StadtentwicklungNachhaltige Stadtentwicklung

Urban Gardening auf einem Dachgarten in Stuttgart

Wo gebaut wird, wie gebaut wird und wie beides gefördert wird, sind Elemente der Stadtentwicklungspolitik. Es geht um Flächenkonkurrenz im Boden, wenn Leitungen für Wasser, Energie und Telekommunikation verlegt werden und auf dem Boden, wenn entschieden wird, wofür Flächen genutzt werden, für Einfamilienhäuser, für soziale Zwecke, für Gewerbe oder die Landwirtschaft. Es geht um die Entscheidung, wofür Fördergelder ausgegeben werden und es geht um den Einsatz der verwendeten Baustoffe, aber auch um multiple Nutzung von Gebäuden sowie die umweltfreundliche und sozialverträgliche Sanierung bestehender Gebäude. Diese Entscheidungen auf kommunaler Ebene haben Auswirkungen auf den Ressourcen- und Energieverbrauch, auf den Klimaschutz und die Artenvielfalt, aber auch für das soziale Miteinander und den Kommunalhaushalt.

Stadtentwicklung ist eine komplexe Aufgabe. Nicht nur für die über 11.000 Kommunen in Deutschland, die sich selbst verwalten und ihre Entwicklung unter gegebenen Voraussetzungen politisch selbst gestalten können. Sondern auch für die Bundespolitik, wenn sie unterschiedliche Programme erlässt, die dann von der Kommune wieder zusammen gebracht werden müssen. Dabei spielt Nachhaltigkeit eine zunehmend wichtigere Rolle. Der Parlamentarische Beirat für nachhaltige Entwicklung hat dazu Ende März ein Positionspapier vorgelegt.

Nachhaltig Planen heißt, die Flächennutzung sorgfältig untereinander abzuwägen und innerörtlichen Brachflächen bei der Bebauung den Vorrang zu geben, um den Außenbereich zu schützen, damit die Artenvielfalt erhalten bleibt und gestärkt wird. Da hört sich logisch an. In Wirklichkeit aber konkurrieren Kommunen um Einwohnerzuwächse und Gewerbeansiedelungen und geben weitere Flächen zur Bebauung frei. Noch 2013 stieg die Siedlungs- und Verkehrsfläche täglich um 73 Hektar, also um knapp genauso viele Fußballfelder, - jeden Tag. Dabei geht die Bevölkerung in Deutschland tendenziell zurück. Das heißt, es werden absehbar Schulen leer stehen, während weitere Pflegeheime benötigt werden. Darauf sind viele Gemeinden gerade im ländlichen Raum nicht vorbereitet, weil sie weiter auf Einwohnerzuwächse setzen.

Die Auswahl der Baustoffe hat Auswirkungen auf den Ressourcen- und Energiebedarf, auf den Lebenszyklus von Gebäuden und damit auf den Erhaltungsaufwand und die Wiederverwertbarkeit der verwendeten Materialien. Noch heute sind Altlasten ein Problem. Empfehlenswert ist die Einführung eines „NKF“, also eines „Neuen Kommunalen Finanzmanagements“, mit dem die vorhandenen Vermögenswerte bilanziert werden und das die Abschreibungen gegenrechnet. So können Gemeinden für die Folgekosten, die meist nachfolgende Generationen treffen, erkennen und von Anfang an in die Planung mit einbeziehen.

Die Gestaltung von Quartieren bestimmt den Energiebedarf mit und vor allem auch das gesellschaftliche Leben. Quartiersbezogene Stadtentwicklung trägt wesentlich zur Lebenszufriedenheit bei und hilft soziale Brennpunkte zu vermeiden.

Damit das besser gelingt und die Nachhaltigkeitsziele vorankommen, ist die Stadtentwicklungspolitik der Bundesregierung von vorneherein stärker zwischen den relevanten Bundesministerien abzustimmen und auf Nachhaltigkeit auszurichten. Das sollte Bedingung werden für alle Städtebauförderprogramme und für alle öffentlichen Bauten sowieso, fordern Valerie Wilms, Obfrau im Nachhaltigkeitsbeirat und Chris Kühn, bau- und wohnungspolitischer Sprecher der grünen Bundestagsfraktion.

Mehr zum Thema Nachhaltigkeit

Dieser Artikel ist älter als zwei Monate, deshalb werden keine Kommentare mehr angenommen.

4395118