ZeitschieneChronologie der Nachhaltigkeit

Eintrag des Wortes Nachhaltigkeit im Wörterbuch Duden

In Deutschland prägte erstmals 1713 Hans Carl von Carlowitz den Begriff „Nachhaltigkeit“ durch seine Schrift „Sylvicultura Oeconomica“. Darin legte er seinen Zeitgenossen angesichts aufkommender Energieknappheit eine nachhaltige Waldbewirtschaftung nahe. Es sollte nur soviel Holz geschlagen werden wie nachwächst. Da Holz dringend nötig war, wurden vor allem schnellwachsende Bäume nachgepflanzt, Fichten und Föhren, wie wir sie in manchen Gegenden heute noch vorfinden. Diese Monokulturen führten leider dazu, dass die Bäume anfällig wurden für Schädlinge wie den Borkenkäfer und dadurch mit verantwortlich sind für das Waldsterben. Bei der nachhaltigen Waldbewirtschaftung geht es also nicht nur um die Menge an Holz und Wäldern, sondern auch um deren Qualität.

1972 Die Grenzen des Wachstums

Die Studie Grenzen des Wachstums 1972 unter der Leitung von Donella und Dennis Meadows wies erstmals wissenschaftlich nach, dass bei einer Fortschreibung der Produktions- und Konsummuster die Erde an ihre existenziellen Grenzen stoßen wird. Allen voran ist es der Klimaschutz, ohne dessen Beachtung das Leben auf der Erde in vielen Regionen unangenehmer wird; durch die Verfeuerung von fossilen Brennstoffen wie Erdöl oder Kohle wird Kohlendioxid wieder freigesetzt, dessen vorherige Bindung im Boden über Jahrtausende gedauert hat. Hinzu kommen die exponentiell steigende Weltbevölkerung, die dadurch notwendig werdende steigende Nahrungsmittelproduktion sowie begrenzte Ressourcen und die Umweltverschmutzung.

1972 VN-Weltkonferenz für die menschliche Umwelt in Stockholm

Erstmals versammelten sich die damals 112 Vertragsstaaten der Vereinten Nationen zum Thema Umwelt. Als Ergebnis wurde die weltweite Zusammenarbeit beim Umweltschutz vereinbart: Durch Tätigkeiten innerhalb des eigenen Hoheitsgebietes dürfen anderen Staaten keine Schäden entstehen. Zudem wurde mit Sitz in Nairobi (Kenia) das Umweltprogramm (United Nation Environment Programme, UNEP) eingerichtet, dessen späterer Direktor Klaus Töpfer war und heute Achim Steiner ist. Es soll die weltweiten Aktivitäten im Bereich des Umweltschutzes koordinieren und schädliche Entwicklungen frühzeitig identifizieren.

1980 Brandt-Kommission „Das Überleben sichern“

Der Bericht der VN-Kommission unter der Leitung von Willy Brandt ist eine Bilanz der Entwicklungspolitik. Er untersuchte erstmals die gemeinsamen Interessen von Industrie- und Entwicklungsländern und leitete eine Wende in der Entwicklungspolitik ein. Es gelte, nicht nur materiellen Wohlstand zu schaffen, sondern auch die menschliche Würde zu gewährleisten.

1987 Brundtland-Kommission „Unsere gemeinsame Zukunft“

Die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung unter der Leitung der damaligen norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland sollte Perspektiven aufzeigen für eine langfristig tragfähige und umweltschonende Entwicklung. Der Abschlussbericht „Unsere gemeinsame Zukunft“ definierte als Ziel eine Entwicklung, „die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.“ In Folge dieser Erkenntnis wurde für 1992 die VN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung einberufen.

1992 „Erdgipfel“: Agenda 21

Mit der Agenda 21 (externer Link) bekannten sich 1992 die Vertragsstaaten der Vereinten Nationen zu einer nachhaltigen Entwicklung. Nachhaltig meint eine Entwicklung, die ökologische und soziale Aspekte gleichwertig mit den ökonomischen mitdenkt. Es geht um ein Leben und Wirtschaften innerhalb der natürlichen Grenzen der Erde. Ziel ist es laut Präambel, Wohlstand und Lebensqualität für alle zu schaffen. Es wurden zudem Rahmenkonventionen verabschiedet zum Klimaschutz, zur Biodiversität und zur Begrenzung der Wüstenausbreitung.

Grüne Anträge Rio1992 und 1997

1992 forderte die grüne Bundestagsfraktion im Antrag Kongreß der Vereinten Nationen zu Umwelt und Entwicklung 1992, die Chance des Erdgipfels zu nutzen, eine umweltverträgliche und soziale Entwicklung der Erde einzuleiten. Wichtige Forderungen waren der Schuldenerlass und Strukturanpassungsprogramme für Entwicklungsstaaten sowie die Schaffung von neuen weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit ökofairen Standards. Industriestaaten sollten sich vornehmlich um die Begrenzung schädlicher Emissionen und um den Ausbau der regenerativen Energien kümmern. Im Gegenzug für die Nutzung ihrer Ressourcen sollten Entwicklungsstaaten Ausgleichszahlungen zur Finanzierung ihrer eigenen wirtschaftlichen Entwicklung erhalten. Gleichzeitig sollte der Aufbau demokratischer Strukturen mit Beteiligung der Zivilgesellschaft unterstützt werden.

