Pkw-RealemissionenVerbrauchertäuschung beim Spritverbrauch beenden

Viele Autos stehen im Stau auf einer Autbahn bei Nacht.
Sauberen Autoverkehr gibt es nur mit weniger Autos, Downsizing und alternativen Antrieben auf Basis erneuerbarer Energien.

Neue Pkw verbrauchen einer Studie des International Council on Clean Transportation (ICCT) zufolge 42 Prozent mehr Kraftstoff als angegeben. Damit hat die Diskrepanz zwischen offiziellen, im Labortest ermittelten Werten und dem realen Kraftstoffverbrauch auf der Straße in den letzten Jahren immer weiter zugenommen. 2010 lag die Abweichung noch bei nur 23 Prozent. Die Tricksereien der Autohersteller, die das bisherige völlig veraltete Testverfahren zulässt, bedeuten faktisch eine massive Täuschung der Verbraucherinnen und Verbraucher, die sich nicht darauf verlassen können, dass ihr Auto tatsächlich sparsam unterwegs ist, und die an der Zapfsäule bei jedem Tankstopp draufzahlen. Dabei ist doch klar: Wer genau weiß, dass er Gefahr läuft, sich einen Spritschlucker zuzulegen, entscheidet sich vielleicht um und kauft eher ein sparsameres Fahrzeug.

Sauberen Autoverkehr gibt es nur mit weniger Autos, Downsizing und Elektromobilität

Kurios ist, dass der Staat sich seit Jahren rund um das Thema CO2-Ausstoß selbst betrügt: Geringere Abgaben beim Spritverbräuche bedeuten automatisch weniger Einnahmen bei der Kfz-Steuer. Deswegen haben wir Grüne im Bundestag seit Jahren darauf gedrungen, den Energieverbrauch von Fahrzeugen genauer unter die Lupe zu nehmen. Letztlich bedeuten die hohen Abweichungen, dass alle Fortschritte in Sachen Klimaschutz nur auf dem Papier stattfinden, der Autoverkehr in Wahrheit aber weiter die Atmosphäre anheizt – als gäbe es kein Morgen.

Für uns Grüne im Bundestag steht daher fest: Mit der bisherigen Praxis können die Klimaschutzziele im Verkehr nicht erreicht werden. Sauberen Autoverkehr gibt es nur mit weniger Autos, Downsizing und alternativen Antrieben auf Basis erneuerbarer Energien. Der neue Verbrauchszyklus WLTP, der für neue Fahrzeugtypen inzwischen maßgeblich ist, ist realitätsnäher. Aber auch das neue Prüfverfahren wird die Hersteller dazu veranlassen, ihre Fahrzeuge auf Testsituation hin zu optimieren und alle Schlupflöser konsequent auszunutzen. Damit sich spritsparende Technologien für Konzerne und Kunden auszahlen und am Ende das Klima profitiert, ist es nötig, ebenso wie bei den Messungen von Luftschadstoffen auch für Kohlendioxid Straßentests einzuführen. Erst dann werden CO2-Grenzwerte ihre eigentlich beabsichtigte Wirkung entfalten. Damit Verbraucherinnen und Verbraucher gut unterwegs sind, muss mehr Transparenz gewährleistet sein. Wir Grüne im Bundestag machen uns daher dafür stark, das Kraftfahrtbundesamt künftig mit zusätzlichen Kompetenzen in Sachen Verbraucherschutz auszustatten und damit zu beauftragen, umfassend über Fahrzeugeigenschaften zu informieren. Seit dem Diesel-Skandal ist ein solcher Kulturwandel überfällig.

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