Bundestagsrede 21.06.2007

Nicole Maisch, Fahrradtourismus in Deutschland

Nicole Maisch (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Als Nordhessin liegt mir der Fahrradtourismus besonders am Herzen. Für die nordhessische Region ist der Tourismus ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor. Jährlich können wir rund sieben Millionen Übernachtungen verbuchen. Mit 40 000 Arbeitsplätzen leistet der Tourismus einen bedeutenden Beitrag zur regionalen Wertschöpfung. Mit über 2 000 km Radwegen ist die Region auch für Radtouristen attraktiv. Über ein schnelles und effektives Mehr an Fahrradfreundlichkeit würde ich mich freuen.

Ihr Beitrag zum Fahrradtourismus hingegen ist ein schönes Beispiel für die Arbeit der Großen Koalition: Viele Worte, leere Forderungen. Altbekanntes wird in neue Phrasen verpackt, und die Unverbindlichkeit wird als Tugend postuliert. Nichts bewegt sich. Es ist, als würde im Leerlauf in die Pedale getreten. Aber ich stimme mit Ihnen überein, dass die Stärkung des Fahrradtourismus positive Auswirkungen auf den Tourismusstandort Deutschland hat. Allein in diesem Teilsegment können jährliche Steigerungsraten von 5 Prozent verzeichnet werden. Fahrradfahren ist umweltfreundlich, gut für die Gesundheit und spricht unterschiedliche Zielgruppen an. Alles richtig. Ihre Analyse kann ich teilen. Ich kann auch die Forderungen teilen. Nur leider erwächst aus Ihrer Erkenntnis kein echter Gewinn für den Fahrradtourismus. Die notwendigen Schritte für eine konzeptionelle Förderung des Fahrradtourismus fehlen in Ihrem Antrag.

Ich frage mich, wie die Bundesregierung den Fahrradtourismus fördern will, wenn ihr außer hinwirken, einwirken, nachfragen und prüfen nichts einfällt. Ich wage die Prognose, dass allein durch bloßes Hinwirken kein schneller Ausbau des Bundesradroutennetzes erfolgt. Die Wachstumspotenziale dieser umweltschonenden Form des Reisens, die es ja definitiv gibt, werden so ganz sicher nicht ausgeschöpft.

Es freut mich, dass sich Herr Tiefensee persönlich um die Mitnahmemöglichkeiten von Fahrrädern in ICEs kümmert. Allerdings zeigt ein Blick in die Historie dieses Dauerthemas schnell, dass wohl auch der ministerielle Beistand wenig an der Fahrradfeindlichkeit der ICEs ändern wird. Probestrecke hin oder her.

Zum Schluss lassen sie mich noch einen Appell an Sie richten: Rücken Sie die richtigen Verkehrsträger in den Fokus ihres Interesses. Die 7 Prozent aller Wege, die heute mit dem Fahrrad zurückgelegt werden, sind eindeutig steigerungsfähig: Mit einer fahrradfreundlichen Straßenverkehrsordnung, entsprechender Infrastruktur und einem Höchstmaß an Sicherheit für die Radfahrerinnen und Radfahrer. Klimafreundliche Mobilität im Urlaub und im Alltag - da fördern Sie richtig. Umfassend.

 

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