Bundestagsrede 19.10.2006

Winfried Hermann, Monstertrucks

Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt:

Nun hat das Wort der Kollege Winfried Hermann, Fraktion des Bündnisses 90/Die Grünen.

(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/ DIE GRÜNEN)

Winfried Hermann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ich bedanke mich dafür, dass ich heute das Schlusswort bekomme.

Ich freue mich, dass es heute eine neue Allianz gibt, eine Allianz

(Patrick Döring [FDP]: Gegen den Turbokapitalismus!)

gegen die Gigaliner, gegen die Monstertrucks auf der Straße. Die FDP sagt: Lasst uns einen umfassenden Feldversuch machen! Denen, die sagen, das brauchen wir nicht, hält sie vor, nicht offen zu sein. Aber eigentlich sind auch Sie schon festgelegt; das haben Sie deutlich gemacht. Nichts gegen Versuche, aber wenn die Folgen bestimmter Maßnahmen schon offenkundig sind, dann kann man sich den Versuch sparen.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Einige Folgen dieser Monstertrucks liegen so offenkundig auf der Hand,

(Zurufe von der FDP: Umweltschutz! - Weniger CO2‑Emissionen!)

dass man keine langen Versuche machen muss. Interessant ist ferner, wer solche Versuche machen will und wo sie gemacht werden: Daimler hat in Stuttgart sein neues Produkt Gigaliner einführt für den Verkehr zwischen zwei Werken, auf einer Strecke, die mit Schienen bedient werden kann, zum Transport von Material, das sich originär für den Schienentransport eignet. Da wird doch klar, worum es geht: Dieser Versuch ist kein offener Versuch, sondern es geht darum, den ersten Schritt zu unternehmen, ein neues Produkt am Markt anzubringen.

(Widerspruch bei der FDP)

Das ist der Grund, weshalb wir sagen: Nein, wir wollen keine Monstertrucks auf deutschen Autobahnen.

Es gibt inzwischen auch längst Versuche dazu. Bei der Einführung des 40-Tonners gab es in der Schweiz eine sehr genaue Untersuchung, in der nachgewiesen wurde - auch hier hätte man übrigens sehr ökologisch argumentieren und sagen können, dass man durch die Erhöhung von 28 auf 40 Tonnen einige LKWs einspart -,

(Patrick Döring [FDP]: Argumentieren Sie doch einmal ökologisch!)

dass als Folge davon deutlich mehr Verkehr auf die Straße kam, wodurch der Schienenverkehr, der in der Summe deutlich ökologischer ist, geschwächt wurde.

Nun sagen Sie, dass das doch ein ökologisches Argument ist. Dem will ich mich gerne stellen. Es ist schon interessant - das will ich Ihnen jetzt nicht unterstellen -, wenn ausgerechnet Leute aus der Automobilindustrie, denen die Ökologie gemeinhin sozusagen irgendwo vorbeigeht, plötzlich ökologisch argumentieren. Dann werden wir natürlich hellhörig. Es ist einfach eine Rosstäuscherei, zu behaupten, durch die Umstellung auf größere Trucks würde die Belastung um 50 Prozent verringert. Auf dieses Ergebnis kommt man nur, wenn man ganz einfach rechnet. Wenn am Schluss in der Summe aber mehr LKWs fahren und weniger Verkehr auf die Schiene geleitet wird, dann ist die gesamtökologische Bilanz natürlich erheblich schlechter.

(Patrick Döring [FDP]: Sie werden doch sowieso fahren! Schauen Sie sich die Statistik an!)

Das wird durch Ihre einfache und billige Ökologierechnung nicht deutlich und damit blenden Sie sich selber.

(Patrick Döring [FDP]: Die Zuwächse finden doch statt!)

Sie merken nicht, dass dies eigentlich ein neues Produkt ist, um die Fahrt zur nächsten Fabrik zu verbilligen. Das bedeutet im Wesentlichen kein Einsparen von CO2-Emissionen, sondern nur von Kosten, was zu einer Besserstellung des LKW-Verkehrs im Vergleich zum Schienenverkehr führt. Wir befürchten, dass es letztendlich darum geht. Das ist der große Schaden.

Die anderen Probleme, die angesprochen worden sind, will ich nur noch einmal kurz erwähnen, weil die Rednerinnen und Redner vor mir das auch schon deutlich gesagt haben. Man kann jetzt natürlich sagen, dass man mit den langen LKWs gar nicht in die Städte und Zentren hinein will. Dahin werden sie auch nie kommen. Natürlich werden sie aber auch nicht nur auf wenigen Autobahnen fahren, sondern man wird die Industriegebiete einschließen. So kommen dann nach und nach mehr Städte, die diese LKWs auch zulassen wollen.

Schließlich wird der Effekt erzielt, dass der Nutzen weniger Transporteure, die mit größeren LKWs kostengünstiger transportieren können, von der Allgemeinheit zu bezahlen ist, indem anschließend die Brücken nachgebaut, die Kreisverkehre vergrößert und die Straßen deutlich häufiger saniert werden müssen. Ich sage: Hier wird privater Nutzen am Schluss durch die Allgemeinheit bezahlt.

Ich komme zum Schluss, weil die Lampe am Pult leuchtet: Wir sind klar und eindeutig gegen die Einführung dieser Monstertrucks. Das wird zulasten der Schiene und letztlich auch zulasten der Umwelt gehen. Die Argumente, die Sie bringen, sind pseudoökologisch.

(Patrick Döring [FDP]: Die Versuche in Baden-Württemberg und Niedersachsen werden das Gegenteil beweisen!)

Ich sage Ihnen eines: Wir Grüne sind für deutlich mehr und längere Lastzüge, aber bitte schön auf der Schiene.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN - Patrick Döring [FDP]: Am besten per Gesetz!)

 

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