BundesverkehrswegeplanY-Urzeitmonster ist Geschichte

Kreuze auf einer grünen Wiese
Den guten Argumenten der Bürgerinnen und Bürger für das kostengünstigere und kurzfristig umsetzbare Maßnahmenpaket mussten letztlich auch Bahn und Verkehrsministerium nachgeben. Die Y-Trasse ist damit Geschichte.

So sieht erfolgreiche Beteiligung aus: VertreterInnen aus Verbänden, Kommunen und Politik haben die Dinosaurierplanungen zur Y-Trasse ins Museum übergeben. Statt für den teuren Schienen-Neubau im Städtedreieck Hamburg, Bremen und Hannover sprachen sich die Mitglieder des sogenannten Dialogforums Schiene Nord am 5. November für einen Ausbau bestehender Schienenwege aus: die sogenannte Alpha-Variante. Den guten Argumenten der Bürgerinnen und Bürger für das kostengünstigere und kurzfristig umsetzbare Maßnahmenpaket mussten letztlich auch Bahn und Verkehrsministerium nachgeben. Die Y-Trasse ist damit Geschichte.

Uralt, riesengroß und ungeheuer teuer

Ursprünglich als Hochgeschwindigkeitsstrecke für den Personenverkehr gedacht, waren die Pläne für die Y-Trasse in Norddeutschland schnell veraltet. Den Anforderungen an eine leistungsfähige Verbindung für den Güterverkehr zwischen den norddeutschen Häfen mit dem Hafenhinterland hielten sie nicht stand. Dennoch wurde stur an dem Projekt festgehalten. Trotz Umweltbedenken, steigender Kosten und Bürgerprotesten wurde das Y-Fossil von Bundesverkehrswegeplan zu Bundesverkehrswegeplan mitgeschleppt. Zuletzt sollte das klassische Y weit über zwei Milliarden Euro kosten. Nur an den Kapazitäten der Schiene änderte sich erstmal gar nichts.

Bürgerbeteiligung: Intelligente Lösung statt teuren Politikertraum

Um endlich vorwärts zu kommen, eröffnete die rot-grüne Landesregierung Niedersachsens Anfang des Jahres ein Beteiligungsverfahren. Unter dem Titel Dialogforum Schiene Nord wurden alle beteiligten Akteure zusammengebracht. Im Verfahren gelang es den Bürgerinnen und Bürgern, eine weitere Ausbauvariante ins Spiel zu bringen – zusätzlich zu den von der Bahn vorgeschlagenen Trassen. Rückendeckung erhielten sie auch von der grünen Bundestagsfraktion. Frühzeitig sprachen sich zudem die norddeutschen Grünen für den Ausbau der Bestandsstrecken aus. Nur so können die dringend benötigten Kapazitäten schnell und kostengünstig gewährleistet werden.

Die Alpha-Variante geht jetzt genau diesen Weg. Zentrale Elemente sind der dreigleisige Ausbau zwischen Lüneburg und Uelzen, der Ausbau und die Elektrifizierung eines Abschnitts der „Amerikalinie“ von Langwedel bis Uelzen und der zweigleisige Ausbau zwischen Rotenburg und Verden. Damit setzen die Betroffenen auf eine Variante, die eine schnelle und schrittweise umsetzbare Lösung ermöglicht und so direkt in den neuen Bundesverkehrswegeplan aufgenommen werden kann. Das ewige Warten auf eine Neubaulösung und auf den Sankt Nimmerleinstag hat damit ein Ende.

Beteiligung stärken, fossile Prestigeprojekte einmotten

Das Dialogforum Schiene Nord beweist: mit frühzeitiger Mitsprache der Betroffenen werden Projekte bürgerfreundlicher, passgenauer und können dann viel schneller umgesetzt.

Aktuell wird der neue Bundesverkehrswegeplan erstellt. Es wird Zeit, dass auch die Bundesregierung die Ideen der Bürgerinnen und Bürger ernst nimmt. Transparenz und Bürgerbeteiligung dürfen kein Lippenbekenntnis bleiben. Genau wie im Dialogverfahren Schiene Nord muss es den Bürgerinnen und Bürgern möglich sein, zielgerichtete Alternativen zu teuren Neubauvorhaben ins Verfahren einzubringen. Es gilt, pragmatische Lösungen zu erarbeiten und netzwirksame Maßnahmen umzusetzen. Dazu wollen wir den Bundesverkehrswegeplan zum Bundesnetzplan weiterentwickeln. Im Mittelpunkt der Verkehrswegplanung soll das Gesamtnetz stehen, nicht Dinosaurierplanungen von vorgestern und Prestigeprojekte. Die Bürgerbeteiligung muss gestärkt werden. Im aktuellen Plan tummeln sich noch zu viele zu teurere Planungsfossile, die endlich ins Museum gehören.

Mehr zum Thema Mobilität

Dieser Artikel ist älter als zwei Monate, deshalb werden keine Kommentare mehr angenommen.

4397144