Bundestagsrede 02.02.2007

Uschi Eid, Stärkung des Goethe-Instituts

Vizepräsidentin Petra Pau:

Das Wort hat die Kollegin Dr. Uschi Eid für die Fraktion des Bündnisses 90/Die Grünen.

Dr. Uschi Eid(BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vor einem guten Jahr ist das Goethe-Institut in die Schlagzeilen geraten, nicht unbedingt durch eigenes Verschulden; das muss man dazusagen. Zum Beispiel schreckte das finanzielle Defizit von 11 Millionen Euro auf. Die angekündigten regionalen Schwerpunktverlegungen hin nach Asien und in die arabischen Staaten auf Kosten der Arbeit in Europa provozierten Widerspruch und lösten eine breite Debatte aus. Es war allerhöchste Zeit, über die neuen Herausforderungen, vor allem über finanzielle und konzeptionelle Konsequenzen ernsthaft zu beraten.

Ich danke allen Beteiligten für das inzwischen vorliegende Reformkonzept. Der zuständige Unterausschuss führte eine Anhörung mit Experten durch, und die Fraktionen zogen ihre Schlussfolgerungen aus den Beratungen. Aus Sicht meiner Fraktion, der Fraktion des Bündnisses 90/Die Grünen, sind für die Zukunft des Goethe-Instituts folgende Punkte wichtig:

Erstens. Wenn es neue Goethe-Institute geben soll, dann muss es dafür zusätzliches Geld geben.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Die Eröffnung von Instituten in neuen Weltregionen darf auf keinen Fall zulasten der Kulturarbeit in Europa gehen.

(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/ DIE GRÜNEN, der CDU/CSU, der SPD und der LINKEN)

Zweitens. Die aktuellen Spannungen in Europa, die Verfassungs- und Vertrauenskrise, aber auch die Herausforderungen durch die Erweiterung der Europäischen Union machen es vielmehr notwendig, die Kulturarbeit innerhalb Europas zu intensivieren.

Drittens. Es gibt langfristig gewachsene Beziehungen zu vielen - manchmal durchaus kleinen - Ländern in Afrika und Lateinamerika. Auch bei der unbestrittenen Notwendigkeit, die Kulturarbeit zum Beispiel in arabische und asiatische Regionen auszudehnen, dürfen diese Länder keinesfalls vernachlässigt werden.

Viertens. Der Wertedialog mit unseren amerikanischen Freunden scheint mir dringender denn je. Angesichts des Auseinanderklaffens in der Beurteilung weltpolitischer Herausforderungen oder auch gesellschaftlicher Entwicklungen - zum Beispiel des Vormarschs der Kreationisten - ergibt sich dringend die Notwendigkeit, diesem Auseinanderdriften in grundlegenden Fragen etwas entgegenzusetzen und den transatlantischen Dialog zu intensivieren.

(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/ DIE GRÜNEN und der SPD)

Fünftens. Das vorliegende Reformkonzept ist der Beginn eines Prozesses, der allen Beteiligten Kraft abverlangen wird. Auch das Goethe-Institut ist in der Pflicht, die begonnenen Reformanstrengungen weiterzuführen. Das heißt zum Beispiel, bei den eigenen Mitarbeitern oder vor Ort für Akzeptanz zu sorgen, wenn es um institutionellen Umbau oder um andere Arbeitsformen geht. Das gilt sowohl für die Auslandsinstitute wie für Goethe-Institute im Inland. Darauf gehe ich jetzt nicht näher ein; das haben die Kollegen ja schon ausgeführt.

Wir wollen das Goethe-Institut in seinen Reformbemühungen unterstützen und dazu beitragen, dass diese in den nächsten Jahren konsequent, aber auch transparent umgesetzt werden, Herr Staatsminister. Dazu gehört es, über den Stand der Umsetzung zu berichten, weitere Erfordernisse offen zu benennen und die geleistete Kulturarbeit zu evaluieren.

Sehr geehrte Damen und Herren, nachhaltige Kulturarbeit gehört zum Leitbild des Goethe-Instituts. Denn Freunde in der Welt gewinnt man nicht durch kurzatmige und spektakuläre Einzelevents - egal welcher Größenordnung. Deshalb sind das bestehende weltweite Kontakt- und Institutsnetz und die gewachsenen Verbindungen zu Menschen in aller Welt die wichtigsten und wertvollsten Ressourcen des Goethe-Instituts. Das Netz muss fraglos an die gegenwärtigen Bedingungen des globalen Kulturaustausches angepasst werden. Das Institut muss sich mit anderen Kulturmittlern vor Ort besser vernetzen und Synergien erzielen. Ziel ist es, das Netz der Kulturbeziehungen so weit wie möglich zu erhalten und zeitgemäß zu erweitern, um vielen Menschen Zugang zur deutschen Kultur und Sprache zu ermöglichen.

Frau Präsidentin, im Zuge der Beratungen des Koalitionsantrags haben beide Koalitionsparteien unsere Anregungen übernommen. Ich bedanke mich sehr. Das war wirklich eine sehr produktive, konstruktive Zusammenarbeit, sodass es uns von Bündnis 90/Die Grünen heute möglich ist, dem Koalitionsantrag zuzustimmen.

Ich bedanke mich.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der CDU/CSU, der SPD und der FDP)

 

167371