Bundestagsrede von Britta Haßelmann 21.01.2009

Medienkompetenz Älterer

Britta Haßelmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Wir reden heute über einen Antrag, für dessen Unterstützung ich sehr werben möchte. Denn ich denke, er formuliert ein politisches Ziel, bei dem wir uns über alle Parteigrenzen hinweg einig sind: die Möglichkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe für ältere Menschen zu verbessern. Wir alle wissen, der demografische Wandel lässt sich nicht aufhalten, sondern nur gestalten. Daher müssen wir uns alle die Frage stellen, wie wir den zahlreichen Herausforderungen einer schrumpfenden und älter werdenden Gesellschaft begegnen wollen. Ich denke, dass die neuen Medien hier einen entscheidenden Beitrag leisten können.

Die Anwendungspotenziale von Internet, Handy und Co sind für die gesellschaftliche Integration Älterer noch lange nicht ausgeschöpft. Häufig mangelt es dieser Generation an konkreten Erfahrungsmöglichkeiten, die notwendig sind, um eine alltägliche Medienkompetenz zu erwerben. Entsprechend groß ist die Hürde, diese für sich nutzbar zu machen. Gleichwohl steigt etwa die Zahl der älteren Internetnutzer an. Aber wir bewegen uns auf einem niedrigen Niveau: Bislang nutzt nicht einmal die Hälfte der über 50-Jährigen das Internet. Aber die notwendigen Qualifikationen, um die Potenziale neuer Medien ausreichend nutzen zu können, werden nicht weniger, sondern mehr. Doch leider mangelt es bisher an einem nachhaltigen Programmaufbau der Bundesregierung für die Förderung der Medienkompetenz Älterer. Wir wollen eine gezielte Förderung, inklusive Modellprojekten, die der Heterogenität Älterer und einem differenzierten Altersbild gerecht werden, einer verstärkten wissenschaftlichen Begleitforschung und einer Vernetzung der Maßnahmen auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene.

Schon längst hätte die Medien- und Internetkompetenz als Förderziel in die Richtlinien des Bundesaltenplans aufgenommen werden müssen. Wir alle wissen doch, der demografische Wandel ist ein Prozess, der schon lange begonnen hat und dessen Auswirkungen wir heute erst in den Anfängen spüren. Wir müssen heute Angebote schaffen, die den demografischen Gegebenheiten von morgen gerecht werden. Wir brauchen daher dringend eine flächendeckende Breitbandinfrastruktur, um jedem und jeder den Zugang zu Onlineangeboten zu ermöglichen. Denn gerade in ländlichen Gebieten können Onlinedienstleistungen ein wirkungsvolles Instrument sein, Daseinsvorsorge zu unterstützen. Die potenziellen Angebotsmöglichkeiten von Onlinedienstleistungen erstrecken sich von der Autozulassung bis hin zu präventiver Gesundheitsvorsorge. Dabei ist die Digitalisierung der Lebenswelt natürlich keine Zukunftsmusik, sondern findet bereits im Hier und Jetzt statt, häufig zum Nachteil derjenigen, die nicht online sind.

Der Abschluss eines Handyvertrags im Internet verspricht freie SMS - der Kauf einer Fahrkarte am Schalter ist knapp einer Gebühr entgangen. Aber je tiefer Computer und Internet in den Alltag dringen, umso dringender ist es politisch geboten, einfache Zugangsmöglichkeiten zum Internet sicherzustellen, die öffentlich und barrierefrei zugänglich sind. Denn die Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten des Internets können wir nur dann ausschöpfen, wenn wir einen chancengleichen und diskriminierungsfreien Zugang sicherstellen.

Deshalb ist und bleibt auch eine stärkere Ausrichtung der Angebote, von Geräten, aber auch von technologischen Anwendungen an den Bedürfnissen Älterer dringend geboten. Sowohl in die Forschung als auch in der Produktentwicklung müssen die Erkenntnisse der Altersforschung viel stärker einfließen. Und ich bin mir sicher, dass dies einfacher über eine gezielte Verwendung der Mittel öffentlicher Forschungsförderung erfolgen kann als über die Auslobung von Designwettbewerben.

Lassen Sie uns gemeinsam die Integration älterer Menschen in die Informationsgemeinschaft verbessern. Ganz konkret: Stimmen sie unserem Antrag zu. Sicherlich hat der Verbraucherschutz eine wesentliche Bedeutung für die Nutzung der neuen Medien. Sicherheit und Medienkompetenz sind zwei Seiten einer Medaille. Lassen Sie uns heute in aller Ruhe die eine Seite betrachten. Für die Verbraucherschutzseite haben wir bereits zahlreiche grüne Vorschläge eingebracht. Auch diese gilt es endlich mal aus der Sicht der älteren Menschen in den Blick zu nehmen und umzusetzen.

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