FachgesprächVernetztes Auto – Chancen und Risiken

Stau auf der Bundesstraße 96, Insel Rügen

Seite 3: Was bringt das „vernetzte Auto“ für die Verkehrssicherheit?

Im zweiten Panel stand der Beitrag „vernetzter Fahrzeuge“ für die Verkehrssicherheit im Mittelpunkt.

Christian Kellner vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) ging zunächst auf die derzeit verfügbaren Fahrerassistenzsysteme ein und verdeutlichte an ihnen den Nutzen für die Verbesserung der Verkehrssicherheit. Da rund 90 Prozent der Unfälle auf menschliche Fehler zurückgehen, ist das Potential, dass mit der Einführung von Assistenzsystemen gehoben werden kann, sehr hoch. Wichtig sei, so Kellner in seinen Ausführungen, dass tatsächlich wirksame Anwendungen wie beispielsweise der Notbremsassistent beim Lkw schnell eingeführt werden. Dagegen würden sich Systeme und Dienste nachteilig auf die Verkehrssicherheit auswirken, die den Fahrer zum Beispiel durch das Vorlesen von Mails ablenken oder durch zu viele Informationen überlasten.

Fahrerinformationssysteme und Fahrerassistenzsysteme

Fahrerinformationssysteme (FIS) stellen lediglich Informationen zur Verfügung, greifen jedoch in die Fahrzeugführung und -regelung nicht ein. Im Gegensatz dazu können Fahrerassistenzsysteme (FAS) Teilfunktionen des Fahrens übernehmen. Dazu zählt die Unterstützung der Quer- und Längsführung, Streckenplanung, Navigation und Bedienung des Fahrzeugs (zum Beispiel Tempomat, Antiblockiersystem ABS, elektronisches Stabilitätsprogramm ESP, Spurhalteassistent, Kollisionsvermeidungssysteme, Nachtsichtassistent). Eine Reihe der genannten FAS gehören mittlerweile zur Serienausstattung eines Fahrzeugs und haben maßgeblichen Anteil an der Verbesserung der Verkehrssicherheit in den letzten beiden Dekaden. Die Marktdurchdringung von FAS hat bei Neuzulassungen stark zugenommen. Dies trifft vor allem für Systeme zu, die der aktiven Sicherheit dienen und daher einen hohen Beitrag zur Verkehrssicherheit entfalten. Fahrzeuginformationssysteme liefern dem Fahrer wichtige sicherheitsrelevante Informationen über den Betriebszustand des Pkw, wie zum Beispiel ein zu niedriger Reifenluftdruck oder ein Warnsignal bei Überschreiten bestimmter streckenabhängiger Geschwindigkeitsniveaus; so dass durch das Zusammenwirken von FAS und FIS ein Optimum für die Verkehrssicherheit erreicht werden kann.

Großer Nutzen der etablierten Assistenzsysteme

Jürgen Bönninger von der FSD Fahrzeugsystemdaten GmbH stellte das Beispiel des europäischen Notrufdiensts eCall, mit dem im Falle eines Unfalls automatisch eine Verbindung mit einer Notrufzentrale aufgebaut und bei Bedarf Hilfe und Rettung veranlasst werden kann, an den Anfang seines Vortrags. Er unterstrich den großen Nutzen der etablierten Assistenzsysteme, wie Bremsassistenten, Spurhalte- oder Totwinkelassistenten; sie werden inzwischen von verschiedenen Herstellern angeboten. Das Beispiel der elektronischen Deichsel, mit der es möglich ist, Lkw in nicht-taktiler Koppelung von einem Fahrzeug an der Spitze einer Kolonne zu führen, sei prinzipiell auch auf den Pkw übertragbar. Möglich wird dies durch die Verbreitung von Car-to-Car-Kommunikation. Bei weiterem Fortschreiten der technischen Entwicklung hin zum teilautomatisierten Fahren ist der Gesetzgeber gefordert, Gesetze und Verordnungen wie die Straßenverkehrszulassungsordnung und die Fahrzeug-Zulassungsverordnung anzupassen. Öffentliche Investitionen sind dagegen für die Etablierung der Systeme nicht notwendig.

Wenn Fahrzeuge und Infrastruktur kommunizieren, könnten größere Effekte für die Verkehrssicherheit erreicht werden, so die Aussage von Klaus Kompaß von BMW. Möglich würde dies durch Telematik-Dienste und die „Car-to-X-Kommunikation“. Fahrerassistenzsysteme mit ihren Radar- und Videosystemen können bislang nur das direkte Umfeld des Fahrzeugs überwachen. Das teilautomatisierte Fahren der ersten Generation, das zunächst auf Autobahnen am besten anwendbar ist, wird kaum Sicherheitseffekte haben sondern zunächst nur der Erhöhung des Fahrkomforts dienen. Bei „Car-to-X-Kommunikation“ mit anderen Fahrzeugen, mit Verkehrsleitzentralen und einer entsprechend ausgerüsteten Infrastruktur ließen sich langfristig die höchsten Potentiale bei der Verkehrssicherheit heben.

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