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Film-Screening und Diskussion"The Cleaners" - Die Müllabfuhr im Netz

Die beiden Filmregisseure im Gespräch mit Renate Künast und Tabea Rößner
v.l.n.r.: Regisseure Moritz Riesewieck und Hans Block, Renate Künast, Tabea Rößner

Große Plattformen wie Facebook oder YouTube lagern das Löschen gemeldeter Inhalte auf sogenannte „Content-Moderators“ aus, die bei Drittfirmen angestellt sind. Zehntausende von ihnen arbeiten als digitale Müllabfuhr in dieser Schattenindustrie auf den Philippinen. Darauf legt der Dokumentarfilm „The Cleaners“ seinen Schwerpunkt. Die eindrücklichen Interviews mit Content-Moderatoren zeigen, welche globalen sowie persönlichen Auswirkungen dieses Outsourcing von Arbeitskraft und Verantwortung hat und welche immense Macht die großen Plattformen auf den globalen Meinungsaustausch haben.

Wer entscheidet, was gelöscht wird?

Am 30. November 2018 haben wir zur Film-Vorführung und einer anschließenden Diskussion in den Bundestag eingeladen. Nach einer Begrüßung durch den stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Konstantin von Notz haben im Anschluss an den Film die Abgeordneten Tabea Rößner und Renate Künast mit den beiden Regisseuren des Films, Hans Block und Moritz Riesewieck, darüber diskutiert, wie wir mit den Herausforderungen umgehen können, vor die uns die großen Social Media Plattformen stellen.

Schwierige Löschentscheidungen

In der Diskussion wurde über die vielfältigen Schwierigkeiten und die Gefahr von Missverständnissen diskutiert, die in der Löschpraxis der Content-Moderatoren entstehen können. Diese sitzen vielleicht am anderen Ende der Welt, müssen aber - vorbereitet nur durch einen ungenügenden Crashkurs - in der Lage sein, beispielsweise rechtsextreme Symbole zu erkennen und derartige Inhalte zu löschen. Wenn es darum geht, Texte zu überprüfen, werden Übersetzungsprogramme wie Google Translate verwendet, wobei Ironie oder Zwischentöne verloren gehen. Aber auch Maschinen sind heute noch nicht besser, wie die Filmregisseure aufzeigten: Eine automatische Bilderkennung wäre heute auch noch nicht in der Lage, Kunstblut bei einer Theateraufführung von echtem Blut zu unterscheiden und würde dementsprechend Fehlentscheidungen bei der Löschung von Inhalten treffen.

Profit ist das oberste Ziel

Einigkeit bestand darin, dass ein Großteil der aktuellen Probleme der Content-Moderation im Design der Plattformen besteht, das auf eine Gewinnmaximierung durch Werbeeinnahmen ausgerichtet ist. Und der Profit kann durch emotional aufgeladene Inhalte oder virale Posts mit Falschnachrichten deutlich gesteigert werden. Deswegen haben die Betreiber der sozialen Netzwerke gar kein Interesse an einer ruhigen und sachlichen Debatte. Die Regisseure vertraten den Standpunkt, dass man die Unternehmen durchaus für ihr Design und die daraus resultierenden Probleme verantwortlich machen und die Frage stellen kann, ob die Plattformen nicht grundsätzlich anders aufgebaut werden müssten. Auch die Frage, welche Rolle öffentlich-rechtliche Medien hierbei zukünftig spielen könnten, wurde diskutiert.

Das NetzDG und unsere Verbesserungsvorschläge

Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz ist ein Versuch, die Plattformen auch für Inhalte, die dort gepostet werden, verantwortlich zu machen. Wir Grüne im Bundestag haben unsere Verbesserungsvorschläge für dieses Gesetz in unserem Antrag „NetzDG weiterentwickeln – Nutzerrechte stärken, Meinungsfreiheit in sozialen Netzwerken sicherstellen“ vorgestellt. Darin fordern wir unter anderem ein sogenanntes put-back-Verfahren für zu Unrecht gelöschte Inhalte, Betroffene sollen sich mit Beschwerden über Löschungen an eine Clearingstelle wenden können und Falschnachrichten dürfen kein attraktives Geschäftsmodell mehr sein.

Vielzahl an Herausforderungen

Die Diskussion machte deutlich, wie zahlreich die Herausforderungen bei der Regulierung von Sozialen Medien sind. Viele weitere Aspekte wurden auf dem Panel und mit dem Publikum diskutiert: von der Idee, die Unternehmen stärker zu besteuern über die immer stärker personalisierteren Newsfeeds bis hin zu den erst kürzlich veröffentlichten Community-Standards der Plattformen.

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