VerkehrswendeVerbrennungsfreie Motoren 2030

Ein Großparkplatz für Elektroautos im Zentrum der norwegischen Hauptstadt Oslo, fotografiert bereits am 08.10.2015
Dieses Foto eines Großparkplatzes für Elektroautos entstand in Oslo bereits in 2015. Die Verkehrswende wird auch das Tanken revolutionieren. Das Ziel in 2030 keine Verbrennungsmotoren mehr zuzulassen ist keine Zukunftsmusik.

Die Automobilindustrie wird in den nächsten Jahren einen radikalen Veränderungsprozess durchlaufen. Das Auto von morgen fährt elektrisch, leise, sicher und schadstofffrei – unabhängig von Benzin oder Diesel. Es ist vernetzt, zunehmend selbstfahrend und ein mit anderen Verkehrsmitteln kombinierbarer Teil der Reisekette. Die Frage lautet also nicht, ob der Abschied vom fossilen Verbrennungsmotor kommt, sondern ob unsere Autobauer rechtzeitig die Kurve kriegen.

Verkehrswende mit deutschen Autobauern

Die Politik in Deutschland steht daher vor einer für unseren Wohlstand entscheidenden Frage: Versuchen wir wie die derzeitige Bundesregierung weiterhin einen Schutzzaun um die Diesel- und Ottomotoren zu ziehen, um eine Technik aus dem 19. Jahrhundert noch ein paar Jahre zu verlängern? Oder setzen wir uns an die Spitze der globalen Bewegung für Elektromobilität, damit auch in Zukunft in Deutschland erfolgreiche Automodelle entwickelt und produziert werden?

Chancen der neuen Mobilität

Saubere und leise Innenstädte, Klimaschutz, keine Abhängigkeit mehr vom Öl, der Erhalt industrieller Wertschöpfung und der Jobs in Deutschland, die daran hängen. Zugleich ist die Aufgabe gigantisch. Die Automobilindustrie ist Deutschlands wichtigste Wirtschaftsbranche - und sie ist bisher dem fossilen Verbrennungsmotor verhaftet. Um auch künftig auf dem globalen Automobilmarkt vorne mitzufahren, muss sie rund um die Megatrends Elektrifizierung, Sharing Economy und automatisiertes Fahren eine Führungsposition erlangen.

Der Ausstieg aus dem klimafeindlichen und gesundheitsschädlichen Verbrennungsmotor ist technisch machbar, er ist klimapolitisch unerlässlich und ist industriepolitisch enorm wichtig für Deutschland. Wir Grüne im Bundestag wollen dafür die richtigen Rahmenbedingungen schaffen. Dazu gehört unter anderem das feste Ziel, ab 2030 keine Autos mit fossilen Verbrennungsmotoren neu zuzulassen.

Drei Gründe für die Verkehrswende 2030

Erstens: Deutschland hat im Pariser Klimaabkommen zugesagt, seinen Verkehrssektor bis zum Jahr 2050 treibhausgasneutral zu gestalten. Dazu ist es erforderlich, rechtzeitig keine neuen PKW mit fossilen Verbrennungsmotoren mehr neu zuzulassen, um die CO2-Emissionen Schritt für Schritt zu drosseln. Denn im Durchschnitt sind PKW in Deutschland 18 Jahre auf der Straße unterwegs.

Zweitens: Investitionen erfordern Planungssicherheit. Bisher stagniert der Absatz von E-Autos in Deutschland. Die Bundesregierung hat ihr eigenes Ziel, bis 2020 eine Million Elektroautos auf die Straße zu bringen, bereits in den Wind geschrieben. Verständlicherweise zögern viele Hersteller, sich mit voller Kraft auf die E-Mobilität oder andere alternative Antriebe einzulassen. Diese Unsicherheit beenden wir nur mit einem klaren politischen Rahmen. Damit können die Unternehmen kalkulieren, gezielt in neue Technologien investieren und ihr Marketing verändern.