Fünf Jahre nach Rio zog die grüne Bundestagsfraktion Bilanz und stellte im Antrag Umwelt- und Entwicklungspolitik auf dem Weg ins 21. Jahrhundert – Nachhaltigkeit global umsetzen fest, dass sich am globalen Trend der Umweltzerstörung nichts geändert hatte. Die grüne Fraktion plädierte dafür, nachhaltige Entwicklung als ressortübergreifende Aufgabe zu begreifen und neben der Umwelt-, auch die Wirtschafts- und Finanzpolitik, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik, die Forschungs- und Bildungspolitik sowie die Industrie- und Entwicklungspolitik mit einzubinden. Wir forderten in dem Antrag einen „Nationalen Umweltplan“ gemäß der Agenda 21, wie er in einigen Industriestaaten bereits existierte. Wichtig dabei waren konkrete und überprüfbare Ziele sowie geeignete Instrumente und Maßnahmen, die von breiten Teilen der Gesellschaft getragen werden. 2002 war es dann soweit. Basierend auf dem grünen Vorschlag des „Nationalen Umweltplans“ wurde die „Nationale Nachhaltigkeitsstrategie“ entwickelt.

2002 Nationale Nachhaltigkeitsstrategie

Dem Rio-Auftrag gemäß hat die rot-grüne Bundesregierung im Jahr 2002 erstmals eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie vorgelegt. Im Kern stehen die Bewahrung der natürlichen Ressourcen und der Schutz der Erdatmosphäre. Dazu wurden konkrete Ziele mit messbaren Indikatoren gesetzt in den Bereichen Ressourcenschonung, Klimaschutz und Artenvielfalt, Erneuerbare Energien, Flächenschutz, Luftqualität, nachhaltige Landwirtschaft und Mobilität. Ein weiterer Bereich widmet sich den sozialen Faktoren wie Bildung, Gesundheit, Familie, Beschäftigung, Gleichstellung, Integration sowie Kriminalität. Im ökonomischen Bereich geht es um Wirtschaftswachstum, aber auch um Staatsverschuldung, Investitionen und Forschung. Im internationalen Bereich wurden Ziele für die Ausgaben zur Entwicklungshilfe und die Marktöffnung gesetzt. Die Nachhaltigkeitsstrategie sagt also, Wirtschaftswachstum braucht umfangreiche Flankierungen.

Seit 2004 wird die Nachhaltigkeitsstrategie alle vier Jahre umfassend überarbeitet und Schwerpunkte für die kommenden Jahre gesetzt. Ziele, Indikatoren und Maßnahmen werden überprüft und der Zeithorizont fortgeschrieben. An dieser Überarbeitung werden die Zivilgesellschaft und alle relevanten Institutionen beteiligt. Der Nachhaltigkeitsbeirat nahm zuletzt 2012 umfassend dazu Stellung in Form einer interfraktionellen Unterrichtung im Plenum des Deutschen Bundestages.

Die Institutionalisierung für eine nachhaltige Entwicklung in Deutschland

Bereits 2001 setzte die Bundesregierung den Rat für Nachhaltige Entwicklung (externer Link) ein, um sich von wissenschaftlicher, unternehmerischer und zivilgesellschaftlicher Expertise beraten zu lassen. Der Rat beobachtet die nachhaltige Entwicklung weltweit und nimmt zu wichtigen aktuellen Themen Stellung, u.a. in Form von Studien. Zudem bringt er Akteure zusammen und bietet ihnen eine Plattform, um gemeinsame Initiativen zu ergreifen.

2004 konstituierte sich im Deutschen Bundestag zum ersten Mal der Parlamentarische Beirat für nachhaltige Entwicklung (externer Link). Die Arbeit des Beirats ist darauf ausgerichtet, dem Politikbetrieb eine langfristige und weniger von Parteiinteressen abhängige Richtung zu geben. Der Beirat fasst seine Beschlüsse nach Möglichkeit im Konsens aller im Bundestag vertretenen Parteien. Er arbeitet eng zusammen mit dem Nachhaltigkeitsrat sowie dem Staatssekretärsausschuss für nachhaltige Entwicklung (externer Link) im Bundeskanzleramt. Letzterer ist das zentrale Steuerungsinstrument der Nachhaltigkeitspolitik in Deutschland.

2012 „Rio 20 plus“: Die Zukunft, die wir wollen

Der Nachhaltigkeitsbeirat unterstützte die Bundesregierung in ihren Forderungen für den Nachhaltigkeitsgipfel in Rio mit einem interfraktionellen Antrag: VN-Konferenz Rio+20 – Nachhaltigkeit global umsetzen. Darüber hinaus gab es einen weitergehenden rot-grünen Antrag: Rio 2012 – Nachhaltige Entwicklung jetzt umsetzen. Als grüne Bundestagsfraktion haben wir uns im Vorfeld in einer Konferenz Rio20+ Zukunft geht nur grün! mit den globalen Herausforderungen beschäftigt. Mit dabei waren u.a. Klaus Töpfer und Hans-Rudolf Herren, der Vizevorsitzende des Weltagrarberichtes. Achim Steiner, der Leiter des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) übermittelte eine Video-Botschaft.

Das Abschlussdokument der VN-Konferenz Rio plus 20 Die Zukunft, die wir wollen (The Future We Want, externer Link) war für uns enttäuschend, weil keine konkreten Beschlüsse gefasst wurden. Inzwischen aber ist die Umsetzung der im Abschlussdokument angekündigten Aktivitäten im Gange. Unter anderem werden derzeit universell gültige Nachhaltigkeitsziele erarbeitet, um Hunger und Armut zu beseitigen, jedem Menschen auf der Erde ein Leben in Würde zu ermöglichen und alle Staaten zu verpflichten, die planetarischen Grenzen zu respektieren. Letzteres gilt aus unsrer Sicht ganz besonders für uns Industriestaaten, weshalb wir einen angemessenen finanziellen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung ärmerer Staaten leisten müssen.

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