Bundestagsrede von 24.04.2008

Demografischer Wandel im Tourismus

Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt:

Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat nun die Kollegin Bettina Herlitzius das Wort.

(Georg Schirmbeck [CDU/CSU]: Bettina ist wirklich ein schöner Name! Vor 30 Jahren hatte ich auch mal so schöne dunkle Haare!)

Bettina Herlitzius (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Neben dem Klimawandel ist der demografi­sche Wandel eines unserer großen Zukunftsthemen.

Was bedeutet der demografische Wandel für den Tou­rismus und für die Tourismuswirtschaft? Wie in dem An­trag der Koalitionsfraktionen richtig dargestellt, steigt der Anteil der älteren Reisenden. Aber auch ihre An­sprüche und ihre Bedürfnisse werden sich ändern. Durch diesen Wandel sind Weichenstellungen der Politik, aber auch der Akteure der Tourismuswirtschaft erforderlich.

Grundlage des Reisens ist die Mobilität, und zwar die eigene körperliche Mobilität, aber auch die Mobilität, die unsere Gesellschaft und unsere Umwelt zulassen. Davon wird abhängen, wer zukünftig noch reisen kann.

Welche Anforderungen muss eine umweltschonende touristische Infrastruktur erfüllen? Sind die Leistungsträ­ger der Transportsysteme und der touristischen Zielge­biete darauf vorbereitet? Diese Themen kommen in Ih­rem Antrag nur unter "ferner liefen" vor. Aber genau das sind die Fragen, mit denen wir uns beschäftigen müssen.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Die demografischen Veränderungen unserer Gesell­schaft werden die touristischen Märkte der Zukunft er­heblich beeinflussen. Das ist offensichtlich. Es ist auch offensichtlich, dass viele Leistungsträger der Branche das bisher nicht erkannt haben. Die Studie, die Ihrem Antrag zugrunde liegt, weist darauf hin, dass die zukünf­tig reisende Seniorengeneration eine andere ist als die heutige. Sie sind reiseerfahren, haben einen hohen Mobi­litätsanspruch und nicht unerhebliche Konsumerwartun­gen. Diese Reisegeneration für den Deutschlandtouris­mus zu gewinnen, ist nicht ganz einfach.

Wenn unsere Tourismuswirtschaft weiterhin expan­dieren will, dann muss noch viel passieren. Die Senioren von heute fragen besonders nach Angeboten mit Ent­spannung, Natur und Kultur. Auch gesundheitsfördernde Aktivitäten und Wellness bekommen einen immer höhe­ren Stellenwert. Fernreisen werden heute auch wegen gesundheitlicher Risiken von Senioren weniger nachge­fragt. Gerade diese Chance für den Deutschlandtouris­mus gilt es zu erkennen und vor allen Dingen auszu­bauen.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)

Vermarktung und Produktherstellung müssen deshalb auf alle Altersgruppen abgestimmt werden. Kenntnisse über Bedürfnisse, Ansprüche und Wünsche der Senioren gilt es zu erkunden und bei der Angebotsgestaltung zu berücksichtigen. Mit der zunehmenden Alterung der Ge­sellschaft wird die Zahl der Menschen, die nicht mehr Auto fahren können und wollen, zunehmen. Auch wer­den Reiseregionen, um die Natur und damit auch ihren Erholungswert zu schützen, zukünftig den Pkw-Verkehr stärker einschränken. Die heutigen Umweltzonen sind ein Anfang.

Dabei gilt es, die richtigen politischen Weichen zu stellen, damit touristische Regionen mehr Hilfestellung zur Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs anbieten und eine zufriedenstellende nachhaltige Mobilität für Men­schen aller Altersstufen gewährleisten.

Aber auch der Aspekt der Barrierefreiheit ist wichtig und muss berücksichtigt werden. Bei Barrierefreiheit geht es nicht nur um Mobilität und Unterbringung; sie muss sich vielmehr auf alle Dienstleistungen des Touris­musbereiches erstrecken. Unkomplizierter Gepäcktrans­port, lesbare Reiseinformationen und vieles mehr gehö­ren dazu. Es muss eine komplette Reisekette von Tür zu Tür sein, die für jeden nutzbar ist.

Wir haben ein großes Thema vor uns. Es ist wichtig, dass wir es richtig angehen. Denn der Seniorenreise­markt kann ein Wachstumsmotor und ein Hoffnungsträ­ger der Tourismuswirtschaft werden. Er hat aber nur dann eine Zukunft, wenn er nachhaltig und barrierefrei gestaltet wird. Lassen Sie uns daran arbeiten.

Danke.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)

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