Bundestagsrede von 13.11.2008

Filmförderung

Vizepräsident Dr. h. c. Wolfgang Thierse:

Das Wort hat nun Wolfgang Wieland für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Wolfgang Wieland (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Vielen Dank, Herr Präsident. - Meine Damen und Herren! Ich bin der Sprecher für innere Sicherheit meiner Fraktion,

(Zuruf von der SPD: Das passt!)

aber keine falschen Schlüsse: Der deutsche Film ist für uns kein Sicherheitsproblem geworden.

(Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU]: Sicher ist sicher!)

Nein, die Kollegin Roth, die hier gerne geredet hätte, ist schon auf dem Weg, nicht nach Hollywood, aber immerhin nach Erfurt zu unserem Bundesparteitag.

(Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU]: Das ist auch Hollywood!)

Von daher habe ich die Ehre, hier zu Ihnen zur Filmförderung reden zu dürfen. Das ist schwierig für einen Innenpolitiker; denn so viel Lob für einen Minister wie in dieser Debatte gibt es in innenpolitischen Debatten eigentlich nie, noch nicht einmal vom Koalitionspartner. Deswegen muss ich mir - das gestehe ich zu - Mühe geben, um mich hier nicht wie in einem falschen Film, sondern nur wie in einem ungewohnten Film zu fühlen.

Für uns hat die Novelle Licht und Schatten. Tucholsky fragt: Wo bleibt das Positive? Damit fangen wir also an.

Gut ist auf jeden Fall, dass die Drehbuchautorinnen und Drehbuchautoren mehr Fördermittel erhalten und diese nun auch selbstständig beantragen können.

Gut finden wir auch - Herr Neumann hat es angesprochen -, dass die Frage der Digitalisierung der Kinos zum Thema geworden ist. Uns ist es wichtig, dass auch Programmkinos und mittelständische Kinos diesen Weg mitgehen können.

(Monika Griefahn [SPD]: Das ist für uns auch wichtig!)

Angesichts dessen, was da auf uns zukommt, haben wir Grüne die Einrichtung eines runden Tisches Kino angeregt, damit alle diesen Weg mitgehen können und es nicht zu einer weiteren Marktbereinigung und einem weiteren Sterben der kleinen Kinos kommt.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU])

Kritik üben wir daran, dass es nicht gelungen ist, die Zusammensetzung des Präsidiums der Filmförderungsanstalt zu verbessern. Wir hatten vorgeschlagen, auch dort den Kreativen einen Sitz einzuräumen und nicht nur wie bisher im Verwaltungsrat. Dort wird dies ja praktiziert; aber auch im Präsidium sollten sich die Bereiche Drehbuch, Regie, Kurz- und Dokumentarfilm einen Sitz teilen. Das wurde von Ihnen mit Ihrer Mehrheit im Ausschuss abgelehnt. Das halten wir für misslich.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Es geht ja bei der Filmförderung nicht nur um wirtschaftliche, sondern auch um kulturelle Fragen.

Ein anderes Anliegen von uns Grünen war die Einbeziehung von Regisseurinnen und Regisseuren in die Referenzmittelförderung. Sie sollten die Möglichkeit erhalten, auch für einen geplanten Film Fördermittel zu beantragen. Das Geld wäre sozusagen in der Produktion geblieben und nicht abgezogen worden. Meines Erachtens ist das - das ist ja für mich Neuland; ich habe mir das erklären lassen - ein durchaus originärer und guter Vorschlag. Auch in dieser Frage haben Sie es nicht für nötig gehalten, unser Anliegen aufzugreifen.

Die Frage ist jetzt natürlich, was Sie sozusagen an diese Stelle setzen wollen

(Angelika Krüger-Leißner [SPD]: Habe ich gesagt!)

- ja, ich hätte es gerne von Herrn Neumann gehört - und wie dieses Loch, in das Regisseure ja oft fallen, gefüllt werden soll. Nachdem Regisseure einen guten Film gedreht haben, bleibt ja häufig der Anschlussfilm aus, sodass sie zum Teil gezwungen sind, sich anderweitig Beschäftigung zu suchen. Um das zu verhindern, gibt es auch andere Möglichkeiten, zum Beispiel über den Bundesfilmpreis. Ich denke, an dieser Stelle muss noch nachgearbeitet werden.

(Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU]: Das tun wir auch!)

- Ja, ich hoffe, dass das kommt.

Ich komme deswegen jetzt zu einem ganz versöhnlichen Schluss.

(Beifall des Abg. Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU] - Dr. Stephan Eisel [CDU/CSU]: Das macht Frau Kollegin Roth auch gern!)

- Ich sagte ja, dass ich die Anpassung übe.

Es sind positive und negative Elemente darin enthalten. Hätte der Herr Kulturstaatsminister etwas zu der Frage gesagt, die ich als letztes angeschnitten habe,

(Zuruf von der CDU/CSU: Kommt noch!)

nämlich zur Stellung der Regisseurinnen und Regisseure, dann hätten wir zustimmen können. So wird sich unsere Fraktion der Stimme enthalten.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

 

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