Bundestagsrede von 05.06.2008

Nachhaltige Tourismusentwicklung

Bettina Herlitzius (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Die Tourismuswirtschaft zählt zu den weltweit am stärksten wachsenden Branchen. Aber wir alle wissen auch, dass es durch den Tourismus zu problematischen Entwicklungen für Natur, Umwelt und bei der Einhaltung sozialer Standards kommen kann. Das haben wir in diesem Haus bereits mehrfach thematisiert. Der Klimawandel wird Auswirkungen auf den Tourismus haben, auch das wird der Branche zunehmend bewusster. Leider handelt die Tourismusindustrie aber noch nicht danach, ausgenommen wenige nachhaltige touristische Nischenprodukte.

Mit unserem vorliegenden Antrag "Ausweisung der CO2-Bilanz bei Pauschalreisen" wollen wir uns die Kräfte des Marktes für die von uns Grünen gewünschte nachhaltige Tourismusentwicklung zunutzemachen. Dabei wollen wir mit unseren politischen Aktivitäten gerade nicht die touristischen Nischenprodukte ansprechen. In Zeiten des Klimawandels sollte auch die Massentourismusindustrie Zeichen setzen und verpflichtet werden, bei ihren Pauschalreiseangeboten die Höhe der transferbedingten CO2-Emissionen auszuweisen. Warum also ausgerechnet die Ausweisung bei Pauschalreiseangeboten? Pauschal- und Bausteinreisen sind bei den Auslandsreisen mit knapp 60 Prozent die am häufigsten gewählte Art der Organisation einer Urlaubsreise. Bei der Wahl des Verkehrsmittels für diese Art der Urlaubsreise liegt das Flugzeug bei den Auslandsreisen deutlich an erster Stelle. Sie alle wissen, dass beim Flugverkehr über elfmal mehr CO2-Emissionen im Vergleich zum Reisebus oder gar zum Fernverkehr der Bahn in die Atmosphäre emittiert werden. Flugreisen, Flugverkehr überhaupt sind ein großes Umweltproblem. Wir Grünen wollen uns dafür stark machen, dass die Verbraucher für die Problematik "Reisen – Treibhauseffekt – Klimawandel" sensibilisiert werden.

Tourismus und Mobilität sind eng miteinander verwoben. Tourismus ist abhängig von Mobilität und trägt damit unweigerlich zum Klimawandel bei. Zur Verdeutlichung: Im Tourismus sind 75 Prozent des CO2-Ausstoßes der Mobilität zuzurechnen. Gerade deshalb steht die Wahl des Transportmittels bei einer Reise im Mittelpunkt, wenn man den CO2-Verbrauch einer Reise reduzieren will. Man kann es nicht oft genug sagen, es gibt große Unterschiede zwischen der Art des für eine Reise gewählten Verkehrsmittels und den jeweiligen spezifischen CO2-Belastungen. Die Angaben zum CO2-Verbrauch für den Transport bei einer Pauschalreise sind deshalb ein erster Schritt zu mehr Transparenz. Mit der von uns Grünen angestrebten Ausweisung hat jede/jeder Reisende selbst die Möglichkeit, seine Reiseentscheidung auch nach der Klimabelastung der Reise zu treffen. Das trifft den Puls der Zeit. Und auch der Deutschlandtourismus könnte von einer Ausweisung der CO2-Bilanz bei Pauschalreisen durchaus profitieren und gestärkt werden.

Die Verbraucher legen immer mehr Wert auf gesellschaftliche und ökologische Verantwortung. Wir wollen nicht den Sommerurlaub des "kleinen Mannes" auf Mallorca oder gar die Fernreise verbieten. Es ist auch nicht unser Ziel, den moralischen Zeigefinger zu heben. Wir Grüne setzen auf mehr Augenmerk der Verbraucher für verantwortungsvolles Reisen. Das lässt sich nur mit transparenter Informationspolitik erreichen. Dazu bitten wir um die Unterstützung dieses Hauses.

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