PKW-VerbrauchswerteVerbraucher werden getäuscht

Auspuff eines Dieselfahrzeugs

Neue Autos schlucken heute über ein Drittel mehr Sprit, als von Herstellern angegeben. Eine gemeinsame Studie des International Council of Clean Transportation (ICCT), dem Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU), sowie der Niederländischen Organisation für Angewandte Wissenschaftliche Forschung (TNO) kommt in einer Analyse von mehr als 500.000 Fahrzeugdaten in Europa zum Ergebnis, dass der tatsächliche Verbrauch um 38 Prozent über dem Normverbrauch liegt. Besonders groß sind die Abweichungen bei Audi, Mercedes und BMW.

Verbraucher werden getäuscht

Die Hersteller tricksen bei der Ermittlung der Verbrauchswerte auf dem Prüfstand, zum Beispiel indem sie die Lichtmaschine abklemmen, Leichtlaufreifen nutzen oder spezielle Schmiermittel verwenden. So schaffen sie es die Normprüfwerte bis zu 25 Prozent unter den tatsächlichen Verbrauch zu drücken. Auch wenn das Vorgehen grundsätzlich nicht illegal ist, am Ende werden die Verbraucher getäuscht, die beim Tanken deutlich tiefer in Tasche greifen müssen als versprochen.

Die Kluft zwischen offiziellem und tatsächlichen Verbrauch ist dabei so groß wie noch nie: Noch vor zehn Jahren betrug die Differenz zwischen dem von den Herstellern veröffentlichten und dem real gemessenen Verbrauch nur etwa zehn Prozent. Auffällig ist, dass es gerade bei neu überarbeiteten Fahrzeugmodellen oftmals zu einem sprunghaften Anstieg der Differenz zwischen offiziellem und realem Verbrauch kommt.

Klimaschutz wird ausgehebelt

Mit diesen unrealistischen Verbrauchswerten verliert der Klimaschutz massiv, denn Spritverbrauch und CO2-Emissionen hängen direkt zusammen. Weniger Spritverbrauch bedeutet automatisch weniger CO2. Wenn die Verbrauchswerte aber in Wirklichkeit gar nicht eingehalten werden, dann werden auch die vorgeschriebenen europäischen CO2-Grenzwerte nur auf dem Papier erreicht, während die tatsächlichen CO2 -Emissionen deutlich darüber liegen.

Deswegen muss schnellstmöglich weltweit ein realistischer Verbrauchszyklus eingeführt werden, der die realen Fahrbedingungen abbildet. Die Einführung dieses sogenannten WLTP-Zyklus ("Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure") in der EU wird in Brüssel diskutiert. Die Tricks und Täuschungsmanöver der Autoindustrie sind schon länger bekannt und dürfen nicht weiter ignoriert werden.

Statt reine Symbolpolitik zu machen und für Tankstellen eine zahnlose Spritpreistransparenzstelle einzurichten, sollte die die Bundesregierung besser die Verbraucher vor Täuschung schützen. Sie sollte dafür sorgen, dass die Schlupflöcher bei den Testverfahren für Autos geschlossen werden und dass neue, realistischere Tests EU-weit bis 2017 eingeführt werden.

Was die Bundesregierung in Brüssel wirklich tut, ist dagegen unklar. Bei den Testverfahren steckt der Teufel im Detail. Im Zweifel wird Frau Merkel doch wieder versuchen, die kurzfristigen Interessen der deutschen Automobilindustrie durchzudrücken und damit einer zukunftsorientierten Entwicklung im Wege stehen. Dies haben wir in der Vergangenheit schon gesehen, als sie zuerst strenge EU-Grenzwerte verhindert hat und sie dann im Alleingang auf 2021 verschoben hat. Aber spritsparende Fahrzeuge kommen allen zugute, Verbrauchern und Umwelt. Dafür ist ein ehrliches Testverfahren unverzichtbar. Wir werden sehr genau verfolgen, was die Kanzlerin zu diesem wichtigen Verbraucherthema in Brüssel unternimmt.

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