Drittens: Der globale Megatrend zur Elektromobilität gewinnt an Fahrt. Das zeigt sich an den neuen Konkurrenten wie dem amerikanischen Autobauer Tesla oder dem chinesischen Konzern BYD. China führt eine Quote für Elektromobilität ein, Indien will ebenfalls 2030 ohne fossilen Verbrennungsmotor auskommen.

Megacities verkraften die Abgase nicht mehr

Wer die giftgetränkte Luft in den chinesischen oder indischen Megastädten schon einmal atmen musste, der versteht, warum gerade diese Staaten zu Vorreitern der Entwicklung werden. Sie sind heute noch zentrale Absatzmärkte für die deutsche Automobilindustrie.

Mit Norwegen ist ein Industrieland bereits weit fortgeschritten. Fast 40 Prozent der Neuzulassungen sind dort mittlerweile elektrisch. Deutschland hängt dagegen weit hinterher. Eile ist geboten, nicht nur aus Klimaschutzgründen, sondern gerade auch, um das Abwandern von Wertschöpfung und Arbeitsplätzen rechtzeitig zu verhindern.

Wandel der Mobilität politisch gestalten

Das 2030-Ziel lässt sich nur mit umfassender politischer Begleitung erreichen. Dazu gehört etwa, die Ladeinfrastruktur konsequent auszubauen und Forschung zu unterstützen. Zwischenziele über ambitionierte CO2-Flottengrenzwerte auf europäischer Ebene bereiten den Umstieg vor. Und mit neuen Kaufanreizen muss die Nachfrage in Gang gebracht werden.

Zweifel an der Verkehrswende ernst nehmen

Natürlich nehmen wir die Zweifel, die es an diesem Umbau im Allgemeinen und an der E-Mobilität im Speziellen gibt, sehr ernst. Bei der E-Mobilität sind schwierige Herausforderungen zu bewältigen, was Ladepunkte, technologische Reife, Reichweite, Preise und die ökologische Gesamtschau angeht. Aber auf all diese Fragen gibt es gute Antworten.

Nur wenn ein leicht nutzbares, flächendeckendes Netz zum Laden entsteht, verschwindet die Angst vor der mangelnden Reichweite. Nur dann werden sich E-Autos durchsetzen. Die gute Nachricht: E-Autos benötigen keine zentralen Tankstellen. Sie können vielfältige dezentrale Ladepunkte nutzen, digitalisiert, effizient, nutzerfreundlich. Jeder Parkplatz, jede Garage kann zu einer kleinen E-Tankstelle werden.

Auch an Supermärkten und öffentlichen Einrichtungen gibt es schon jetzt immer öfter Parkplätze, an denen geladen werden kann. Entlang von Autobahnen entsteht ebenfalls ein immer dichteres Netz von Schnellladesäulen. Mittlerweile haben sich sogar Daimler, BMW, VW und Ford in Deutschland zusammengeschlossen und wollen selbst Schnellladesäulen errichten.

E-Laden einfacher als Tanken

Wie es gehen kann, zeigen schon heute die Niederlande: Dort gab es 2015 bereits mehr als doppelt so viele Ladestationen wie in Deutschland, obwohl das Land nur etwas größer als Nordrhein-Westfalen ist. Wir Grüne im Bundestag wollen schnell die rechtlichen Bedingungen für Ladepunkte und Bezahlsysteme vereinfachen und stärker in den Ausbau der Ladeinfrastruktur investieren.

Bei Technologie und Kosten abgasfreier Mobilität sind die Fortschritte der letzten Jahre rasant. Zahlreiche Autohersteller bieten bereits vollfunktionale E-Autos mit akzeptabler Reichweite an. Die Kosten für Batteriepacks werden sich weiter verringern. Da fossile Verbrennungsmotoren durch die aufwändige Abgasreinigung immer teurer werden, gleichen sich die Preise in den nächsten Jahren absehbar an. Erste Autohersteller – auch aus Deutschland – kündigen an, bereits in wenigen Jahren einen Großteil ihrer Flotte mit einem elektrischen Antrieb zu verkaufen.

