Ökologische ModeFair ist beautiful

Elegante, farbenfrohe Kleider, ökologische Dreiteiler, Handtaschen aus LKW-Schläuchen oder kompostierbare Schuhe. Die ökologische Modeszene ist geprägt von Innovationen und jungem grünen Unternehmertum. Die Fashion Week Berlin hat diesen Trend erkannt und präsentiert im Greenshowroom nachhaltigen Style.

Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion, ist bei ihrem Besuch im Greenshowroom beeindruckt: „Das Image von ökologischer Mode hat sich enorm gewandelt und ist auf dem Weg ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Branche zu werden. Es bleibt aber noch viel zu tun, um die Produktionsbedingungen in der Textilbranche weiter zu verbessern und soziale und ökologische Mindeststandards einzuführen.“

Ökologische Aspekte spielen bisher bei den konventionellen Modenschauen keine große Rolle, dass aber Mode und Nachhaltigkeit kein Widerspruch sind, weiß Thimo Schwenzfeier, der die Messe betreut: „Nachhaltigkeit ist möglich und Nachhaltigkeit ist die Zukunft – auch wirtschaftlich.“

„Alles ist machbar, wenn man will.“ ergänzt Otto Kerstan mit Blick auf die eleganten Anzüge und Kostüme seines Labels „gotsutsumu“. Engagierte Designer wie er haben mit dem langweiligen Image von Ökomode gründlich aufgeräumt.

„Es muss gefallen, es muss gut sitzen und dann kommt der Standard als I-Tüpfelchen.“

Naturtextilien, wie die Anzüge aus Wolle, haben sogar handfeste Vorteile: sie sind atmungsaktiv und bieten höheren Tragekomfort als vergleichbare Produkte aus Viskose oder Polyester. Für die Reinigung reicht in der Regel sogar die Anzüge an die frische Luft zu hängen. Sie brauchen auch nicht mehr gebügelt zu werden, weil sich die Wolle von selbst aushängt. Dadurch ist die Kleidung langlebiger.

Im Outdoor-Bereich sind die Anforderungen jedoch größer: wasserabweisend, winddicht, hohe Isolation und gleichzeitig atmungsaktiv. Performance ist das Stichwort. Oft geht es da nicht mehr ohne Chemie. In einer Hightec-Jacke, mit der man den Mount Everest besteigen kann, steckt eine hohe chemische Leistung. Wenn man mit dem Hund Gassi geht, braucht man das alles jedoch nicht, erklärt Cira Riedel, eine Kommunikationsexpertin für Nachhaltigkeit bei Outdoorprodukten.

Wer draußen zu Hause ist und nie aufhört, die Wildnis zu erforschen, sorgt sich auch um den Zustand des Planeten. Um die ökologischen Versprechungen der Hersteller besser vergleichen und kontrollieren zu können, hat Riedel die Plattform Greenroom Voice ins Leben gerufen. Mit einem „Transparency Tool“ analysiert sie Marken und Produkte und bewertet sie mit einem Punktesystem. Verbraucher und Handel können sich so unabhängig informieren, ob die beliebten Marken auch tatsächlich ökologisch arbeiten oder dies nur versprechen.

Neben ökologischen Standards müssen auch soziale und ethische Kriterien berücksichtigt werden. Die Schweizer Firma Schreif produziert in El Salvador Taschen aus alten Reifen. Zuerst haben die beiden Gründer ihren Rohstoff einfach neben der Straße eingesammelt. Heute sammeln Werkstätten für sie Schläuche, die den schlechten Straßen zum Opfer gefallen sind. Von ihren Arbeiterinnen erwarten die Unternehmer höchste handwerkliche Qualität. Jede Tasche ist ein Unikat, in dem bis zu 20 Arbeitsstunden stecken. Dafür zahlen sie fast das Doppelte vom üblichen Lohn plus Versicherung, so Firmengründer Patrick Zanini.

Wir haben gezeigt, dass schön, gut und sinnvoll zusammengehen können“.

Diese Botschaft müsse aber auch von den Händlern mitgetragen werden. In Konkurrenz mit den milliardenschweren Werbeetats der etablierten Marken ist der Marktzugang häufig die größte Herausforderung für die grünen Unternehmerinnen.

Doch trotz eines gestiegenen Bewusstseins von Herstellern und Konsumenten für faire Kleidung, steht noch ein langer Weg bevor. Denn inzwischen existieren im Textilbereich mehr als 120 Siegel, die Verbraucherinnen Orientierung beim Kauf ihrer Kleidung geben sollen. Angesichts dieser Vielzahl schafft es jedoch kaum ein Siegel zu großer Bekanntheit. Unterschiedlicher Kriterien verwirren zudem. Notwendig sind daher eine gesetzliche Definition von „Öko“, „Bio“ oder „Organic“ für Textilprodukte und die Weiterentwicklung und Stärkung der glaubwürdigen, verlässlichen Siegel und Standards wie GOTS oder Fair Wear Foundation.

Neben dem Ausbau der ökologischen Mode gilt es aber auch, grundsätzlich Verbesserungen in der Textilproduktion zu erreichen. Daher setzt sich die grüne Bundestagsfraktion für klare und verbindliche Mindeststandards ein und dafür, dass Unternehmen EU-weit verpflichtet werden, ihre Produktionsbedingungen für die gesamte Lieferkette offenzulegen.

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