Bundestagsrede von 13.12.2007

Indisch-deutscher Wissenschaftleraustausch

Priska Hinz (Herborn) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Der deutsch-indische Wissenschaftleraustausch liegt allen am Herzen. Dies zeigen die vorliegenden Fraktionsanträge, die fast alle wortgleich lauten. Wir sind uns einig, dass wir mehr Stipendien für indische Studierende brauchen, die in Deutschland Hochschulen besuchen wollen. Insbesondere brauchen wir aber auch Werbung und Unterstützung für Studierende aus Deutschland, die Interesse an einem Auslandsaufenthalt in Indien haben, und in Indien studieren wollen. Wir sind uns auch einig, den Austausch von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern zu stärken. Hier sollte vor allem ein Förderschwerpunkt auf den Geisteswissenschaften liegen. Es ist lobenswert, dass die Bundeskanzlerin auf ihrer Indien-Reise nun schon einiges von dem umgesetzt hat, was wir bei unserer Reise mit der Forschungsministerin als wichtig erkannt haben, so zum Beispiel das gemeinsame Zentrum für Wissenschaft, Forschung und Technologie.

Es bleibt aber noch viel zu tun: Es fehlen noch Stiftungslehrstühle für Indologie mit Schwerpunkt auf dem modernen Indien, für die die deutsche Wirtschaft zur Kooperation mit interessierten Hochschulen gewonnen werden muss. Bei der Schaffung von Praktikumsplätzen und anschließenden Arbeitsmöglichkeiten für junge indische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland ist die Wirtschaft auch gefragt. Genauso gefragt ist aber auch die Bundesregierung, die Regelungen im Aufenthaltsrecht so zu ändern, dass es für Hochqualifizierte leichter wird, in Deutschland zu arbeiten, ihre Familie mitzubringen und sich auch selbstständig wirtschaftlich zu betätigen. Gerade für Hochqualifizierte ist das eine notwendige Option.

In all diesen Punkten waren wir uns einig. Ein interfraktioneller Antrag, wie wir auf unserer Delegiertenreise mit Ministerin Schavan in Indien verabredet hatten, wäre ein wichtiges Signal für den DAAD, die Alexander-von-Humboldt-Stiftung und für die Wissenschafterinnen und Wissenschaftler im Kooperationsland Indien gewesen. Ich finde es sehr bedauerlich, dass die Union nicht über ihren Schatten springen kann mit ihrem Grundsatzbeschluss, nie mit den Linken gemeinsame Anträge zu tragen. Sie entscheidet sich stattdessen für einen kleinkarierten Parteienstreit. Dass diese gemeinsame Initiative so endet, diskreditiert dieses für alle wichtige Thema. Es sollte um Inhalte gehen, nicht um Attitüden.

 

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