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NachtreisezugverkehrEs geht kein Zug ...

Es könnte so schön sein: Abends pünktlich einsteigen, noch einen Tee oder ein Glas Wein im Bordrestaurant, und dann nach einer geruhsamen Nacht am nächsten Morgen am Zielort ankommen. Mit dem Nachtzug bequem reisen.

Leider geht die Fahrt in die andere Richtung: Der Nachtreisezugverkehr wird immer mehr ausgedünnt. Am 11. Dezember 2014 fuhr etwa zum letzten Mal ein Nachtzug der Deutschen Bahn von Berlin nach Paris. Die grüne Bundestagsfraktion hat dies zum Anlass genommen, die Zukunft des Nachtzugverkehrs in einem öffentlichen Fachgespräch mit Experten zu diskutieren. Gleichzeitig haben wir eine von uns in Auftrag gegebene Studie zu den Potentialen des Nachtzugverkehrs vorgestellt.

Das beauftragte Beratungsunternehmen Probst & Consorten kommt zu dem Ergebnis, dass Nachtzugverkehre nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch den Städtetourismus fördern und wirtschaftlich durchführbar sind. Damit er wieder an Fahrt gewinnt und ein attraktives Angebot entsteht, müssen aber sowohl Bundesregierung als auch Deutsche Bahn AG handeln. Der Nachtzug braucht faire Wettbewerbsbedingungen und klimapolitisch grünes Licht!

Eine bahnpolitische Frage

Um das Produkt marktfähig zu machen, fordern die Autoren der Studie eine deutliche Senkung der Trassenpreise um 15 bis 30 Prozent für dieses Marktsegment auf ein tragfähiges Niveau. So kostet derzeit eine Nachtzugfahrt von Kopenhagen nach Basel trotz Rabattierungen circa 4.500 Euro Trassenentgelte. Darüber hinaus müssen Wettbewerbsverzerrungen abgebaut werden, wie zum Beispiel die Befreiung des internationalen Flugverkehrs von der Mehrwertsteuer. Ebenso ist Flugbenzin noch immer steuerbefreit, während Bahnen Energiesteuern und EEG-Umlage zahlen.

Aber auch die Deutsche Bahn AG ist am Zug: Die Studie zeigt auf, wie das Nachtzugangebot in den letzten 10 Jahren kontinuierlich zusammengeschrumpft wurde. Die Deutsche Bahn hat weltweit in viele Geschäfte investiert, aber nicht in einen zukunftsfähigen Nachtzugverkehr und in tragfähige Kooperationen mit ausländischen Bahnunternehmen. Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2014 streicht der Bahnkonzern weitere 6 von 17 Verbindungen:

  • Berlin-Paris
  • München-Paris
  • Hamburg-Paris
  • Amsterdam-Kopenhagen
  • Kopenhagen-Basel
  • Kopenhagen-Prag

Das schränkt nicht nur die Mobilität jener ein, die das Flugzeug meiden oder nicht nutzen können. Es geht auch ein stückweit europäische Reisekultur verloren.

Innovative Konzepte gefragt

Der Nachtzugverkehr leidet seit Jahren unter fehlender Investitionsbereitschaft. Der Wagenpark ist veraltet. Auch fehlt ein verlässliches Angebot an Einzelkabinen - wenn vorhanden, sind diese meist weit im Voraus ausgebucht. Auch sollten Service und gutes Catering wieder im Mittelpunkt stehen. Auf diese Weise könnte sich die Bahn zur attraktiven Alternative zum Nachtbus etablieren. Gerade im Nachtreisezugverkehr möchte der Fahrgast sich gerne gut betreut fühlen. Die Deutsche Bahn AG hat es ebenso versäumt, passgenaue Angebote für Senioren oder Familien mit Kindern zu entwickeln.

Letztlich sollte auch über neue Verbindungen im Nachtreisezugverkehr nachgedacht werden. Hier sieht die Studie im innerdeutschen Verkehr Potential für Verbindungen der Metropolen Hamburg-Stuttgart, Stuttgart-Berlin, Stuttgart-Dresden/Leipzig und München-Dresden/Leipzig.

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