Bundestagsrede 19.01.2007

Priska Hinz, Forschung bei regenerativer Medizin

Priska Hinz (Herborn) (BÜNDNISS 90/DIE GRÜNEN):

Die Regenerative Medizin gehört innerhalb der Biomedizin zu den Gebieten mit großer Entwicklungsdynamik und hat in der Gesundheitsforschung eine viel versprechende Zukunft. Deshalb brauchen wir innovative Lösungsansätze und einen effektiven Austausch von Erkenntnissen zwischen den Disziplinen der grundlagen- und anwendungsorientierten biomedizinischen Forschung, um neue Therapien unter anderem auch für bisher unheilbare Krankheiten verfügbar zu machen.

In diesem neuen fachübergreifenden Forschungsgebiet fließen Entwicklungen auf den Gebieten der Mate-rialwissenschaft, der Biotechnologie und Biophysik, der Nano- und Mikrotechnologie, der Informationstechnologie sowie der allgemeinen Medizinforschung und der Molekularbiologie zusammen. Wir unterstützen die Meinung der FDP, dass der Bedarf an Forschung auf dem Gebiet der Regenerativen Medizin groß ist und eine interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener fachwissenschaftlicher Bereiche verstärkt werden sollte.

Aber natürlich haben wir auch Kritik an dem Antrag. Die FDP führt sehr viele positive Beispiele in Hinblick auf therapeutische Anwendungsmöglichkeiten und Forschungserfolge in dem Bereich der Regenerativen Medizin auf, die eine stärkere Förderung rechtfertigen. Kein einziges dieser Beispiele bezieht sich dabei auf embryonale Stammzellen. Völlig unklar bleibt das plötzliche Bedürfnis der FDP in ihrem Forderungsteil, dass die Bundesregierung die Förderung der Forschung mit humanen embryonalen Stammzellen nicht weiter behindern, sondern unterstützen solle. Ich frage mich doch, wie die FDP diese Forderung begründet, ohne konkrete Forschungserfolge und Beispiele auf dem Gebiet der embryonalen Stammzellforschung zu nennen.

Ihnen wird diese Woche nicht entgangen sein, dass der Zweite Erfahrungsbericht der Bundesregierung zum Stammzellgesetz und die jüngste Ausarbeitung des wissenschaftlichen Dienstes zeigen, dass sich die bisherige Regelung für die embryonale Stammzellforschung bewährt hat. Es schadet eindeutig der Regenerativen Medizin, wenn sie immer wieder auf die embryonale Stammzellforschung reduziert wird. Dazu trägt auch die FDP immer wieder bei, indem sie unter dem Vorwand, der Regenerativen Medizin dienen zu wollen, eine Änderung der rechtlichen Grundlagen im Bereich der embryonalen Stammzellforschung einfordert. Regenerative Medizin ist weit mehr als das. Die Wiederherstellung funktionsgestörter Zellen, Gewebe und Organe geschieht durch den biologischen Ersatz, beispielsweise mithilfe gezüchteter Gewebe, aber auch durch die Anregung körpereigener Regenerations- und Reparaturprozesse.

Die Prinzipien der Regenerativen Medizin werden mit bewährten Methoden in der Stammzelltransplantation bereits seit mehr als vierzig Jahren erfolgreich zur Behandlung von Leukämien und Lymphomen eingesetzt; auch in der Gewebe- und Organtransplantation allgemein wurden in den letzten Jahren große Fortschritte erzielt. Daher ist eine aus der Luft gegriffene Forderung nach Lockerung des Stammzellgesetzes haltlos.

Wir fordern eine klare Grenzziehung in den Bereichen, wo Forschung in der Regenerativen Medizin Bioethik betrifft. Wir wollen eine Stärkung der Forschung in der Regenerativen Medizin. Aber auch muss gelten: Menschenwürde und Menschenrechte müssen gewahrt sein und haben Vorrang vor Forschungs- und Kommer-zialisierungsinteressen. Darum muss man bei der Zulassung, der Produktion und Anwendung dieser neuer Therapien immer auch die Sicherheit der Patientinnen und Patienten im Blick haben. Dabei ist den Besonderheiten der Regenerativen Medizin Rechnung zu tragen.

Nicht jede Regelung des Arzneimittelrechtes, das insbesondere hinsichtlich der Anforderungen auf herkömmliche Arzneimittel ausgerichtet ist, kann/muss erfüllt werden. Gleichzeitig ist zu prüfen, ob zusätzliche Schutzregelungen notwendig sind.

 

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