang zu umständlich ist, da die Abrechnung bei einer Vielzahl von verschiedenen Anbietern getrennt erfolgen muss.

Aufladen überall ermöglichen

Frank Pawlitscheck von Ubitricity hob hervor, dass die Frage, ob Fahrerinnen und Fahrer ökologisch erzeugten Strom in Elektroautos nutzen können, ein wichtiger Treiber für die Diskussion um Elektromobilität sein wird. Er stellte das Geschäftsmodell seiner Firma vor, das darauf basiert mobile Stromzähler in das Ladekabel einzubauen. Damit würde intelligentes Laden und Abrechnen an einer Vielzahl von Ladepunkten möglich. Pawlitscheck erläuterte, dass man auf Basis dieser Technologie kostengünstig Ladepunkte in Straßenlaternen einrichten könnte. Das spare Infrastrukturkosten im Vergleich zu konventionellen Ladesäulen.

Das muss die Politik leisten:

Was Politik tun muss, damit Elektromobiltät in Deutschland in die Gänge kommt, haben wir in unserem Antrag „Elektromobilität entschlossen fördern - Chance für eine zukunftsfähige Mobilität nutzen“ aufgeschrieben.

Hier finden Sie die die Kernbotschaften des Gutachtens „ Schaffung von Kaufanreizen für besonders emissionsarme Pkw“ und hier die Langfassung des Gutachtens.

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