BGH-UrteilVoller Schadensersatz auch ohne Helm

Zwei Radfahrer fahren auf einem Radweg

Es war ein mit Spannung erwartetes Urteil. Der Bundesgerichtshof (BGH) musste in einem Revisionsverfahren entscheiden, ob Radfahrer mitschuldig und damit mit haftbar sind, wenn sie im Falle eines Unfalls keinen Fahrradhelm tragen. Spannend deswegen, weil es in Deutschland keine gesetzliche Helmpflicht gibt. Mit seinem Urteil hat der BGH für Rechtssicherheit gesorgt: Jede und jeder kann selbst entscheiden, ob und wann er beim Fahrradfahren einen Helm tragen will. Auch ohne Fahrradhelm haben Radfahrer Anspruch auf vollen Schadensersatz.

Wir Grüne im Bundestag begrüßen das Urteil ausdrücklich. Der Bundesgerichtshof hat seine Entscheidung auf der Höhe der Zeit getroffen. Das Fahrrad wird für immer mehr Menschen zur attraktiven Alternative und entlastet damit viele Städte vom Autoverkehr. Eine Helmpflicht durch die Hintertür hätte diesem positiven Trend erheblich geschadet. Denn Studien belegen zweierlei sehr eindeutig: Erstens ist in Ländern, die eine Helmpflicht eingeführt haben, die Lust am Radeln spürbar gesunken. Denn wer hat etwa Lust, nur fürs Brötchen holen zwei Straßen weiter immer einen Helm aufzusetzen? Und zweitens: Gerade viele Fahrradfahrer auf der Straße machen den Radverkehr sicherer, weil der motorisierte Verkehr Rücksicht nehmen muss – die Unfallzahlen gehen erkennbar zurück.

Die Entscheidungsfreiheit ist nun auch Maßstab für die Versicherungen. Die Gefahr zäher Verhandlungen um Schuld und Schadensersatz ist gebannt. Fakt bleibt allerdings: Gerade wer längere Strecken fährt, dabei hektisches Verkehrsgeschehen erlebt und sicherer unterwegs sein will, für den gehört ein Helm zur Ausrüstung! Mit dem Urteil ist vor allem eines klar: Jetzt ist es um so mehr Sache der Bundesregierung, die Sicherheit der Radfahrer durch eine fahrradfreundlichere Verkehrspolitik zu stärken.

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5 Kommentare
Für mich nicht nachvollziehbar
Ronny 20.06.2014

Liebe Freunde,

Warum soll man nicht gezwungen werden im Straßenverkehr einen Helm zu tragen. Beim Autofahren sind wir doch auch verpflichtet den Gurt anzulegen. Zur Einführung der Gurtpflicht haben sich auch erst alle beschwert. Heute greift jeder intuitiv zum Gurt. Auch wenn man nur kurz zum Bäcker fährt. Ich finde die Argumentation die in dem Artikel angeführt wird und damit wohl unsere Meinung zu dem Thema widerspiegelt nicht sehr weitsichtig und sehr dünn bedacht. Vielleicht sollte man eher damit argumentieren, dass die Friese unter dem Helm einen Schaden nimmt. Aber das wäre ja auch Blödsinn. Den Menschen muss man leidet vor sich selbst schützen.

Helm tragen
Theodorius 20.06.2014

Mich erinnert diese Diskussion fatal an die Bewegung Freie Bürger fordern freie Fahrt. Absolut ignorant sind die Leute, die meinen, Helmtragen schade ihnen. Wer wg. Sparen von 50 eur für einen Helm meint auf sein Hirn verzichten zu können, der hat schon kein Hirn mehr! In spätens 5 Jahren ist dieser Keks gegessen, genauso wie Anschnallpflicht, Helm bei Mofafahrern und Warnweste etc. Ich hatte mein Aha-Erlebnis vor 3 Tagen in einer ruhigen Anliegerstr.,als ein Autofahrer am Rand unerwartet die Tür öffnete. Leute! denkt an euer Leben und nicht ob ihr recht bekommt!!

Fakten ansehen beim...
Theodorius 21.06.2014

Statistischen Bundesamt, im web destatis, unter Zweiradunfälle.
Jedes Jahr gibts um die 400 tote Radfahrer, das Risiko schwer verletzt zu werden ist vergleichsweise hoch, Menschen über 60 Jahre sind besonders gefährdet.

Ein Helm könnte das Risiko mindern,
wenn er getragen wird...

Spaß statt entweder oder
Evelyne 23.06.2014

Auch wenn ich im Stadtverkehr meist mit Helm fahre: Helmpflicht nähme den Radtouren durch Wald und Felder oder nächtlichen Fahrten durch die nie stille Stadt viel von Entspannung und Reiz. Radfahren ist für viele Menschen nicht nur schnell durch die Stadt fahren und alles aus dem Weg klingeln, sondern gemächlich oder auch schnell an die frische Luft kommen. Vorbilder, Imagekampagnen und soziale Akzeptanz für das Helmtragen im Stadtverkehr wäre angemessener und sicher auch nicht teurer als die Umsetzung einer Helmpflicht.
Der Kraftfahrzeugverkehr ist per se für Fahrzeugführende und Verkehrsteilnehmer gefährlich , deshalb trifft der der Vergleich nicht: "Freie Bürger fordern freie Fahrt."

Wer hat schon immer einen Helm dabei...
Neuhaus 24.06.2014

... wenn ich spontan das Fahrradverleihsystem z.B. in Mainz nutzen will, (welches sich großer Beliebtheit erfreut) dann habe ich garantiert keinen Helm dabei, schließlich sind die recht klobig. Mit einer Helmpflicht würden diese noch recht jungen Radl-Systeme, die den Verkehr gerade in Ballungsgebieten massiv entlasten und umweltfreundlich obendrein sind, wohl kaum aus den Startlöchern kommen.
Für geplante Radltouren ist der Helm ein sinnvolles Zubehör, erst recht wenn es nicht grad gemütlich z.B. autofrei durch die Felder geht...

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