E-Auto mit Kohlestrom ist kein Gewinn

Ein E-Auto, das mit Sonne und Wind betankt wurde, ist dagegen sehr wohl ein Gewinn. Entscheidend ist deshalb, dass Energie- und Verkehrswende Hand in Hand gehen. Das ist realistisch. Das Ökoinstitut hat errechnet, dass bei einem Bestand von sechs Millionen Elektroautos eine zusätzliche Stromnachfrage von etwa elf Terrawattstunden entsteht. Dies entspricht etwa zwei Prozent des heutigen Gesamtstromverbrauchs in Deutschland.

Recyclingsystem für Batterien

Entscheidend für die Öko-Bilanz ist auch ein gutes Recyclingsystem für Batterien. Hier gibt es noch Fragen zu beantworten und Aufgaben für die Forschung. Und klar ist auch: Der Umstieg zu E-Autos muss begleitet werden durch eine andere Mobilitätspolitik. Elektroautos mit hoher Speicherkapazität und eher geringen Einsätzen sind ökologisch fragwürdig. Deswegen ist es sinnvoll, E-Autos etwa als Taxis, Lieferwagen und Carsharing-Fahrzeuge besonders zu fördern. Und parallel den öffentlichen Personennahverkehr, die Bahn und den Radverkehr als Alternativen zum Auto massiv auszubauen.

Die Forderung nach einem Aus des fossilen Verbrennungsmotors 2030 ist ambitioniert, aber es ist technisch machbar, es lohnt sich und die Zeit drängt. Wer, wie die Bundesregierung, auf Zeit spielt, gefährdet den Klimaschutz, er gefährdet aber vor allem auch Arbeitsplätze und Wohlstand.

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4 Kommentare
Brennstoffzelle
Roland Aßmann 01.08.2017

Warum wird mit keinem Wort die Brennstoffzelle erwähnt? Das ist das viel logischere Konzept, das auf das bewährte Konzept von Tankstellen aufsetzt, ordentliche Reichweiten ermöglicht und kein Batterieballast mit sich herumschleppt.

Vielleicht weil der Wasserstoff global günstiger erzeugt werden kann und wir dafür keine grünen Windenergiephantasien benötigen, was auch vielen hiesigen Profiteuren der Energiewende nicht gefallen dürfte?

Sicherheit
Roland Aßmann 01.08.2017

Haben Sie sich schon einmal Gedanken über die Sicherheit so vieler frei verlegter Kabel (Stolperfalle, Beschädung) im öffentlichen Verkehrsraum gemacht?

Oder spielt die Sicherheit bei Ihren Überlegungen keine Rolle, wenn die EE-Branche protegiert werden soll?

Fragen und keine Antworten
Roland Aßmann 03.08.2017

Leider viele Fragen und keine Antworten von B90/Die Grünen!

Was glauben Sie, was passiert, sollte ein Mensch über eines der vielen frei verlegten Kabel stolpern, in den Verkehr stürzen und dort schwer verletzt werden oder gar zu Tode kommen? Wie werden dann die Gerichte entscheiden? Selbst schuld, obwohl möglicherweise sehbehindert oder unzulässige Verkehrsgefährdung. Die Antwort liegt auf der Hand. Da es mit Elektroautos mit Brennstoffzelle bereits eine akzeptable Alternative gibt, ist diese offensichtliche Verkehrsgefährdung nach geltendem EU-Recht eigentlich unzulässig!

Auch das E-Auto hat seine Probleme
Burckhard H. Adam 22.08.2017

"Die Automobilindustrie wird in den nächsten Jahren einen radikalen Veränderungsprozess durchlaufen. Das Auto von morgen fährt elektrisch, leise, sicher und schadstofffrei – unabhängig von Benzin oder Diesel."

Beim E-Auto wird leider übersehen, dass es andere Problem mitbringen wird, als die Autos mit "Verbrenner-Motor". Der Autor hat bereits 1997/98 E-Autos getestet, wie den "City-Stromer" von VW sowie den AX und SAXO von Citroën. Nun, diese Fahrzeuge können in Effizienz und Reichweite nicht mit den heutigen E-Fahrzeugen verglichen werden. Doch drei Probleme werden offensichtlich – Lade-Netzlast, Akku-Kapazität bei Kälte und wie wird das Auto im Winter beheizt?

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