Bundestagsrede von Katrin Göring-Eckardt 30.05.2008

Deutsches Auslandsschulwesen

Katrin Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):Das deutsche Auslandsschulwesen ist ein wesentlicher Bestandteil der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik und vereint in seiner Funktion gleich mehrere Ziele, die wir mit unserer Außenkulturarbeit erreichen möchten: Unsere Schulen im Ausland können neben ihrem zentralen Bildungsauftrag einen Beitrag zur Vermittlung eines positiven und modernen Deutschlandbildes leisten, Aushängeschild für den Bildungs- und Wissenschaftsstandort Deutschland sein, zum Dialog mit anderen Kulturen beitragen und Schulabsolventen, Studierende und Nachwuchswissenschaftler für die deutsche Kultur öffnen, ihr Interesse wecken und Grundlage für langfristige Beziehungen zu Deutschland sein.

Wir freuen uns, dass das Auswärtige Amt mit seiner Initiative "Schulen: Partner der Zukunft" in diesem Jahr einen bildungspolitischen Schwerpunkt in der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik setzt und das Netz der deutschen Auslandsschulen ausweiten und stärken will. Heute beraten wir über die Anträge der Koalitionsfraktionen und der FDP zu den deutschen Auslandsschulen, auf die ich im Folgenden genauer eingehen möchte.

Wir begrüßen den Antrag von CDU/CSU und SPD zur Stärkung und Weiterentwicklung des deutschen Auslandsschulwesens und halten die darin enthaltenen Ansätze im Großen und Ganzen für gelungen. Zu begrüßen ist ferner, dass sich in dem Antrag auch umfassendere Aspekte zum Stellenwert der deutschen Schulen im Ausland finden lassen und beispielsweise auch öffentlich-private Partnerschaften, die Verknüpfung des Auslandsschulwesens mit dem Studien- und Wissenschaftsstandort Deutschland sowie die Stärkung der Alumni-Arbeit Berücksichtigung finden.

Allerdings hätten wir uns an manchen Stellen weitergehende Überlegungen und Forderungen gewünscht, so zum Beispiel bezüglich der Kooperation der Auslandsschulen mit anderen Mittlerorganisationen der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Gerade im Bereich der Lehrerfortbildung und der Vermittlung von interkultureller Kompetenz spielt das Goethe-Institut eine wesentliche Rolle. Eine verstärkte Zusammenarbeit der deutschen Auslandsschulen mit dem Goethe-Institut - und nicht Konkurrenzdenken - ist deshalb notwendig und nützlich.

Auch die stärkere Vernetzung mit anderen internationalen, vor allem europäischen Auslandsschulen und lokalen Kultureinrichtungen ist für uns ein wichtiger Aspekt, der in dem Koalitionsantrag etwas zu kurz kommt. Denn ein positives Deutschlandbild, an dem auch in besonderem Maße die Auslandsschulen beteiligt sind, lässt sich nicht alleine dadurch vermitteln, dass deutsche Zielgruppen im Ausland angesprochen, sondern gerade auch Akteure des kultur- und bildungspolitischen Bereiches in den jeweiligen Ländern einbezogen werden. Wenn wir die Attraktivität des Bildungs-, Studien- und Wissenschaftsstandortes Deutschland und das Interesse an unserem Land steigern wollen, wenn wir den kulturellen Austausch und den Dialog mit anderen Kulturen fördern wollen, müssen die deutschen Schulen ihre Aktivitäten in gleichem Maße auf die ausländischen Akteure und nicht alleine auf die deutsche Community im Ausland ausrichten.

Dies bringt mich zum nächsten Punkt, der uns in dem Antrag zu wenig konkret erscheint. Zwar befürwortet die Koalition die Förderung von Kindern aus einkommensschwachen Familien und führt in diesem Zusammenhang auch zu Recht die ODA-anrechenbaren Leistungen im Bildungsbereich an. Der Frage, wie man aber Kinder des Gastlandes aus ärmeren Familien überhaupt erreichen und bei ihnen das Interesse an Deutschland wecken kann, wird nicht nachgegangen. Hier hätten wir uns Vorschläge zum Erreichen dieser noch zu wenig berücksichtigten Zielgruppen gewünscht.

Der Forderung, dass deutsche Unternehmen mehr auf das Potenzial von Absolventen deutscher Auslandsschulen zurückgreifen sollten, stimmen wir zu. Aber auch hier wäre es sinnvoll, den Gedanken auf internationale Unternehmen auszudehnen. Wenn deutsche Auslandsschulen für internationale Unternehmen ein Qualitätssiegel hinsichtlich der Kompetenzen der Absolventen bedeuten, kann sich dies auch auf andere Bereiche staatlicher, bilateraler Beziehungen sowie auf ein allgemein gutes Renommee deutscher Fachkräfte im internationalen Kontext auswirken. Diese Einbettung weiterführender strategischer Überlegungen zum deutschen Auslandsschulwesen innerhalb der Außenkulturpolitik - jenseits einer zu starken deutschen Zielgruppenorientierung - fehlt im Koalitionsantrag, zu dem wir uns deshalb enthalten.

Ich hatte bereits auf die notwendige Zusammenarbeit zwischen den Mittlerorganisationen und den deutschen Schulen hingewiesen. Wir kritisieren am Antrag der FDP besonders die künstlich aufgebaute Konkurrenzsituation zwischen dem Goethe-Institut und den deutschen Schulen. Denn einerseits waren sich bisher alle Fraktionen - also auch die FDP - darin einig, dass das Kulturmittlernetzwerk erweitert und die Zusammenarbeit der Akteure verbessert werden soll, andererseits wird eine vermeintliche Konkurrenz des Goethe-Instituts zu den Auslandsschulen unterstrichen. Sogar von einem Zweiklassensystem im deutschen Auslandsschulwesen ist die Rede, und eine klare Kompetenzabgrenzung wird gefordert. Das halten wir für falsch. Denn erstens übernimmt das Goethe-Institut andere Aufgaben als die Auslandsschulen wie zum Beispiel die Curricula- und Lehrwerksentwicklung, die Aus- und Fortbildung von lokalen Deutschlehrern oder die Verbreitung IT-basierter Lernprogramme. Zweitens kann dem Goethe-Institut nicht die jahrelang erworbene Kompetenz in der Vermittlung der deutschen Sprache und der Fortbildung von pädagogischen Fachkräften abgesprochen werden. Die Erfahrung zeigt doch, dass für eine effektive Außenkulturarbeit eine funktionierende Zusammenarbeit aller Beteiligten unabdinglich ist.

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