Bundestagsrede von 02.07.2009

Agroforstsysteme

Cornelia Behm (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Holz ist wertvoll geworden. Denn die Nachfrage da­nach als nachwachsendem Rohstoff ist in den vergange­nen Jahren stetig gestiegen. Obwohl Deutschland zu ei­nem knappen Drittel bewaldet ist, lässt sich der Bedarf insbesondere für die energetische Nutzung nicht allein aus heimischen Vorräten decken. Wenn man darüber hi­naus, wie wir Bündnisgrüne, dem forstwirtschaftlichen Holzeinschlag klare ökologische und naturschützende Grenzen setzen will, um den Wald in seiner ökologischen und Erholungsfunktion nicht zu gefährden und für die kommenden Generationen zu erhalten, müssen wir Ge­hölze auch auf Ackerflächen in Form von Agroforstsyste­men anbauen. Denn Agroforstsysteme haben neben der Bereitstellung von Energie- und Nutzholz zahlreiche positive Effekte auch für den Ackerbau selbst. Zu nennen wäre hier beispielsweise der Erosionsschutz für den Boden und das Spenden von Schatten und Windschutz für die Pflanzen. Gleichzeitig können Agroforstsysteme neue Habitate für Tier- und Pflanzenwelt schaffen und durch diesen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt zur Ökologi­sierung der Landwirtschaft beitragen.

Der Antrag der FDP geht deshalb in die richtige Rich­tung und hält fest, was wir bereits in unserem Antrag zur Förderung der Agroforstwirtschaft im Herbst 2006 ähn­lich lautend in den parlamentarischen Beratungsprozess eingebracht hatten. Hervorheben möchte ich in diesem Zusammenhang noch einmal die Forderungen, Agro­forstsysteme von den Vorgaben des Bundeswaldgesetzes auszunehmen, damit sie weiterhin als Ackerland behan­delt werden können, sowie nach Förderung und Aus­wertung von Modellprojekten unterschiedlicher Agro­forstsysteme in Bezug auf ihren wirtschaftlichen und ökologischen Effekt.

Bei der Forderung nach einer Förderung über den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums, ELER, möchte ich präzisieren, dass der EU-Fonds bereits die Förderung von Agroforst­systemen erlaubt und die Länder diesen in Anspruch neh­men können. Was fehlt, sind zusätzliche Bundesmittel für diesen Bereich. Deshalb setzen wir uns für eine Auf­nahme der Anlage von Agroforstsystemen in den Maß­nahmenkatalog der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesse­rung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes, GAK, ein.

Seit geraumer Zeit beobachte ich eine fraktionsüber­greifende Zustimmung im Deutschen Bundestag zur Ein­führung und zur Förderung von Agroforstsystemen. Umso weniger ist es zu verstehen, dass Union und SPD es bis heute nicht geschafft haben, die dafür notwendigen gesetzlichen Weichen, insbesondere die Abgrenzung von Agroforstsystemen von Wäldern im Bundeswaldgesetz, zu stellen. Über die Fachagentur Nachwachsende Roh­stoffe ist zwar die Forschung im kleinen Maßstab ange­laufen, ein Kompetenzzentrum für diesen Bereich fehlt je­doch. Die Regierungskoalition hat die Nachfrage nach Holz angekurbelt, und die Länder haben regional Über­kapazitäten für die energetische Holznutzung geschaffen, ohne zugleich für einen entsprechenden nachhaltigen Zu­wachs bei der Holzproduktion zu sorgen. Leidtragende dieser Politik sind die Wälder, denen Übernutzung und Kahlschlag droht. Die lang angekündigte und bereits im Koalitionsvertrag versprochene Novelle des Bundes­waldgesetzes hätte vor der Wahl noch beschlossen wer­den können, wenn sie nicht von der Union auf dem Wahl­kampfaltar geopfert worden wäre – ein weiterer Punkt des Versagens der Großen Koalition.
293726