Bundestagsrede 29.09.2006

Jürgen Trittin, Gedenken an internationale Brigaden in Spanien

Jürgen Trittin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Bei allem Respekt vor den Argumenten aller Seiten muss ich sagen: Ich weiß nicht, ob wir denjenigen, die damals als Europäer - das sollten wir uns klar machen - versucht haben, den Putsch eines Militärs gegen eine demokratisch gewählte Regierung zu verhindern, mit dieser Form der Debatte gerecht werden.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der LINKEN)

Ich sage das mit allem Nachdruck, weil wir uns in der alten Bundesrepublik Deutschland lange schwer damit getan haben, mit diesem Teil der Geschichte umzugehen, wie die Debatten über das Jagdgeschwader, das nach Herrn Mölders benannt war, und über die Legion Condor zeigen. Bis in die jüngste Vergangenheit haben wir versucht, dieses ein ganzes Stück aufzuarbeiten. Deswegen finde ich das Anliegen der Linkspartei, dass wir Deutsche und wir als Deutscher Bundestag der Menschen, die damals für Europa, für die Demokratie gestritten haben, gedenken, erst einmal richtig; das will ich an dieser Stelle ausdrücklich sagen. Dieses Grundanliegen sollten wir ernst nehmen und unterstützen.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der LINKEN)

Dazu gehört aber die Betrachtung der ganzen Geschichte, nicht nur der Beteiligung Deutscher an faschistischen Verbrechen wie in Guernica. Dazu gehört ebenso die Feststellung: Ja, diejenigen, die als Freiwillige dort gekämpft haben, waren nicht alle Demokraten und nicht immer ist dieser Kampf für die Demokratie mit demokratischen und rechtsstaatlichen Mitteln geführt worden. Das müssen wir mit aufarbeiten, wenn wir gedenken wollen. Es gibt durchaus Geschichtswissenschaftler, die sagen, dass die Schwächung der republikanischen Kräfte vor Madrid viel damit zu tun hat, dass innerhalb dieser Brigaden durch die von der Komintern verwendeten Methoden des Stalinismus die Kräfte des Kampfes für die Demokratie, diese Stadt zu halten, geschwächt wurden.

Deswegen rate ich uns allen: Versuchen wir, in dieser Situation den Respekt vor denjenigen, die da für die Demokratie, für Europa gekämpft haben, zu verknüpfen mit einer Betrachtung der Geschichte, die auch die grauen und die schwarzen Seiten dieses Kampfes für die Demokratie erhellt und aufzeigt. Ich denke, in diesem Sinne können wir deutschen Parlamentarier, wie in diesem Antrag gefordert, derjenigen, die für die Demokratie dort gestorben sind, ernsthaft gedenken.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der FDP und der LINKEN)

 

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