UnfallstatistikSchlechte Radwege sind ein Sicherheitsrisiko

Radweg

Radfahrerinnen verunglücken in Deutschland auffallend häufig ohne Fremdeinwirkung. Wie aus der Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine kleine Anfrage der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen hervorgeht, sind mehr als die Hälfte aller Fahrradunfälle „Alleinunfälle“. Diese gehen in den meisten Fällen auf schlechte Radwege, übersehene Hindernisse und Gleichgewichtsverlust zurück. Die Angaben des Verkehrsministeriums beruhen auf einer ab Sommer 2012 durchgeführten Umfrage der Bundesanstalt für Straßenwesen unter insgesamt 2771 verunglückten Radfahrerinnen. Demnach gaben 51,6 Prozent der Betroffenen an, dass sie sich ohne Beteiligung eines anderen Verkehrsteilnehmers verletzt haben. Bei den Pedelec-Fahrerinnen waren es sogar 74,6 Prozent. Diese Zahlen sind deutlich höher, als bisher in der amtlichen Statistik ausgewiesen.

Bundesregierung plant keine Gesetzgebungsmaßnahmen zum Schutz von Radfahrerinnen

Der meistgenannte Grund für Alleinunfälle ist schlechter Fahrbahnuntergrund (33,8 Prozent). Dies unterstreicht, wie wichtig es für die Verbesserung der Verkehrssicherheit ist, mehr in die Erhaltung und den Ausbau der Radwegeinfrastruktur zu investieren. Wie die Antwort des Bundesverkehrsministeriums zeigt, hat sich die Bundesregierung hier jedoch keinerlei ambitionierten Ziele gesetzt. Die von der Regierung ab 2014 für den Bau und die Erhaltung von Radwegen an Bundesstraßen jährlich bereitgestellten 80 Millionen Euro halten dem hohen Bedarf bei Weitem nicht stand. Zudem plant die Regierung in den nächsten Jahren keine gesetzgeberischen Maßnahmen, um die Verkehrssicherheit von Radfahrenden zu erhöhen. Auf neue Entwicklungen, wie die starke Zunahme von Pedelecs und Lastenrädern, will sie weder gesetzgeberisch noch durch praktische Maßnahmen wie den Ausbau von Trainingsangeboten reagieren. Stattdessen investiert die Regierung hohe Summen in Verkehrssicherheitskampagnen, ohne deren Wirksamkeit konsequent zu überprüfen. Zu allem Überfluss unterläuft die Bundesregierung außerdem mit dem im Verkehrssicherheitsprogramm 2011 festgelegten Ziel, die Verkehrstoten auf deutschen Straßen bis 2020 um 40 Prozent zu senken, die EU-Maßgabe von 50 Prozent.

Aus der Antwort der Bundesregierung auf die kleine Anfrage geht weiterhin hervor, dass Fahrerflucht von unfallverursachenden PKW-Fahrerinnen immer noch ein weit verbreitetes Problem ist (2013 mehr als 5000 Fälle bei Unfällen zwischen Fahrrad und PKW). Des Weiteren belegen die Angaben der Regierung: ältere Menschen sind besonders häufig von tödlichen Fahrradunfällen betroffen. 2013 waren 55,6 Prozent der bei Unfällen getöteten Radfahrerinnen über 65 Jahre alt.

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2 Kommentare
Gesetz zum Schutz der Radfahrer
Peter Günzel-Jugel 10.08.2014

Sagt mal, muss denn aber auch alles in Deutschland durch eine Gesetz geregelt werden? Ich denke die Grünen wollen die neue Liberale Partei sein. Liberal heist für mich, soviel Freiheit wie möglich, so wenig Regeln (Gesetze) wie unbedingt nötig. Und was das (Fahr) Sicherheitstraining betrifft: Tut euch mit dem ADAF zusammen und bietet entsprechende Trainings an.
Die Bundesregierung braucht man da sicher nicht für.
Mit freundlichen Grüßen
Peter Günzel-Jugel

Radwege sind ein Risiko
Jörg Müssig 12.08.2014

Das Problem sind nicht nur schlechte, sondern in der Regel auch schlecht gemachte / geführte Radwege.
Das Radfahren auf der Straße ist innerorts sicherer als auf einem parallel geführten Radweg. Auf Radwegen fahrende Radler*innen haben ein 3 bis 4fach höheres Unfallrisiko. Dazu gibt es genügend Studien und Statistiken.
Also: Benutzungspflicht von Radwegen aus der STVO streichen.
Und: Wenn Radwege, dann brauchen wir dafür vernünftige Standards. Dänemark und Niederlande lassen grüßen.
Ich hoffe und wünsche, dass sich die Partei dafür stark macht.
Beste Grüße
Jörg Müssig

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