Bundestagsrede 29.03.2007

Undine Kurth, Nationale Naturlandschaften

Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner:

Ich gebe das Wort der Kollegin Undine Kurth, Bündnis 90/Die Grünen.

Undine Kurth (Quedlinburg) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Vielen Dank, Frau Präsidentin. - Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste auf den Rängen! In einer Pressekonferenz des Bundesumweltministers wurde gestern berichtet, wie stark gefährdet viele Biotope und Landschaftsformen in Deutschland sind. Ein Problem ist der zu hohe Flächenverbrauch. Ein weiteres Problem ist die Übernutzung der Kulturlandschaft. Ein gutes Instrument gegen diese Entwicklung ist, Landschaft in verschiedener Form unter Schutz zu stellen, beispielsweise als Naturparke. Deswegen ist das letzte Jahr zum Jahr der Naturparke erklärt worden. Alle haben dies bereits gelobt; wir alle waren damit einverstanden und fanden das richtig.

Es ist auch darauf hingewiesen worden, wie groß die Wechselbeziehung zwischen intakter Natur und der Möglichkeit, mit ihr im Tourismusbereich zu wirtschaften, ist. Das ist auch völlig richtig, Herr Hinsken hat davon berichtet. Man muss aber anmerken: Ihr Antrag trägt die Überschrift "Nationale Naturlandschaften - Chancen für Naturschutz, Tourismus, Umweltbildung und nachhaltige Regionalentwicklung". Das Spektrum ist also schon etwas breiter.

Es ist auch richtig, noch einmal auf Folgendes hinzuweisen: Ein solches Jahr der Naturparke kann den Bekanntheitsgrad von Naturparken erhöhen und dafür sorgen, dass mehr Aufmerksamkeit für die Potenziale, die darin stecken, erzeugt wird. Es kann auch dazu beitragen, das alte Vorurteil, Schutz hieße, man dürfe nicht nutzen, abzubauen. Denn das ist völlig falsch.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Deshalb haben wir einen Antrag gestellt, in dem nicht nur steht, was klasse und schön ist, sondern der darauf abzielt zu prüfen, wie dieses Instrument der Naturparke - wenn es so gut ist - besser genutzt werden kann und welche Maßnahmen zur Verbesserung der Situation von Naturparken dienen. Das ist das Entscheidende. Wir müssen prüfen, was wir unternehmen können, damit ein gut eingeschlagener Weg noch besser wird.

Uns ist von Ihnen, von der Koalition, vorgeworfen worden, dass sich unser Antrag nur mit dem Thema Naturparke befasst. Wir glauben, dass es Naturparke durchaus verdient haben, einmal besonders herausgestellt werden, weil sie nämlich gerne übersehen werden, auch ihr Potenzial für regionale Entwicklung. Deshalb meinen wir, dass es angemessen ist, sich mit diesem Thema zu befassen.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Wir wollen noch einmal darauf hinweisen, welchen starken Beitrag Naturparke für die Regionalentwicklung, für den Erhalt der Vielfalt in der Natur leisten.

Wenn wir schon gegenseitig über unsere Anträge urteilen, dann wäre es wünschenswert, wenn wir sie auch vorher gelesen hätten. Deshalb wundert es mich sehr, dass Sie alle uns vorwerfen, wir wollten eine Taxe erheben. In unserem Antrag steht nur, man möge bitte prüfen, ob das Erheben einer Taxe ein richtiger Weg ist. Ich meine, das ist ein ziemlich großer Unterschied.

Es ist auch richtigerweise gesagt worden, dass es in Regionen wie der Müritz ganz erhebliche Wirtschaftseffekte gibt, dass dort mit Tourismus relativ viel Geld verdient wird. Trotzdem berichtet der Nationalparkleiter, dass für die Ranger keine Mittel mehr zur Verfügung stehen. Vielleicht ist es also doch richtig zu überlegen, wie man all die Gäste daran beteiligen kann, diese gute und intakte Natur zu erhalten. Ich kann nicht verstehen, dass man schon die Prüfung der Einführung einer solchen Taxe ablehnt.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Wie gesagt: Es gibt viele Möglichkeiten der Unterstützung. Wir müssen prüfen, wie man etwas für Nationalparke und ihre Entwicklung tun kann. Herr Hinsken, Sie meinten, es gebe keinen besseren Zeitpunkt, um diese Anträge zu diskutieren. Ich hätte schon einen besseren gefunden, nämlich das letzte Jahr, das Jahr der Naturparke. Wir hängen mit der Diskussion ziemlich hinterher.

Es ist bereits gesagt worden: Wir haben zuerst einen Antrag zu diesem Thema eingebracht. Wir finden es völlig in Ordnung, dass man in diesem Rahmen über verschiedene Anträge diskutiert. Wir werden Ihrem Antrag zustimmen, weil nicht einzusehen ist, etwas nur aus Prinzip abzulehnen. Wenn ein Vorschlag vernünftig ist, dann müssten wir doch in der Lage sein, gemeinsam richtige Schritte zu gehen. Deshalb bin ich sehr gespannt, Herr Hemker, wie Sie jetzt begründen werden, dass man unserem Antrag nicht zustimmen kann, wo doch in den Anträgen fast Identisches steht. Die Überprüfung der Einführung einer Taxe kann ja auch nicht das Problem sein.

Ich kann nur sagen: Wir haben unseren Antrag deutlich früher eingebracht als Sie. Deshalb möchte ich abschließend Hans Kollhoff zitieren, einen unter Architekten bekannten Mann, der immer gesagt hat: "Wer mich kopiert, vermeidet das Schlimmste."

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

 

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