Nachhaltig WirtschaftenNachhaltigkeit in Unternehmen einheitlich bilanzieren

Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex erhöht Transparenz und Vergleichbarkeit, findet Valerie Wilms.

Unternehmen legen jedes Jahr ihre kaufmännische Bilanz vor. Das verlangt das Finanzamt. Die Anteilseigner sehen dem Ergebnis regelmäßig mit Spannung entgegen, weil davon die Höhe ihrer Dividende oder Ausschüttung abhängt.

Art des Wirtschaftens bestimmt Wohlstand und Lebensqualität

Dabei entscheiden in einem Unternehmen nicht nur die ökonomischen Zahlen über dessen Schicksal. Sondern seine Art zu wirtschaften entscheidet wiederum über das Schicksal und die Lebensqualität der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Unternehmen selbst und in den Betrieben der Lieferanten bis hin zum Abbau der Rohstoffe. Und sie entscheidet über den Energie- und Ressourcenverbrauch, über die Belastung von Klima und Landschaft. Die Art des Wirtschaftens bestimmt also sowohl den Wohlstand als auch die Lebensqualität unserer Gesellschaft, hier in Deutschland und anderswo auf der Welt.

„Greenwashing“ durch Nachhaltigkeitsberichterstattung

Viele Unternehmen legen seit Jahren Nachhaltigkeitsberichte vor, um zu zeigen, dass sie es ernst meinen mit der nachhaltigen Entwicklung. Die Berichte lesen sich natürlich immer schön. Demnach dürfte es keine Verletzung von Menschenrechten mehr geben und die Umwelt müsste intakt sein. Dass dem nicht so ist, erfahren wir spätestens wieder bei der nächsten Katastrophe, seien es Wetterkapriolen oder der Zusammenbruch einer Nähfabrik in Fernost. Dann zeigt sich, dass diese Berichte oft mehr der Werbung dienen als der Darstellung wirklich nachhaltigen Wirtschaftens.

Umweltverbrauch, Arbeitsbedingungen und Menschenrechte realistisch bilanzieren

Die EU-Richtlinie zur nichtfinanziellen Berichterstattung will dieses Greenwashing beenden. Darin heißt es: „Um die Konsistenz und Vergleichbarkeit der offengelegten nichtfinanziellen Informationen EU-weit zu erhöhen, sollten bestimmte große Unternehmen eine nichtfinanzielle Erklärung erstellen, die mindestens Angaben zu Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelangen, zur Achtung der Menschenrechte und zur Bekämpfung von Korruption und Bestechung enthält.“ Das solle, so die Richtlinie, entlang der Lieferkette gelten. Die auf dem parlamentarischen Abend zu den Berichtspflichten anwesenden Mitglieder des Parlamentarischen Beirats für nachhaltige Entwicklung waren sich einig, dass dafür einheitliche, aber überschaubare Kriterien erforderlich sind und unterstützen den Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK). Der DNK baut auf dem strengeren Standard der „Global Reporting Initiative“ (GRI) auf und ist dennoch auch für kleine und mittlere Unternehmen anwendbar. „Damit wird die Welt zwar nicht gleich besser und eine integrierte Berichtspflicht ist damit immer noch nicht erreicht,“ so Valerie Wilms, grüne Obfrau im Parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung, „aber sie ist ein erster Schritt, indem Transparenz und Vergleichbarkeit erhöht werden.“

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