NachhaltigkeitMehr Transparenz für Verbraucherinnen und Verbraucher

Wer mehr bezahlt, bekommt nicht unbedingt ein nachhaltiger hergestelltes Produkt. Der Parlamentarische Beirat für nachhaltige Entwicklung fordert einen ersten Schritt zu mehr Transparenz für Verbraucherinnen und Verbraucher, indem Unternehmen ökologische und soziale Kriterien offenlegen.

Nachhaltigkeitssiegel: Vielfalt versus Übersichtlichkeit

Im Lebensmittelbereich gibt es unterschiedliche Bio-Siegel. Das deutsche und das europäische „Bio“-Siegel geben an, dass die Lebensmittel aus biologischer Landwirtschaft stammen und die vorgegebenen Kriterien erfüllen. Darüber hinaus gibt es die Siegel der verschiedenen Bio-Verbände, die oftmals weitergehende Anforderungen stellen, wie z.B. Bioland oder Demeter. Nicht alles ist darin abschließend geregelt, z.B. fehlen Vorgaben zu Transport und Schlachtung.

Für alle anderen Branchen gibt es in der Breite zwar den „Blauen Engel“, er steht für einen sparsameren Energie- und Ressourcenverbrauch bei der Herstellung eines Produktes im Vergleich zu anderen Produkten. Aber in vielen Produktgruppen, vor allem bei der umsatzstarken Informationstechnologie, die auf wichtige endliche Ressourcen angewiesen ist, ist nur sehr selten eine Auszeichnung mit dem „Blauen Engel“ zu finden, sondern meist nur Angaben zum Energieverbrauch. Dabei benötigt ein Computer heute rund 80 Jahre Lebensdauer, um den Energieverbrauch auszugleichen, den seine Herstellung gekostet hat.

Bis auf wenige Ausnahmen im Lebensmittelbereich – beispielsweise für Kaffee, Tee und Kakao – und für Textilien geben Siegel keinerlei Auskunft über die sozialen Bedingungen der Herstellung, wie Gesundheitsschutz und Arbeitsbedingungen. Auch hier gibt es Siegel mit unterschiedlichen Anforderungen und daher ist es umso wichtiger, dass sie keine falschen Annahmen signalisieren, sondern verständlich klar machen, wofür sie stehen. Diese flüchtige Bestandsaufnahme zeigt, dass Vielfalt durchaus berechtigt ist, um die unterschiedlichen Kriterien und Fortschritte in nachhaltiger Produktionsweise zu kennzeichnen. Gleichzeitig aber sind Verbraucherinnen und Verbraucher auch überfordert, den Überblick über die Qualität der verschiedenen Siegel zu behalten. Wir Grüne wollen daher bewährte Siegel wie Bio, Blauer Engel, GEPA und weitere Siegel für fairen Handel stärken.

Transparenz durch einheitliche Unternehmens-Berichterstattung

Neben mehr Transparenz durch Siegel fordert der Parlamentarische Beirat für nachhaltige Entwicklung die anstehende Umsetzung der EU-Richtlinie zur sogenannten „nicht-finanziellen Berichtspflicht“ ernst zu nehmen. Er empfiehlt, einheitliche Kriterien anzuwenden, damit die Unternehmen vergleichbar werden. Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK) baut auf die strengen Kriterien der Global Reporting Initiative (GRI) auf, ermöglicht aber durch einfachere Handhabung auch kleinen und mittleren Unternehmen die Anwendung. Hier geht es um eine Reihe von ökologischen und sozialen Kriterien, über die Unternehmen öffentlich berichten müssen. Das sorgt zwar nicht für einen „Nachhaltigkeitsstempel“ auf dem Produkt, ist aber ein wichtiger Schritt für die Herstellung von Transparenz und damit auch ein Beitrag für mehr ökologische wie soziale Nachhaltigkeit in der unternehmerischen Produktions- und Wirtschaftsweise.

Konsumindikator einführen, um virtuellen Verbrauch zu erheben

Einerseits präsentieren Unternehmen seit Jahren ihre Nachhaltigkeitsberichte, andererseits steigen der Energie- und Ressourcenverbrauch, aber auch die Treibhausgasemissionen weiter an. Das passt nicht zusammen. Ein Konsumindikator in der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie würde aufzeigen, wie sich diese Verbräuche von Wasser, Fläche, Energie und Emissionen entwickeln. Darin enthalten sind auch die Verbräuche und Emissionen, die im Ausland entstehen für jene Produkte, die wir im Inland konsumieren. Das führt zwar nicht per se zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsweise, gibt aber ein Bild der tatsächlichen Verbräuche wie Emissionen der Verbraucherinnen und Verbraucher wider.

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1 Kommentar
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Dagmar Bachmann 22.05.2015

Im Lebensmittelbereich empfehle ich die Kriterien von Slowfood: weitere Info: www.slowfood.de/slow_food_messen/qualitaetskriterien

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