Grünes FahrradforumHochschalten statt Ausbremsen

Seite 2: Heute steht das Fahrrad für Freiheit und Unabhängigkeit nicht das Auto

Stand früher das Auto für unbeschränkte Bewegungsmöglichkeiten, ist heute „das Fahrrad im Stadtverkehr ein Synonym für Freiheit und Unabhängigkeit“, schreibt Andrea Reidl in ihrem Blog. Das Auto dagegen stehe für Stau, Parkplatzsuche und hohe Kosten. Aber das Fahrrad begegnet unheimlich vielen Widerständen und Risiken. Im Fahrradforum verweist die Journalisten, die auch im Beirat Radverkehr des Bundesverkehrsministerium sitzt, darauf, dass es vielerorts im Verkehr ruppig zugeht. Die Infrastruktur für Radfahrer sorge oft eher für ein „Ratespiel“ als für entspanntes Unterwegssein. Dabei ist klar: Gute Infrastruktur produziert Radfahrer! Dafür sei etwa New York City das spannendste und überraschendste Beispiel. Auch in Deutschland gebe es gute Entwicklungen pro Radverkehr, so etwa den Radschnellweg RS1 im Ruhrgebiet, der in 4 Jahren eine 100 Kilometer lange „Autobahn für Radfahrer“ bieten werde. Mit dem Pedelec werden Radschnellwege zur perfekten Pendlerverbindung – dieses Potential muss eine kluge Klima- und Verkehrspolitik in den nächsten Jahren heben. Radverkehr sorge für weniger Stau und bessere Luft. Deswegen sei es sehr schade, dass viele Menschen wegen der realen Verkehrsverhältnisse Radfahren anstrengend und riskant finden (müssen). Es geht darum, dass der gesamte Verkehr besser fließt, und dafür braucht es mehr Rad.

Fahrradstadt Nordhorn

Nordhorn im Emsland geht mit gutem Beispiel voran. Die Stadt belegte den zweiten Platz beim ADFC-Fahrradklimatest 2014. Fast 40 Prozent aller Wege werden dort mit dem Rad zurückgelegt, weiß Thimo Weitemeier, der Stadtbaurat. Alle Hauptverkehrsstraßen sind mit begleitenden Radwegen ausgestattet. Das Ziel der Verkehrsplanungen ist es, die autonomen Radwege an Kanälen der Wasserstadt sowie die Verbindungen in das Nachbarland Niederlande systematisch auszubauen, um den Radtourismus weiter zu fördern. Mehr Unterstützung seitens des Bundes sei wünschenswert, um Radwege auf neue Situationen wie den demographischen Wandel zu ertüchtigen. Denn schließlich, so Weitemeier, sei der Ausbau des Radverkehrs auch eine soziale Frage.

Musterbeispiel Niederlande

Welchen politischen Stellenwert das Fahrrad als Verkehrsmittel haben kann, zeigen die Niederlande, die eine Radverkehrsexpertin in der niederländischen Botschaft beschäftigen. Sanne Westra stellte auf dem grünen Fahrradforum heraus, dass es in ihrer Heimat „die normalste Sache der Welt“ sei, mit dem Fahrrad aufzuwachsen. Dass dies einzigartig ist, merke man erst im Ausland. Dass Holland eine so ausgeprägte Fahrradkultur besitzt, zeige sich an mehreren Beispielen: In den Niederlanden gibt es mehr Räder als Menschen, 80 Prozent der Bevölkerung besitzen ein Fahrrad, viele ein Lastenrad. Die Autofahrer haben Respekt vor Radfahrern und man nehme gegenseitig aufeinander Rücksicht. Fahrradhelme und entsprechende Debatten wären in Holland kaum denkbar. An allen Bahnhöfen gibt es hervorragende Fahrradabstellmöglichkeiten, die das Kombinieren von Rad und Bahn anbieten. Und es gibt in Holland klare Ansagen: Falschparker bekommen hohe Bußgelder aufgebrummt. Unter der niederländischen Ratspräsidentschaft werde ihr Land überall in Europa Fahrradfestivals veranstalten, so Sanne Westra am Schluss ihres Statements.

„Die Zeit ist reif für den Wandel“

Unerwartet vollumfängliche Zustimmung findet das Thesenpapier der grünen Bundestagsfraktion bei Thiemo Schalk vom BMW-Kompetenzzentrum Urbane Mobilität. Autofahrten seien tatsächlich nur hin und wieder nötig. Das könne man in der Stadt mit Carsharing gut abdecken. „Die Zeit ist reif für den Wandel“, so Thiemo Schalk, denn es gebe viel zu viele geparkte Autos in der Stadt. Parkraummanagement sei daher eine wichtige Push-Maßnahme für die Änderung der städtischen Mobilität. BMW hat eine Vision entworfen für eine Alternative zum Privatauto. Ziel ist es, die weltweite Urbanisierung verkehrlich in den Griff zu bekommen und dabei spielen Fahrrad, Pedelec und Carsharing eine zentrale Rolle. Fakt sei: Wer sein Auto verkauft, verändert seine Mobilität. Städtische Räume würden dadurch frei. Daher, so das Fazit von Thiemo Schalk, sei der Schlüssel für die künftige Mobilität weniger das Rad, sondern ein anderes Autofahren.

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